Für Männer ist Liebe etwas anderes als für Frauen

- "Das wäre, als würde der Kritiker während einer Premiere auf die Bühne springen und den Schauspielern sagen: So geht das aber nicht." Dies der Kommentar der Schauspielerin Barbara Melzl zu den Frankfurter Vorkommnissen um den FAZ-Kritiker Gerhard Stadelmaier. "Unmöglich", so ihr spontanes Urteil über die Attacke eines Darstellers auf den Rezensenten. Bei dem Stück, das morgen im Münchner Residenztheater Premiere hat, sind derartige Ausfälle ausgeschlossen. Im Bayerischen Staatsschauspiel wird auf anderem Niveau gearbeitet.

Es geht um Johann Wolfgang Goethes "Stella", die berühmte Dreiecksgeschichte, die Florian Boesch inszeniert - mit Marina Galic in der Titelrolle, Michael von Au als Fernando und Barbara Melzl als Cäcilie Sommer.

"Es ist schön, dass man an diesem Theater so viel mit mir unternimmt", staunt Barbara Melzl. Gemeint sind aktuell außer "Stella" die Stücke "Gier", "Gothland", "Nathan". Melzl: "Vielleicht spürt man, dass ich offen bin, verschiedene Stile auszuprobieren. Das heißt ja nicht, dass man nicht seine Handschrift hätte. Die bleibt einem doch immer."

Dazu gehört auch, dem Regiekonzept die eigene Rollenvorstellung entgegenzustellen und die eigene Sicht auf die Figur mit einzubringen.

"Der Goethe ist so modern.

Da guckt man und staunt immer wieder

von Neuem, was der alles konnte."

Barbara Melzl

Melzl: "Zum Beispiel jetzt bei der ,Stella’, diesem Stück für Liebende. Eigentlich ist das ja eine ,triviale’ Geschichte." Gegen Ende schlägt Cäcilie dem verlorenen und nun bei Stella wiedergefundenen Fernando ein Leben zu dritt vor. "Aber das ist nicht so platt gemeint. Sie tut das nur, um die Situation zu beruhigen. Andernfalls würde sie doch hinter sich selbst zurückfallen. Diese Frau Sommer macht ja im Stück eine Entwicklung durch: Sie will Leben und Liebe zusammenbringen und weiß dabei, dass sie an die Vergangenheit nicht anknüpfen kann. Sie ist realistisch in dem Punkt: dass Männer und Frauen unterschiedlich sind und unter ,lieben’ und ,der Liebe’ anderes verstehen. Darum spricht sie Fernando, den Treulosen, frei. Das ist eine tolle, starke Frau. Da werden nicht die Messer der Eifersucht gewetzt." Melzl: "Ich habe sehr mit dem Regisseur diskutiert, denn ich war vehement da hinterher, dass ich nicht eine Frau spielen muss, die sagt: Ach, jetzt machen wir 'nen Kompromiss." Wie viel Freiheit hat die Schauspielerin Melzl in ihrer Arbeit? "Ich muss meine Figur in der jeweiligen Strichfassung des Stücks, in dem vorgegebenen Bühnenbild, in dem Konzept des Regisseurs finden und sie im Rahmen dessen verteidigen." Welcher Goethe-Schluss in dieser Inszenierung gewählt wird, will sie nicht verraten, aber: "Es ist eine ziemlich radikale Fassung."

Barbara Melzl gehört zu jenen Schauspielern, die schon am Residenztheater waren, bevor Dieter Dorn als Intendant dort antrat. War es schwer, sich zu behaupten? "Der Anfang mit der Dorn-Truppe war spannend, ein Abenteuer. Es war etwas absolut Neues. Und ich finde es immer toll, mit neuem Blick auf die Dinge zu schauen. Ich will mich ja nicht nur auf das verlassen, was ich ,kann’, will nicht immer in den gleichen Schienen fahren, mich nicht mit Bewährtem vor der Öffentlichkeit schützen." Ob das immer alles so friedlich abging? Melzl: "Wo Menschen aufeinander treffen, muss man sich auseinander setzen. Das ist im wirklichen Leben so, und das ist auf der Bühne genauso, davon lebt ja das Theater, denn davon handeln die Stücke, die wir spielen." Und es lebt, so ist zu beobachten, von der Konkurrenz. Barbara Melzl ist eine starke Schauspielerin. Gab es nie Abwerbungsversuche, zum Beispiel von Mathias Hartmann nach Zürich?

"Doch, die gab es", sagt die Schweizerin. "Aber ich finde München eine schöne Stadt. Und ich bin so gern in einem Ensemble wie diesem, weil ich die Treue schätze. Ich brauche die Atmosphäre der Vertrautheit. Bei ,Gothland’ bin ich zum Beispiel vier Stunden vor Beginn im Theater, bei ,Nathan’ drei. Ich muss mich für jeden Theaterabend neu sammeln, um mich immer wieder neu in die Welt der jeweiligen Figur einzulassen - gerade weil ich so viele verschiedene Rollen spiele. Es ist jedes Mal ein Seiltanz."

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