Märchengeschichte

- Die Schlange war lediglich Behauptung. Tamino fürchtete sich vor ihr und blickte doch ins Leere. So wie die annähernd 4500 Zuschauer im Oberammergauer Passionstheater, wo Mozarts "Zauberflöte" als Gastspiel der Loreley Festspiele gezeigt wurde. Doch dass sie vergeblich auf das Ungetüm warteten, grämte sie nicht lange, denn ansonsten nahm Schikaneders Märchengeschichte ihren Lauf, ohne jeden Ansatz zu irritierender, tiefer schürfender Interpretation. Auch das funktioniert bei der "Zauberflöte", die ihre unverwüstlichen Qualitäten als Volkstheater nun auf der Breitwandbühne des Passionsspielhauses behaupten konnte.

<P>Die fixen Kulissenaufbauten, ausgestattet mit ein paar Hängern, ein paar Pappbäumen und übergossen mit viel knallbuntem Licht, taugten problemlos als Nachtwelt der Königin wie als Sonnenreich Sarastros. Vor allem aus der Entfernung, von den hinteren Plätzen, entfaltete die Freilichtbühne ihren Zauber, erhebt sich doch dahinter das Gebirge, wölbt sich darüber der Nachthimmel. </P><P>Bei so viel "natürlicher" Rückendeckung begnügte sich der Regisseur Günter Roth mit dem reinen Arrangieren im Cinemascope-Format und setzte bei den Finalensembles auf die bühnenerfahrenen Oberammergauer, die als Sarastros Untertanen geradewegs aus Jerusalem zu kommen schienen. Sie mischten sich unters Chor-Volk, das mit Fackeln ausgerüstet effektvoll sogar oben auf den Mauern aufmarschierte. <BR><BR>Schon mit seinem ersten Auftritt quer durch den Zuschauerraum avancierte Johannes Martin ränzle als stimmlich wie darstellerisch locker agierender Papageno zum Publikumsliebling. Und als ihm und seiner Zwitscher-Papagena (Judith Halasz) dann auch noch vier süße kleine Papagenos/Papagenas beschert wurden, war das (Zuschauer-)Glück vollkommen.<BR><BR>Thomas Piffka als Tamino und Sara Galli als Pamina sicherten solides Stadttheater-Niveau, während Kate Radmilovic als Königin der Nacht bei ihren Koloraturen öfter mal ins Schlingern geriet. Dafür adelte Kurt Moll mit seinem immer noch wohl tönenden Bass und seiner Souveränität die gesamte, von Helge Dorsch mit zuweilen verhetzten Tempi geleitete, akustisch sowieso leicht problematische Aufführung. Das Publikum applaudierte begeistert.<BR></P>

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