"Lulu" mit dem Mops

- Wenn sie so dasitzt, ihr Gegenüber mit großen, neugierigen Augen anschaut, die rote Wuschelmähne schüttelt, den kleinen Mops auf ihrem Schoß herzt und dabei laut lacht - dann kann man sie sich gut vorstellen als jenes Wesen, das sie ab morgen sein wird: Lulu. Die Stimme vom Himmel aus Verdis "Don Carlos" steigt herab in Wedekinds Welt - Margarita De Arellano ist angekommen in ihrer ersten großen Hauptrolle an der Bayerischen Staatsoper.

<P>Alban Bergs unvollendet hinterlassene, 1937 in Zürich uraufgeführte Oper "Lulu" hat am Samstagabend im Münchner Nationaltheater in der 1979 von Friedrich Cerha vollendeten dreiaktigen Fassung Premiere. Michael Boder dirigiert, und David Alden führt Regie.<BR><BR>"Es wird sehr fantasievoll", verrät die in Miami geborene, in New York aufgewachsene, spanisch-kubanische Margarita De Arellano, deren kleiner Mops in "Lulu" ebenfalls seinen großen Auftritt hat. Zusammen mit Alfred Kuhn als Theaterdirektor. Seit 1998/99, als die junge Sängerin fest im Ensemble der Staatsoper engagiert war, arbeitete sie sich von den Randpartien - Stimme vom Himmel, Najade, Woglinde, Waldvöglein über Musette und Adele - hin zur Anne Trulove in Strawinskys "The Rake's Progress", erst am Gärtnerplatztheater, später auch an der Staatsoper.<BR><BR>"Ich denke, diese Frau ist zerstört - von Beginn an."<BR>Margarita De Arellano</P><P>Jetzt also die erste große Premiere, zu der sogar die Mama aus Florida angereist ist. Sie, eigentlich Lehrerin, hat früher viel getanzt, und der Papa sang begeistert Zarzuelas und fühlte sich als "frustrierter Tenor". Die Tochter machte den Gesang dann zum Hauptberuf, studierte an der New Yorker Juilliard School, wo sie erstmals mit Bergs "Lulu" singend Kontakt aufnahm. Nun muss sie die "Urgestalt des Weibes" auch verkörpern.</P><P> "Die Lulu ist auf jeden Fall zeitlos. Der Geschlechterkampf und die Sozialkritik, die Wedekinds Stück zur Entstehungszeit pikant machten, sind heute nicht mehr relevant. Ich denke, diese Frau ist zerstört - von Beginn an. Sie ist nicht kultiviert, hat ihren tierischen Instinkt, erkennt ihr Ur-Gefühl und will immer zurück zu ihrer Kindheit. Da wurde die Waise schon durch Sexualität geprägt von Schigolch, ihrem Ziehvater."<BR><BR>Der 80-jährige Franz Mazura spielt ihn in der Neuinszenierung, und Margarita De Arellano nennt ihn "einen Lichtblick". "Er hat so viel Erfahrung, es ist wunderbar, mit ihm zu arbeiten", schwärmt sie und freut sich, dass das gesamte "Lulu"-Team sehr gut miteinander harmoniert. Tom Fox ist der Dr. Schön, "den Lulu liebt, der aber zu dieser Liebe nicht fähig ist", und Katarina Karnéus die Gräfin Geschwitz, "die als einzige Lulu wirklich liebt, aber von ihr nur nett behandelt wird".<BR><BR>Um sich in die Lulu verwandeln zu können, hat Margarita De Arellano viel gearbeitet und von ihrem Coach gelernt, "mein Ich wegzustecken". Wenn's klappt, soll die Lulu, "die Höhe, Tiefe und Dramatik haben muss", in ihr Repertoire kommen, wo auch schon die "Traviata" oder die "Poppea" abrufbereit sind. Demnächst schließt sich in Tel Aviv - als Koproduktion mit der Wiener Staatsoper - Lehars "Lustige Witwe" an. Und dann soll es langsam Richtung Strauss gehen, zur "Daphne" etwa, und natürlich zu Donizettis Königinnen. "Die mag ich alle", lacht die junge Künstlerin, die sich vom Singen beim Reiten und Bergwandern erholt. <BR><BR></P>

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