Die Märchen hinter der Technik "Anderswelten" im Münchner kunstraum

- Hauchdünn wie eine Spinnennetz, scharfkantig wie Bergschründe, eingraviert wie Wünsche und fragil wie Träume ist die Kunst von Daniel Roth. Er erfindet märchenhafte Welten, deren Tore sich hinter blanken Galeriewänden öffnen. Seine raumfüllenden Zeichnungen zitieren eine nostalgische Science-Fiction-Idee samt Gipfelidyll und Totenkopf ebenso wie das Fresko. Seine Filme schweben irgendwo zwischen milchiger Modelllandschaft und banaler Realität. Sein Anliegen ist maßgeblich für die Ausstellung "Anderswelten / transfer" im Münchner kunstraum: Rätsel, Absurdes, Reales und Fiktives, Sinnliches und moderne Technik werden gemischt und suggerieren, dass hinter dem Wahrnehmbaren das Leben weiter-, wenn nicht gar erst losgeht.

<P>Die Präsentation ist der erste Teil einer Gegenposition zur theorielastigen Kunstszene. Kuratorin Susanne Meyer-Büser hantierte mit den Schlüsselreizen Sinnlichkeit, Spiel, Ästhetik und Geheimnis und versuchte bei ihrer Auswahl zugleich, die fragwürdige menschliche Rezeption zum Thema zu machen. </P><P>Während die Arbeiten von Roth viel Einfühlungsvermögen und Ruhe brauchen, sind die Bilder von Karoline Walther sozusagen die plakative Fortsetzung. Hier wird mit der schlichten Linie und üppigen Farben experimentiert, werden Städte zu auslaufenden Inseln, wird Natur zu Kunst und Abstraktion. Überlagerungen und Technikwechsel ergeben die Traumgebilde von Stadtlandschaft. Die Anlehnung an Surrealismus und Romantik gleichermaßen ist gewollt.</P><P>Das Duo Ursula Ponn und Doris Lasch versucht, mit Fotografie und Film die Grenze von Logik und Zeit zu überschreiten. Seltsame Beobachter am Fernglas eines Hügels muten antik an, und doch hängen sie in der Endlosschleife der Nutzlosigkeit moderner Ausflügler. Der Betrachter tastet nach dem Sinn der Dinge und wird ihn nicht vordergründig erfassen können. Er muss sich zu seinen eigenen Gedankenwelten aufmachen, es werden ihm lediglich die künstlerische Türklinken dazu in die Hand gegeben. Erst in Teil II der Ausstellung im Herbst werden fertige Transformationen der Realität angeboten.</P><P>Bis 13. April. Tel. 089/ 5437 99 00. </P><P> </P>

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