Die Madonna ist fremd geworden

- "Madonna. Ein Marienbild für heute". Das ist die Fortsetzung der Ausstellung im Diözesan-Museum Freising "Madonna, das Bild der Muttergottes". Nur dieses Mal unter dem Zeichen des Wettbewerbs. Gesucht wurde ein Mariendenkmal für sieben bayerische Orte - mal als Brückenfigur, als Bild oder Glasmalerei-Zyklus, auch als Denkmal oder für den privaten Raum. Neu entdeckt werden sollte die Maria der Evangelien. Und so hat der Jury jene Kunst zugesagt, die unbedingt erlebbar und realitätsnah ist. Keinesfalls das ehrfurchtsvoll anzubetende Marienbild. Schon gar nicht Maria als Vision oder Himmelsgöttin.

<P>Von 366 Künstlern sind 31 übrig geblieben. Davon kommen bis jetzt nur drei Künstler für die Projektrealisierung in Frage. H&T Stegmayer (für den Pfarrplatz in Saaldorf), Andrea Viehbach (für die Pfarrkirche St. Maximilian Kolbe in München-Perlach) und Anna Leonie (für die Wallfahrtskirche Maria Rast bei Langenbach). Ein schwaches Ergebnis, das nachdenklich macht. Woran mag es liegen, dass hauptsächlich nur alte Vorbilder umgeschrieben wurden? Vielleicht daran, dass das Wettbewerbs-Thema seit Jahren nicht virulent ist und das Fühlen mit der Kirche gar verlernt scheint?</P><P>Der zweiteilige Marmorbrunnen (Gehäuse und Steinblock) von Stegmayer ist begehbar. Über der Sitznische prangt in Blau: "Ich denke an Maria". Davor der Brunnenstein, dessen Breite der Türöffnung entspricht. Ein Konzept, das an Essenzielles gemahnt: den Lebensquell. Das Schutzmantel-Gehäuse. Die eigene stille Sicht im Innenraum. Die Verkündigungs-Schrift. Den weggeschobenen Fels. Kurz, an die modern umgesetzten Dogmen "Gottesmutter", "Jungfrauengeburt" und "Himmelsaufnahme". </P><P>Andrea Viehbach dagegen hat in eine weiße, ausgehöhlte Gipsstele in Form einer Mutter mit Kind mehrere übereinander geschichtete Dias von Müttern mit ihren Kindern im Arm projiziert. Das Ergebnis: Bezug vom Jenseits zum Diesseits. Gesoftete, transparente Abstraktion der menschlichen Mutter Gottes. Und nicht zuletzt die Idee von Anna Leonie, den sakralen Ort als Berührungspunkt von Himmel und Erde im Altarraum mit seinem Rippentonnen-Gewölbe farblich augenscheinlich zu machen. Mit der Farbe des Marienmantels an den Wänden, dem Gold des göttlichen Lichts und der Reinheit des Weiß' auf dem Tafelbild - gemalt mit Marienglas. </P><P> Bis 31.11.; Di.-So. 10-17 Uhr; Tel.: 08161/ 487 90. <BR></P>

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