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Drehtag an historischem Ort: Sabin Tambrea (Ludwig II.) und Paula Beer (Sophie) posieren im Münchner Cuvilliés-Theater.

Ludwigs goldene Träume

München - Im Cuvilliés-Theater wird derzeit „Ludwig II.“ gedreht. Die Hauptrolle hat Sabin Tambrea übernommen, ein noch unbekannter Name im Kino-Geschäft. Der Film soll im Dezember 2012 starten.

Gestorben ist er schon. Gleich mehrfach. Immer wieder musste Sabin Tambrea die Tage zuvor in den Starnberger See steigen und abtauchen. Er spielt den Monarchen – allerdings den jungen Ludwig (den alten übernimmt Sebastian Schipper). Aber warum der jugendliche Kini im See verschwindet und nicht historisch korrekt der alte, das darf Tambrea nicht verraten.

Bavaria Pictures und Warner Bros. wollen den Film im Dezember 2012 in die Kinos bringen. Das Ludwig-Jahr ist dann zwar vorbei, doch die Faszination des eigenwilligen Herrschers währt wohl noch ewig. Acht Jahre Vorlaufzeit hatte die rund 15 Millionen Euro teure Produktion über das Leben und Sterben des bayerischen Märchenkönigs. Gedreht wird bis zum 18. November an Originalschauplätzen. In den Schlössern Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee, sogar im französischen Versailles. Voraussichtlich bis zum morgigen Dienstag ist das Team im Cuvilliés-Theater.

Die Rolle des jungen Ludwigs wurde als letzte besetzt. Die Produzenten fanden lange kein unverbrauchtes Gesicht – an der Seite solch arrivierter Kollegen wie Edgar Selge (Richard Wagner), Friedrich Mücke (Stallmeister Richard Hornig), Hannah Herzsprung (Kaiserin Sisi) und Tom Schilling (Prinz Otto). Sabin Tambrea, 1984 in Rumänien geboren und als „Kini“ Nachfolger von O.W. Fischer und Helmut Berger, ist ein Neuling in Sachen Kino. Zwei kleinere Rollen hat er zwar schon im Lebenslauf, aber die lässt er beim Interview unter den Tisch fallen. „Und nun komme ich in die Situation, einen Film tragen zu dürfen“, sagt er mit sanfter Stimme, bescheiden und stolz zugleich.

Am ersten Drehtag vor einem Monat habe er einen Hörsturz gehabt. Doch jetzt, wieder genesen, wolle er „die Rolle mit einer gewissen Frechheit so spielen, wie sie aus mir herauskommt, um die Möglichkeiten meiner Darstellung nicht durch Aufregung und Ehrfurcht zu beengen“. Das tiefe Grundverständnis für Ludwig ist also vorhanden, das Aussehen sowieso: Tambreas Haut ist blass, die Lippen sind noch vom vorangegangenen Dreh dezent rot geschminkt, die kinnlangen, schwarzen Haare vom Stylisten akkurat nach hinten gelegt. Schmal ist er, und groß.

Drei Minuten braucht der 1,93 Meter-Mann, um aus dem opulenten Kostüm heraus- und in einen schwarzen Anzug samt V-Ausschnitt-T-Shirt hineinzuschlüpfen. Und doch könnte man meinen, der junge Ludwig sitze vor einem. Nur eben in der modernen Version mit Zigarette zwischen den schlanken Fingern.

Ludwig habe versucht, mit Kunst und Kultur eine bessere Welt zu erschaffen, betonen die Regisseure und Drehbuchautoren Peter Sehr und Marie Noëlle. „Er ist davon überzeugt, der Allmächtige habe ihn zur Erde gesandt, um Gottes Willen des Friedens und der Humanität endlich zur Wirklichkeit werden zu lassen“, sagt auch Sabin Tambrea. Für ihn ist Kunst „die treibende Kraft, etwas zu erschaffen und vielleicht auch etwas Bleibendes. Das ist der Keim einer gewissen Naivität, die man sich im Leben bewahren muss, weil man eben gegen viele Widerstände anzukämpfen hat, die einen zu früh erwachsen machen.“

Seit 2009 ist Tambrea Mitglied am Berliner Ensemble. Und schon seit seinem vierten Lebensjahr gehört die Musik zu seinem Alltag. Er genoss eine Ausbildung in Violine, Viola und Klavier, hat Dirigierunterricht hinter sich, gewann sechs erste Preise bei „Jugend musiziert“ auf Regional- und Landesebene. Die Werke Richard Wagners kennt und liebt er – wie Ludwig. Allein die Musik des „Lohengrin“ darf Tambrea an diesem Drehtag drei Stunden lang genießen – eine 30-sekündige Traumsequenz wird im Cuvilliés-Theater aufgezeichnet. In einer Parterre-Loge also lauscht Tambrea/Ludwig, die grünen Augen geschlossen, in prachtgoldenem Umfeld und vor zwei Kameras immer wieder dem Zwei-Minuten-Playback. Zwischendrin holt ihn Prinz Otto aus seiner Traumwelt. Ludwig blickt auf, muss gehen – die Pflicht ruft den jungen Herrscher.

Den König nur als König darstellen, das habe ihn weniger gereizt, sagt Sabin Tambrea. Interessanter sei hier doch das Kind, das erwachsen wird. Die Psychologie steht bei diesem „Ludwig II.“ im Vordergrund, bewusst distanziert man sich vom Opus Luchino Viscontis aus dem Jahre 1972. Ins aktuelle Drehbuch flossen die neuesten Forschungen ein. Ludwigs Homosexualität wird thematisiert, auch seine frühe Todessehnsucht. Deswegen ist Sabin Tambrea „auch schon öfter nass aus dem Starnberger See gestiegen“, wie er dann doch verrät. Gedreht wurden Todesvisionen „wie sie Ludwig hatte, in dunklen Stunden“.

Angelika Mayr

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