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" Meine Arbeit hängt davon ab, dass ich fliege und fotografiere", erzählt Alex MacLean (li.) im Gespräch mit MM -Kulturchef Michael Schleicher .

Neuer Bildband

Der andere Blick auf die USA

Alex MacLean ist der fliegende Star der internationalen Foto-Szene. Jetzt hat der US-Amerikaner einen opulenten Bildband mit Luftaufnahmen vorgelegt, die wunderschön sind - und dennoch erschrecken.

Wenn man mit Alex MacLean über die Fliegerei spricht, kann der Fotograf nicht lange ruhig auf seinem Stuhl sitzen bleiben. Schließlich ist der 61-Jährige begeisterter Pilot, fliegt seit mehr als 30 Jahren und beobachtet dabei von seiner Cessna aus, wie sich die Landschaft der USA verändert hat - vom Menschen verändert wurde. Das ist auch das Thema von MacLeans neuem umfangreichen Bildband, den er gestern in München vorgestellt hat.

"Ich fliege das Flugzeug und fotografiere. Das ist nicht so kompliziert, als wenn man während des Autofahrens fotografieren würde", erzählt er und lacht. Man will ihm glauben - und schaut wahrscheinlich gerade doch ein bisschen ängstlich. Also erklärt MacLean weiter: "Die Schubkraft der Maschine ist konstant eingestellt, die Heckflosse steuere ich über Fußpedale" - seine Beine schweben jetzt über dem Boden, er tritt imaginäre Pedale, mit den Händen winkt er -, "so habe ich die frei zum Fotografieren. Wenn ich die Kamera um 45 Grad neigen will, neige ich das Flugzeug um 45 Grad." Ja, manchmal öffnet er auch das Cockpit-Fenster, lehnt sich so weit wie möglich hinaus, um das beste Bild zu machen.

Das Ergebnis der vergangenen drei Jahre Fliegen und Fotografieren liegt jetzt als Buch vor und heißt schlicht "Over". Ein doppeldeutiger Titel, der zum einen erklärt, wie die Bilder entstanden sind: über den USA, in einer Flughöhe zwischen 152 und 3000 Metern. Ein Titel, der aber auch an "Game Over", das Spiel ist aus, erinnert - denn MacLean dokumentiert das "Ende der Landschaft": Er hält mit der Kamera fest, wie das Land zugebaut wird mit Straßen, Park- und Golfplätzen; welche Folgen der Klimawandel, aber auch der rücksichtslose Umgang mit Energie und den natürlichen Ressourcen für Menschen und Umwelt haben: "Game Over heißt es für den Lebensstil, den wir bisher gewohnt waren", ist MacLean überzeugt. "Wir müssen uns ändern. Wir müssen uns klar werden, dass es nichts bringt, wenn wir in großen Autos durch die Gegend fahren und Ressourcen verschwenden. Diese Zeiten sind vorbei, ja, sie müssen vorbei sein."

Das Fasziniernde seiner Bilder ist, dass diese wunderschön sind - und der Betrachter erst realisieren muss, dass die Aufnahmen von Menschen verantwortete Zerstörung dokumentieren. "Ich hoffe, dass die Fotos die Einstellung der Leute ändern können. Fotografie ist dafür kräftig genug. Denn bei einem Bild kann man - im Unterschied zu einem Text - Information sehr schnell aufnehmen. Man vergisst sie nicht so leicht. Ein Beispiel: Wenn ich morgens heiß dusche, denke ich inzwischen an all das Wasser, das zur Kühlung in den Kraftwerken verschwendet wird. Das ist die Macht der Bilder: dass man ihre Botschaft sofort versteht."

Dennoch ist MacLean keine Spaßbremse - seine Arbeiten zeugen auch von einer großen Liebe zu den USA, wo er im Bundesstaat Massachusetts lebt. Ihn ärgert aber, dass "der amerikanische Lebensstil durch die Medien, durch Filme, ja sogar durch Musik glorifiziert wird".

Doch auf die Frage, ob ein Umdenken noch möglich sei, antwortet er ohne Zögern: "Absolut." Hoffnung setzt er dabei auf Barack Obama, der im Januar als US-Präsident vereidigt wird: Er habe das "außergewöhnliche Talent, große Probleme verständlich zu machen", sagt MacLean. "Mit Obama wird es mehr Dialog, mehr Diskussion über diese Themen geben: Raubbau an der Landschaft, Klimawandel oder Energieverschwendung standen bislang in den USA nicht auf der politischen Tagesordnung."

Michael Schleicher

Alex MacLean:"Over. Der American Way of Life oder das Ende der Landschaft". Schirmer/Mosel, München, 336 S.; 58 Euro.

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