Thomas Tuchel ist nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund

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Mächtig aufgedonnert

- Es ist vollbracht: Daniel Barenboim hat seinen auf CD vorliegenden Bach-Marathon nun auch live absolviert. Montag und Mittwoch lockte er zu seinen Mammut-Konzerten "ganz München" in den Herkulessaal. Mit Standing Ovations dankte nach insgesamt fast sechs Stunden reiner Musik das Publikum einem sichtlich erschöpften Interpreten. Allein die physische Leistung, beide Bände des Wohltemperierten Klaviers mit je 24 Präludien und Fugen in allen Tonarten zu stemmen, nötigt dem Hörer Respekt ab. Wann je hat man die Chance, Bachs 1722 (erster Teil) und 1744 (Vollendung zweiter Teil) Ton gewordene Freude über die neu "entdeckte" Stimmung des Klaviers komplett zu erleben?

Keine musikalisch schlüssige Antwort

Doch der Marsch durch den Quintenzirkel wiegt leicht in Bezug auf das Schwergewicht, das auf höherer Ebene zu suchen ist: Warum unterwirft sich Barenboim diesem Hochleistungsakt, warum greift er zu dieser Musik? Eine musikalisch schlüssige, interpretatorisch bezwingende Antwort lieferte er nicht. Dafür klang vieles zu beliebig, fehlte der Sog, der den Zuhörer mitnimmt auf eine (womöglich sehr individuelle) Reise ins Innere von Bachs bis in die Neuzeit nachwirkenden Klangstrukturen. Zu sehr hat die Originalklang-Bewegung das Gehör geschärft, den Geschmack verändert, als dass man sich widerspruchslos Barenboims, den modernen Flügel auskostenden Barock-Spiel hingeben könnte.

Man muss kein Purist sein, um doch einiges einzuklagen. Schon gleich am ersten Abend (am zweiten setzte es sich fort) fiel auf, wie wenig der Pianist auf Kontur und Trennschärfe setzte, wie er die Präludien fast durchweg vernuschelte, in mulmiges Licht rückte, zuweilen weich spülte (e-moll, I, II), versäuselte (E-Dur II) und nicht auf Klarheit im Anschlag, der auch mal daneben geht, achtete. Nur manchmal gewann er im weichen Duktus reizvolle Stimmungen (f-moll, II). Zu häufig blieb es diffus, tönten die unterschiedlichen Stücke - der seltsamen Agogik, unmotiviert erscheinender Tempo- wie Dynamik-Veränderungen zum Trotz - allzu ähnlich, entwickelten kaum Charakter (extrem gegen Ende des II. Teils).

Aber auch in Bachs exemplarisch meisterhaften Fugen vermisste man die klare Struktur. Da reichte es nicht, die Themeneinsätze immer wieder hervorzuheben. Da müssten die kontrapunktischen Verstrickungen erhellt, ja erleuchtet werden, statt sie mit sattem Pedal und (bei Bach nicht vorhandenen) Oktavierungen mächtig aufzudonnern (verstärkt im II. Teil, D-Dur). Plastizität stellte sich so nicht ein, auch nicht differenzierte Farbigkeit. Und gerade daran ist dieses einzigartige Tonartenspektrum so reich. Daniel Barenboim strebt nach intensiven Dirigenten-Jahren zu seinen Wurzeln am Klavier zurück und so auch zum Bach seiner sehr jungen Jahre. Er begegnet ihm heute strikt nach dem Motto: "I do it my way." Wobei ihm folgen kann, wer mag.

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