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Volles Haus in der Philharmonie, wo 2092 Sänger gemeinsam für „Luther“ probten.

Probenbesuch im Münchner Gasteig

2092 Menschen singen „Luther“

München - Am 18. März wird das Pop-Oratorium „Luther“ in der Münchner Olympiahalle aufgeführt. Jetzt trafen sich im Münchner Gasteig 2092 Chorsänger, um den Abend vorzubereiten. Wir waren bei den Proben dabei:

Chordirigent Michael Martin

„Hallo München, geht es Euch gut?“ Angesichts des ohrenbetäubenden Jubels, der nach dieser fast schon rhetorischen Frage von Mit-Organisator Marcel Volkmann aufbrandet, könnte man meinen, der große Tag des Konzerts wäre bereits da. Aber bis am 18. März in der schon jetzt beinahe ausverkauften Olympiahalle das Pop-Oratorium „Luther“ über die Bühne geht, liegt zunächst noch ein klein wenig Arbeit vor den 2092 Sängerinnen und Sängern, die sich hier im Gasteig zur ersten gemeinsamen Probe treffen. Viel hat man sich vorgenommen für dieses „Projekt der tausend Stimmen“, das Komponist Dieter Falk und Texter Michael Kunze 2015 erstmals in Hannover zur Aufführung brachten und nun anlässlich des Reformationsjahres erneut deutschlandweit in zehn Städten präsentieren.

Selbst wenn München nicht gerade als Hochburg der Lutheraner gilt, an Bewerbungen mangelte es auch bei uns keinesfalls. Und das zur großen Freude von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der als Schirmherr des Ereignisses fungiert, ebenso konfessions- wie generationenübergreifend. „Singen macht froh und öffnet das Herz. Das konnte ich bereits in Hannover erleben. Für mich ist dieses Projekt fast schon eine Art Sinnbild für das, was wir uns eigentlich alle für die Welt wünschen. Dass viele verschiedene Stimmen in Harmonie zusammen singen.“

Zahlreiche Chöre aus München und Umgebung sind mit dabei, aber auch Familien und andere Sangesfreudige wie Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, die sich unauffällig unter ihre Schäfchen mischt. Vom Teenager bis hin zum 87-Jährigen, sie alle haben sich im Laufe des vergangenen Jahres immer wieder in kleinen regionalen Einzelproben oder auch allein Zuhause, ausgestattet mit Noten und Demo-CD, das Pop-Oratorium draufgeschafft, um hier mitzumachen. Petra aus Heidenheim war vom Projekt sogar so begeistert, dass sie nach der Aufführung in Stuttgart nun in München noch einmal dabei sein wollte. „Es war einfach cool, Teil dieses Projekts zu sein. Wenn man dort oben steht und sieht, wie die Menschen in der Halle sich von der Musik mitreißen lassen und einem zujubeln. Da fühlt man sich fast selber wie ein kleiner Star.“

Die Sänger kommen auch aus Österreich und dem Saarland

Petra ist allerdings nicht die Einzige, die einen weiten Weg auf sich genommen hat. So findet sich im Tenor-Block unter anderem eine Gruppe aus Österreich, eine andere Mitstreiterin ist sogar aus dem Saarland angereist und bekommt dafür verdienten Einzelapplaus. Aber auch Komponist Dieter Falk sammelt im Dienste „Luthers“ im Moment ordentlich Bonusmeilen. Denn nach dem gemeinsamen Aufwärmen und einer kleinen Motivationsansprache  geht  es für ihn schon wieder schnurstracks zum Flughafen und auf nach Halle in Westfalen, wo am selben Tag ebenfalls eine Generalprobe seines Erfolgsstücks stattfindet.

Aber bei Chordirigent Michael Martin darf er das Projekt in guten Händen wissen. Der treibt Sängerinnen und Sänger mit einer guten Portion fränkischem Humor im wahrsten Sinne des Wortes in höchste Höhen. „So weit müssen wir zwar nie rauf, aber es ist gut zu wissen, dass es mit euch gehen würde. Und weil’s so schön war, dürft ihr das gleich noch mal machen.“ Ohne Druck, aber doch immer auf Präzision bedacht. Eine Methode, die bei den Hobbysängern bestens ankommt, die gerne einen Samstag  lang ihre Freizeit opfern.

Der Spaß ist die größte Motivation der Sänger

Die Motivation, sich am Projekt „Luther“ zu beteiligen, ist bei fast allen dieselbe. Der Spaß am Singen – oder wie es Bernd Stettner aus Feldkirchen auf den Punkt bringt: „Das ist etwas Einmaliges. Ich singe lange im Kirchenchor und im Männergesangsverein. Aber als dann auf der ersten großen Probe in der Matthäus-Kirche auf einmal 700 Leute angefangen haben zu singen …, das war schon ein echtes Gänsehauterlebnis.“ Egal wie viel Routine einzelne womöglich schon mitbringen, mit diesem Gefühl ist Bernd Stettner keineswegs alleine. „Bombastisch“ findet ebenfalls Florian Skudlik die Probenatmosphäre im Gasteig. Der 22-Jährige aus Freilassing hat zwar schon Erfahrungen in einem Gospel-Chor gesammelt, aber „so etwas wie hier, das erlebt man nicht alle Tage“.

Tobias Hell

Informationen zum Konzert:

Restkarten für „Luther“ am 18. März in der Münchner Olympiahalle gibt es mit Glück unter 089 / 54 81 81 81.

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