Lyriker Wolfgang Bächler zum 80.

- "Doch dann wuchs mir/ ein Baum aus der Brust,/ verzweigte sich, trieb Blätter./Wie sollte ich je wieder aufstehen können/ mit diesem Baum in der Brust?/ Wie durch die Türe gehen?/ Leichter wächst da mein Baum/durch die Zimmerdecke, durch das Dach,/ Ja, nur so kommen wir aus dem Haus."

Mit Wolfgang Bächler und seiner Lyrik verhält es sich ein wenig wie mit diesem Traumbild-Gewächs. Das, was in dieser Dichterseele so drängend gedeiht, beschwert und befreit zugleich die Brust. Es behindert die gewöhnliche Fortbewegung und erschafft dabei einen fulminanten Auftritt: "Durch das Dach,/ Ja, nur so kommen wir aus dem Haus."<BR><BR>Es scheint, als sei in diesen Worten die Tragik dieses Dichterlebens enthalten. Wolfgang Bächler, 1925 in Augsburg geboren und einer der wichtigsten Nachkriegsdichter, wird heute 80 Jahre alt. Nach Arbeits- und Kriegsdienst und zwei Kriegsgefangenschaften, die in dem jungen Bächler ihre Traumata hinterließen, gründete er als jüngstes Mitglied die "Gruppe 47" mit. Gottfried Benn etwa hielt viel von ihm: "Er hat persönliches Erleben und Mut zu offener, sammelnder wie zerstörerischer Form."<BR><BR>Tragik des Dichterlebens<P>Auch Thomas Mann wurde auf seine "echte Lebensinbrunst" aufmerksam und beobachtete an Bächler "viel von der Qual und der Zerrüttung der Zeit". Mit seinem Roman "Der nächtliche Gast" und dem Gedichtband "Die Zisterne" hatte der junge Bächler 1950 sogleich großen Erfolg. Weitere Gedichtbände folgten. In Vergessenheit geriet Bächler ein wenig, als er für zehn Jahre nach Frankreich verschwand, wo er verheiratet war.<BR><BR>Seit 1967 lebt er wieder in München. 1976 schrieb Heinrich Böll: "Es gehört zu den Merkwürdigkeiten unserer Verschleißübungen, dass ein Lyriker wiederentdeckt werden muss, der längst entdeckt war." Und das blieb bis heute Bächlers Dilemma. Immer wieder geplagt von Depressionen, scheute er die ganz große Öffentlichkeit, hatte Arbeitsblockaden. "So fern in der Nähe warst du mir,/ so nah in der Ferne", heißt es in einem seiner Liebesgedichte. Nah und fern ist Bächler selbst dem Publikum geblieben. Die Monacensia und der S.Fischer Verlag ehren ihn mit einer Soirée.<BR></P><P>Heute, 20 Uhr, Monacensia. Tel. 089/ 419 47 20.</P>

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