Lukas ist zurück

- Der Prolog im Johannesevangelium, maßgeblich für die römische Liturgie, ist eher nüchtern. Weil aber das Volk "etwas sehen und fürs Herz haben sollte, da ist uns Lukas eingesprungen": So locker erklärt Pater Klaus Obermayer von der Kirchenstiftung St. Kajetan die Wurzeln des Weihnachtsfestes mit Herbergssuche, Geburt Jesu im Stall und der Botschaft an die Hirten. Umso fröhlicher sind jetzt alle, dass der Evangelist Lukas gerade rechtzeitig wieder in die Münchner Theatinerkirche zurückgekehrt ist. 270 Jahre lang hütete die weiß leuchtende Holzstatue die Chorschranke, bevor sie im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört wurde.

Noch sind die Spuren der Verwüstung deutlich zu sehen: Im Bombenhagel ist die Holzfigur an- und ausgebrannt, manche Bruchstücke fehlen ganz, der Rest wurde nach 1945 in den Depots des Bayerischen Nationalmuseums eingelagert. In einer mühseligen, intensiven Hauruck-Aktion ab Anfang November haben Professor Erwin Emmerling und die Restauratoren der Technischen Uni München die Einzelteile zusammengesetzt. Die Holzkohle musste stabilisiert werden. Leerstellen wurden durch ein Gerüst ersetzt, die Drehung des Körpers wurde mittels eines Holzskeletts ausgerichtet. Über weitere Ergänzungsmaßnahmen wird nun zusammen mit der Kirche entschieden.

Vorausgesetzt natürlich, die Finanzen sind dafür aufzutreiben. Bisher unterstützte die Baudenkmal-Stiftung München in der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz das 23 000 Euro teure Gesamtunterfangen, zuletzt sorgte ein Benefizkonzert im Sommer für fehlende Gelder. Anfang 2005 wurden bereits die teilrestaurierten Evangelisten Markus und Johannes aufgestellt, für die Chorschranke wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. So ist das Hauptwerk des Münchner Hofbildhauers Balthasar Ableithner auf dem Weg in die Vollständigkeit. Mit den Figuren für die Chorschranke, den ersten Monumentalwerken Oberbayerns, brachte er den italienischen Barock nach Bayern. Darüber hinaus demonstriert die Anlage die Verbindung von Geistlichkeit, Fürsten und Volk. Wäre nicht der Evangelist Matthäus gänzlich verschollen, die Kirche könnte nach der sechsjährigen Gesamtrestaurierung nächstes Jahr wieder im neuen alten Glanz erstrahlen.

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