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Prunkvoll und detailverliebt sind die Bühnenbildentwürfe für König Ludwigs Separatvorstellungen, hier Georg Dehns Blatt zu „Theodora“, 1885.

Ludwig II.: Seine Welt hinter den Kulissen

München - Briefe, Zeichnungen, Dokumente: Die Bayerische Staatsbibliothek wandelt von Dienstag an auf den „Spuren des Märchenkönigs“ und ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen.

Überarbeitet, überfordert fühlten sich die Mitarbeiter der Bayerischen Staatsoper oft. Die Wünsche König Ludwigs II. (1845 bis 1886), von heute auf morgen für eine Separataufführung eine Oper mit extra entworfenem Bühnenbild einzurichten, stellten sie vor enorme Herausforderungen. Die Präsentation „Spuren des Märchenkönigs“ in der Bayerischen Staatsbibliothek zeigt den Bühnenbildentwurf von Georg Dehn zu „Theodora“ (1885) und damit zugleich, in welcher (Fantasie-)Welt Ludwig lebte. Hatte Ludwigs Großvater König Ludwig I. von Bayern (1786 bis 1868) das heutige Gebäude der Staatsbibliothek an der Münchner Ludwigstraße erbaut, setzte sein Enkel laut den neuesten Forschungen wohl niemals auch nur einen Fuß hinein.

Trotzdem hinterließ er deutliche Spuren in den Beständen. Die Ausstellung selbst präsentiert nur einen kleinen Teil der Zeugnisse Ludwigs, angefangen bei seinen Geschenken an die Bibliothek: Neben prachtvollen italienischen oder deutschen Einbänden sind darunter auch ein Brief von Benjamin Franklin von 1750 und eine militärische Order (1780) von George Washington, dem ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Optisch wirken diese verblassten Handschriften in Tinte zwar nicht spektakulär, dennoch sind sie bedeutsam. Wie Ludwig II. an diese Stücke kam, ist unklar, doch dass er sie einst der Bibliothek vermachte, ist vermerkt. Für den Katalog der Schau wurde deren Inhalt – überraschenderweise erstmals – analysiert und ausführlich bearbeitet.

Ähnlich schwierig ist Ludwigs Handschrift selbst zu entziffern, in der Ausstellung sind einige persönliche Briefe beispielsweise an die österreichische Kaiserin Elisabeth I. sowie an seine kurzzeitige Verlobte Herzogin Sophie in Bayern zu sehen: „Wir beide leben in einer Umgebung, die uns stets fremd bleiben wird“, schreibt er darin an Sophie. Ein Verlobungsgeschenk, eine prachtvoll mit den Initialen der beiden und einer Königskrone verzierte Bibel von 1851, wird seit dem Erwerb 1986 aus Privatbesitz erstmals wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Darüber zeigt ein Foto ein stolzes, hoffnungsvolles Paar.

Ludwigs Liebe zur Ästhetik ist verbrieft: Für seine Separataufführungen mischte er sich bis in Detailfragen ein, gab Intendanten und Regisseuren Ratschläge und Befehle. Für das letzte Stück dieser Reihe, „Theodora“ von Victorien Sardou (1831-1908) schickte er einen Hofmaler nach Paris, um die dortige Bühnendekoration zu kopieren. Die Ausstellung zeigt das Bild. Am Ende ließ Ludwig die Münchner Inszenierung prunkvoller ausgestalten, als sie es bei ihrer Pariser Uraufführung ein Jahr zuvor gewesen war.

Von Angelika Mayr

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