"Luzi ­- der Schutzengel": Zu viel und zu wenig

- Das Problem des Unternehmens Himmel ist: Sein Personal ist überaltert, seine Strukturen sind nicht mehr zeitgemäß. "Ältere Engel werden heute von Sportflugzeugen überholt", so formulierte es Petrus. Aber da er ein zukunftsorientierter Vorstandsvorsitzender ist, zieht er jetzt Reformen durch und verspricht sich große Erfolge von der Neuentwicklung eines "Düsen\-engels" mit Spürnase und -ohren und Tarnfunktion. "Luzi ­ der Schutzengel" ist eine Erfindung des Autors Klaus Heilmann, und nach mehreren Bücher-Abenteuern hatte er nun seinen großen Uraufführungs-Auftritt in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof.

Luzis Mission: Er soll die Schülerin Lisa beschützen, die so eigensinnig ist, dass der Vorgänger-Schutzengel sich jetzt freiwillig in der himmlischen Engel-Reha erholt. Für den Techno-Engel Luzi (gewitzt: Otto Beckmann) im teuflisch anmutenden roten Overall ist der Fall Lisa (frech und zart: Miriam Smolka) ein Klacks. Sie und ihre Freundin, die doch eigentlich nur ihr Lieblingspferd vor dem Metzger retten wollen, kriegt er spielend auch schulisch auf die rechte Bahn, während er sich an der anderen Front mit dem intriganten Kollegen Gabriel herumschlagen muss.

Eigentlich könnte die hübsche Geschichte im provisorisch wirkenden Klipp-klapp-Bühnenbild von Thomas Pekny ganz gut funktionieren, wenn sie nur nicht so viele Klischees bemühen und diese nicht so penetrant belehrend wieder aufbrechen würde. Etwa das vom Klassenbesten, der dann doch ein ganz netter Kerl ist, und dem bösen Lehrer, dem man beliebig auf der Nase herumtanzen kann.

Bedenklich aber ist Peter M. Preisslers Inszenierung, weil sie so sehr auf Albernheiten setzt, den Schauspielern zumutet, unter ihrem Niveau zu spielen, und weil sie Kindern nicht zutraut, feineren Humor zu verstehen. Andererseits überfordert sie Zuschauer im Kindergartenalter mit einer Hitlerparodie ­ eigentlich sogar einer Parodie auf Bruno Ganz‘ Darstellung des Diktators ­ und verkauft sie als harmlose lustige Figur. Eine Aufführung, die zu viel und zu wenig verlangt. \-

Bis 25.12., jeweils um 15 Uhr (für Kinder ab vier Jahren); Tel. 089/ 29 16 16 33.

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