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Gefesselt von der Literatur: Hellmuth Karasek war mehr als Marcel Reich-Ranickis Gegenpart im „Literarischen Quartett“ – er verband souverän Hochkultur mit Entertainment und hatte keinerlei öffentlich-rechtlichen Standesdünkel. 

Nachruf

Hellmuth Karasek: Lustvoll gegen Klischees

Wie leicht Hellmuth Karasek für einen guten Gag zu haben war, wie souverän er immer wieder die Grenzen zwischen der sogenannten Hochkultur und dem puren Entertainment überschritt, zeigte sich zuletzt an seiner Rezension des „Ikea“-Katalogs. Ein Nachruf.

Mit diebischer Freude an der Selbstparodie attestierte er dem Werk in einem rund vierminütigen Spot, eine Art „möblierter Roman“ zu sein und brachte sogar Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe in seiner Besprechung unter. Karasek konnte wie hier gedrechselte Sätze sprechen – und zugleich stets ein süffisantes Lächeln um seine Lippen spielen lassen. Ein kluger Kopf – und wie geschaffen für die Medienwelt.

Er versuche, „dem Leben abzuschauen, was es schreiben würde, wenn es schreiben könnte“, brachte es der Kritiker und Autor im vergangenen Jahr in einem Interview auf den Punkt. Und erlebt, auch erlitten hatte er vieles. Geboren im Jahr 1934 im mährischen Brünn und aufgewachsen im schlesischen Bielitz (heute Bielsko-Biala), floh der damals Elfjährige mit seiner Familie bei Kriegsende vor der Roten Armee und landete zunächst in Bernburg (Sachsen-Anhalt). Doch „Go West“, so auch der Titel eines seiner autobiografisch grundierten Bücher, blieb seine Devise. Im Jahr 1952 setzte sich Karasek in die Bundesrepublik ab, landete im baden-württembergischen Tübingen, wo er Germanistik studierte.

Mit seinem ersten Job bei der „Stuttgarter Zeitung“ im Jahr 1960 begann sein steiler Aufstieg als Journalist, der Karasek über die „Zeit“ bis zum „Spiegel“ führte, für den er von 1974 bis 1996 schrieb. Der Wahl-Hamburger sprengte stets lustvoll das Klischee des etwas weltfremden, verkopften Kritikers, er liebte das klare Wort, schreckte schon früh auch vor Ausflügen auf die andere Seite, die der Autoren, nicht zurück. Kein Wunder, dass er nach seinem nicht ganz freiwilligen Abschied vom „Spiegel“ in seinem Buch „Das Magazin“ seine Jahre bei dem Blatt humorvoll aufarbeitete.

Eine seiner Leidenschaften galt dem Film, in einer Art Lexikon seiner Lieblingsstreifen manifestierte sich Karaseks Sicht auf seinen Beruf. Geprägt von großem Wissen und großer (Lebens-)Erfahrung, aber stets konsequent subjektiv ging er an seinen Gegenstand heran. Mochten sich an seinem Urteil manchmal auch die Geister scheiden – langweilig war er nie.

Seine Präsenz, sein Sinn für Humor und nicht zuletzt auch seine sonore Stimme mit dem sanft gerollten „R“ prädestinierten Hellmuth Karasek für Funk und Fernsehen. Das „Literarische Quartett“ im ZDF machte ihn endgültig einem großen Publikum bekannt. Dort gab er von 1988 bis 2001 den dezent anarchischen Antagonisten des polterigen Marcel Reich-Ranicki, der Schalk blitzte ihm aus den Augen, wenn er die Kamera suchte. Mit „MRR“ verband ihn eine tiefe Freundschaft. „Zwölf Jahre die gleichen Bücher gelesen zu haben ist wie eine ebenso lange dauernde gemeinsame Wanderung“, bilanzierte er später.

Auch mit Privatsendern hatte der Mann mit der stets leicht verrutschten Frisur keine Berührungsängste, saß auch einmal unter lauter Comedians in „Sieben Tage, sieben Köpfe“, diente als Experte in Günther Jauchs RTL-Quiz. „Ich kann an solchen Auftritten nichts Ehrenrühriges finden“, konterte er Kritik an seinen Engagements auf dem Bildschirm.

Bis zuletzt war Karasek als Autor aktiv, schrieb Bücher („Süßer Vogel Jugend“, „Auf Reisen“, „Frauen sind auch nur Männer“) und Zeitungskolumnen. Dem Witz galt in den vergangenen Jahren eine spezielle Leidenschaft, im Dialog mit Eckart von Hirschhausen kultivierte er sein Talent zum perfekten Timing. Am Dienstag, drei Tage vor dem Start des neuen „Literarischen Quartetts“ im ZDF, ist Hellmuth Karasek 81-jährig in Hamburg gestorben. Verböte es sich nicht, müsste man jetzt eigentlich sagen: „Was für eine Pointe!“

Rudolf Ogiermann

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