Sequenz aus dem frühen „Lucky Luke“-Comic „Die Goldmine des Dick Digger“
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Was wäre ein Cowboy ohne sein Pferd? Vor allem, wenn der Vierbeiner Jolly Jumper heißt. Bereits im ersten Abenteuer muss er Lucky Luke retten.

Der 100. „Lucky Luke“-Band bietet die ersten Geschichten von Erfinder Morris

Neuer „Lucky Luke“: Western von Gestern

  • Michael Schleicher
    vonMichael Schleicher
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Soeben ist der 100. Band der Comic-Reihe „Lucky Luke“ erschienen. Zum Jubiläum gibt es etwas Besonderes: die ersten Geschichten des Cowboys, den der belgische Zeichner Morris erfunden hat.

  • „Die Ursprünge: Western von Gestern“ heißt der 100. „Lucky Luke“-Band.
  • Der belgische Zeichner Morris erfand den Cowboy 1946.
  • Weltweit haben sich bislang mehr als 100 Millionen „Lucky Luke“-Alben verkauft.

Ein Revolverheld ist ein Revolverheld – und der kommt natürlich auch mit vier Fingern klar. Lucky Luke, der „Mann, der schneller zieht als sein Schatten“, wird im November 75 Jahre alt. Seine Abenteuer haben sich bisher weltweit mehr als 100 Millionen Mal verkauft; allein in Deutschland gingen rund 30 Millionen Alben über die Ladentische. Doch am Anfang fehlte dem Cowboy an jeder Hand ein Finger.

„Western von Gestern“ sorgt für Goldgräberstimmung

Das offenbart die 100. Ausgabe des belgischen Comic-Klassikers, die heute erscheint und deren Titel „Die Ursprünge: Western von Gestern“ nicht zu viel verspricht. Indianerehrenwort. Erstmals sind „Arizona 1880“ und „Die Goldmine von Dick Digger“, zwei frühe Geschichten von Erfinder Morris, regulär in der Reihe veröffentlicht. Das sorgt für echte Goldgräberstimmung bei Comic-Liebhabern.

Erfinder Morris heißt eigentlich Maurice de Bévère

Zu Recht. Morris, der 1923 als Maurice de Bévère geboren wurde und zum prägenden Künstler des frankobelgischen Stils avancierte (siehe Kasten), schuf „Arizona 1880“ im Jahr 1946 für den Almanach „Spirou 1947“. 20 Seiten umfasst die Episode, und wer sie liest, erkennt, welchen weiten Weg „Lucky Luke“ seither gegangen ist.

Morris begann seine Karriere im Trickfilmstudio

„Ich hatte damals keinen Stil“, sagte Morris einmal über seine frühen Arbeiten. Das stimmt – und ist dennoch falsch. Denn die Geschichte zeigt, wer den damals 23-Jährigen prägte: Walt Disney mit seinen klaren Charakterzeichnungen, aber auch Cartoonist Max Fleischer, in dessen Trickfilmwerk etwa „Popeye“ entstand. Morris’ Figuren wirken zu Beginn rund, weich. Ja, Lucky Luke hatte Babyspeck – und absolut keinen Schlag bei den Frauen. Außerdem hatte der Cowboy eben nur vier Finger an jeder Hand. Das war üblich für die Zeichentrickfilme der Zeit. Denn bevor er seine eigene Reihe kreierte, schuftete Morris für ein Trickfilmstudio. Das ist auch der Dramaturgie der beiden Geschichten anzumerken. Der Schwerpunkt liegt nicht auf einer überraschenden oder anspielungsreichen Handlung, nicht auf pointierten Dialogen oder charmanten Protagonisten, sondern auf Tempo, Action: Rasante Verfolgungsjagden wechseln sich mit wilden Schlägereien ab. Perfekt für die Leinwand.

„Erst dank Joseph Gillain konnte ich einen mehr oder weniger erkennbaren Stil entwickeln“, erinnerte sich Morris. „Ohne ihn hätte ich das wahrscheinlich nicht geschafft, schließlich hatte ich keine Ausbildung.“ Gillain – Künstlername Jijé – förderte den Zeichner und andere junge Talente, die für das Magazin „Spirou“ arbeiteten. Und er reiste mit ihm 1948 in die USA – sechs Jahre lebte Morris dort, quasi sein Studienaufenthalt. Neue „Lucky Luke“-Folgen schickte er per Post an die Redaktion.

René Goscinny schrieb „Lucky Luke“ von 1955 an

In New York machte Jijé den Comic-Künstler mit René Goscinny bekannt. Bevor der begnadete französische Autor mit Albert Uderzo „Asterix“ erfand, erkannte er das – auch satirische – Potenzial in „Lucky Luke“. Von 1955 an schrieb er die Abenteuer. Der Rest ist Geschichte. Wildwest-Geschichte.

Informationen zum Album:

Morris: „Lucky Luke 100 – Die Ursprünge: Western von Gestern“. Egmont Ehapa, Berlin, 47 Seiten;
6,90 Euro (Softcover) oder 14 Euro (Hardcover).

Lesen Sie hier unsere Kritik zum 99. „Lucky Luke“-Album „Fackeln im Baumwollfeld“.

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