Lust auf Komödie

- Peter Kremer scheint nicht nur für alles offen zu sein, was ihm das Leben so zuspielt. Er scheint diese Haltung auch zu genießen. Er genießt, dass er beim verspäteten Mittagessen nach der Probe Unterhaltung hat, indem er interviewt wird. Dass er gleich zurück aufs Land fahren und die Tochter in den Ballettunterricht bringen kann.

Dass er nach seinem Ausstieg als Kommissar der ZDF-Serie "Siska" wieder frei ist für neue Fernsehangebote, selbst wenn diese momentan noch gar nicht so zahlreich sind. Und selbstverständlich genießt er wieder verstärkt das Theaterspielen, seine erste Zusammenarbeit mit Regisseur Dieter Dorn, seine Rolle des Roman Tournel in Georges Feydeaus Farce "Floh im Ohr".

Premiere ist morgen um 19 Uhr im Münchner Residenztheater. Für Kremer ist das eine der ganz wenigen komischen Rollen seiner bisherigen Karriere. "Es hat noch nicht sollen sein. Deshalb hatte ich nun richtig Lust auf eine Komödie", erzählt der 48-jährige gebürtige Mülheimer. Und dass ihm bei diesem Stück auf der Bühne der Schweiß herunterlaufe, so groß sei der körperliche Einsatz. Als Tournel gerät er nämlich schnell hinein in das unerbittliche Verwechslungsgetriebe des rasanten Stücks.

Madame Chandebise, gespielt von Juliane Köhler, hat einen Floh im Ohr -oder aber ihr Mann (Jörg Hube) tatsächlich eine Geliebte. Um die Wahrheit herauszufinden, lässt Madame ihre Freundin einen verfänglichen Brief an ihn schreiben und bestellt ihn in ein zwielichtiges Etablissement. Doch Monsieur glaubt an eine Verwechslung und schickt an seiner Stelle den Schwerenöter Tournel. Indessen die Handschrift der Freundin er-kannt wird und deren Ehemann vor Eifersucht tobt . . . Eine Dynamik, die den Schauspielern ungeheure sprachliche und rhythmische Präzision abverlangt.

"Hier kann man nicht herumpsychologisieren, kann man nichts wegsprechen, denn das verträgt das Stück nicht. Man kann richtig dessen Atem spüren." Für Kremer war das Resi längst nichts Neues mehr, als er 2004 in "Clavigo" in der Inszenierung von Elmar Goerden den Beaumarchais spielte. Bereits unter den Intendanten Frank Baumbauer und Günther Beelitz hatte er hier immer wieder Stückverträge. Bei Dieter Dorn, damals an den Münchner Kammerspielen, hatte Kremer als Student der Essener Folkwangschule noch erfolglos angeklopft. Später stand er mit ihm immer wieder in Kontakt, "aber mal hat es zeitlich, mal rollenmäßig nicht gepasst". Dass es beim "Floh im Ohr" endlich passen würde, erfuhr Kremer durch einen Anruf in Bochum, wo er in einer Botho-Strauß-Inszenierung von Goerden spielt.

Man könnte meinen, dass jemand, der sein Herz an die Natur und Landschaft im Süden Münchens verloren und dort auch Familie hat, nicht so gerne durch die Lande tingelt. Aber Kremer sagt: "Ich genieße die Situation als Gastschauspieler. Das gibt mir, nach 18 Jahren mit festen Verträgen an vielen Häusern und mehreren Jahren Fernsehen, Kraft." Zumal er auf diese Weise auch leichter Theater und Film verbinden kann. Und seine Mutter, selbst Schauspielerin, war kein bisschen Schuld daran, dass ihr Sohn denselben Weg einschlug? "Nein, es war meine Jugendliebe. Sie ging auf die Schauspielschule, ab dem Moment war es für mich klar, was ich werden will." Und gleich die erste Aufnahmeprüfung bewies sein Talent. Vielleicht daher die Gelassenheit und Genussfreude selbst noch vor der schweißtreibendsten Premiere.

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