Das Machen ist das Entscheidende

- Er glaubte fest daran: "Auch durch Kunst, durch Poesie kann die Welt verändert werden, solange man sie macht. Das Machen ist das Entscheidende." So schrieb der Reutlinger Holzschneider und Maler HAP Grieshaber (1909-81) 1970 im Sinne der Käthe Kollwitz. Wie sie wollte er "wirken in dieser Zeit". Doch er hielt nichts von dem Begriff "engagierte Kunst". Das sei eine Tautologie, meinte er, "ein weißer Schimmel. Meine Holzschnitte sind für das mittelbare, nicht für das unmittelbare Wirken gemacht!"

<P>Die von ihm selber seit 1947 gestalteten 219 Plakate - fast durchweg Holzschnitte - enthalten dann doch Aufrufe, Mahnrufe, Aufforderungen und Produktwerbung, nie jedoch für Industriegüter, sondern für Bücher und Grafik, für Kunst allemal und für deren Ausstellungen.</P><P>Symbiose von Bild und Schrift</P><P>Annähernd 100 Grieshaber-Plakate aus den Beständen des Kunstmuseums Heidenheim zeigt jetzt die Versicherungskammer Bayern in ihrem Münchner großen Foyer, Maximilianstraße 53. Im Ismaninger Kallmann-Museum waren es im Frühjahr 2000 über 80 Exemplare aus dem Reutlinger Spendhaus. Es besitzt als Stiftung der Nachlassverwalterin das nahezu gesamte Plakatwerk Grieshabers.</P><P>Es gibt keinen Katalog, noch nicht einmal eine Liste für diese neuerliche Ausstellung. Äußerst knapp gehalten sind die Beschriftungen. Die Entstehungsjahre sollen den Plakaten entnommen werden. Wo sie dort fehlen, weiß auch das Etikett sie nicht zu nennen, obwohl das möglich wäre.</P><P>Es ist die letzte von Marc Grundel hier realisierte Ausstellung. Soeben wurde er mit der Leitung der Städtischen Museen Heilbronn betraut. Als seine Nachfolgerin trat die junge Kunsthistorikerin Isabel Sieben in die Dienste der Versicherungskammer. Sie ist bestens vertraut mit der Bildhauerkunst im Deutschland der Jahrzehnte seit 1945: eine Hoffnung für dieses im Ausstellungs- und Museumswesen meist vernachlässigte Metier.</P><P>Der gelernte Typograf, Buchkünstler und Schriftgestalter Grieshaber entwickelte seit seinen frühesten, 1947-48 für eine Stuttgarter Privatgalerie noch per Offset verfielfältigten Plakaten eine großformatige, flächige, kaum mehr als zwei- oder dreifarbige Methode des Drucks vom Holzstock oder Galvano, um zugleich das oft harte Material zur Geltung zu bringen und den Vorgang des Machens. Sein unverwechselbarer Stil blieb klar, knapp und eindringlich in Form und Aussage, in der Symbiose von Bild und Schrift.</P><P>Da er oft diese Art von Sichtwerbung für seine eigenen Ausstellungen nutzte, sind in einer Plakatschau wie dieser zugleich die Motive seines oft zyklischen und bibliophilen Lebenswerks auszumachen: die reichhaltigen Folgen des "Totentanzes von Basel", des "Engels der Geschichte", der "Bauernkriege" und des eigenen Druckerhandwerks.</P><P>Seine schönsten späten Plakate schuf Grieshaber für das Mainzer Gutenberg-Museum, für Stuttgarter Aufführungen von Werken Carl Orffs, für den Weltspartag und den 1. Mai 1978 ("Recht auf Arbeit, Recht auf Kultur"), für Volker Brauns "Tinka" im Mannheimer Nationaltheater, für Amnesty International und für Pablo Nerudas "Canto General" in der Theodorakis-Vertonung.</P>Bis 25. Januar, Montag bis Freitag 9-19 Uhr, Samstag/Sonntag 10-15 Uhr, freier Eintritt; Tel. 089/ 21 60 26 62.

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