Märchen total

- Eine richtig zu Herzen gehende Liebesgeschichte ist es geworden: das Musical "Die Schöne und das Biest" - ganz aus dem Glitzerzauberland des Märchens. Begeisterter Applaus im Deutschen Theater. Mit dieser romantischen Lovestory - sehr ehrlich erzählt - bekennt Produzentin Andrea Friedrichs schon mal Farbe als designierte Chefin von Münchens Entertainment-Palast: ein bisschen Kitsch, ein bisschen Rührseligkeit dürfen sein im zaghaft aufkeimenden deutschen Musical.

<P>Nachdem man das "Biest" 1998 und 2001 hier in "Fremd-Versionen" gesehen hat, geht diese Neuinszenierung zurück auf die Originalversion, wie sie 1994 nach Friedrichs Konzept mit dem Team Martin Doepke (Musik), Christian Bieniek (Buch) und Elke Schlimmbach (Liedtexte) uraufgeführt wurde.<BR><BR>Es ist wirklich "Märchen total". Modernisiert ist da gar nichts. In der gemalten Knusperkulisse eines Fachwerkdörfchens wird heiter gebechert und gefeiert. Da plötzlich die schlimme Nachricht, dass das Schiff des Kaufmanns Wilhelm gesunken, sein Vermögen verloren ist. Dass Wilhelm sich dann auf neuer Arbeitssuche just im Schloss-Revier des Biestes verirrt, dass dieses haarige Ungeheuer ihm den Deal anbietet: eine der drei Töchter gegen Gold und Reichtum - für solch dramaturgisch passende Fügung sorgt die strenge, letztlich doch gütige Fee.<BR>Denn sie, die blendend schöne und auch noch schön singende Anja Kruse, in ihrer hautengen leuchtweißen Robe gerade wie live entstiegen aus einem Disney-Märchenfilm, sie hat ja dem jungen kaltherzigen Prinzen zur Strafe und Belehrung das hässliche Aussehen auf den Leib gezaubert - mit der Chance immerhin auf Erlösung durch ein aufrichtig liebendes Mädchen.<BR><BR>Wer nun? Die jüngste Bella? Ilse oder Grete? Diese beiden, Abkömmlinge der verwöhnten "Cinderella"-Mode-Zicken, augenklimpern lieber nach Dirk Witthuhns sympathisch tölpeligem Dorf-Macho Gustav oder suhlen sich quieksend in der Truhe mit den Perlen und Brillies. Marny Berghoff und Michaela Kaiser machen das gepfeffert witzig.<BR><BR>Und genau da liegt der Erfolgs-Schlüssel: Regisseur Alexander Goebel hat seine Darsteller gut geführt. Im Zentrum stehen das Biest - Hans Holzbecher macht eine rechte Bestie draus - und Bella, die edle Schöne, die in ihm das Gute erweckt. Sabine Neibersch schafft eine Figur, die es im Leben wohl kaum gibt, und die dennoch so menschlich wirkt. Ihr, aber auch dem insgesamt mit viel Herz engagierten Ensemble ist es zu verdanken, dass dieses doch eher schlichte Libretto und die zweckdienliche Musical-Komposition als sympathisch frisches Bühnenereignis über die Rampe kommt. Das Stück hat in seinem Retro-Look zwischen Barock, Biedermeier und Hollywood-Glamour, althergebrachter Balletteinlagenstil inklusive, eine Geschlossenheit - ist eine hübsche Unterhaltung für die ganze Familie.<BR><BR>Soviel weiß man jetzt über die zukünftige Chefin Friedrichs: Sie wird nichts präsentieren unter einem gewissen Qualitätsniveau.</P><P>Bis 31. 12.; verschiedene Anfangszeiten; Tel. 089/55 23 44 44</P>

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