Aus für Märchenkönig-Musical

Ludwig: - Füssen - Der echte Märchenkönig Ludwig II. ertrank am 13. Juni 1886 im Starnberger See. Glanzvoll war der in Bayern vergötterte "Kini" in zwei Musicals im Festspielhaus am Forggensee in Füssen wieder auferstanden, um am Ende auch hier in den Fluten von Misswirtschaft und Streitereien zu versinken.

Mit der Einstellung des zweiten Musicals "Ludwig²" scheint die Musical-Ära vorüber zu sein. "Die Sehnsucht nach dem Paradies" - das erste Ludwig-Musical - endete im Oktober 2003 in einer großen Pleite nach drei Jahren Laufzeit mit rund 24 Millionen Euro Schulden und 330 gekündigten Mitarbeitern.

Jetzt steht das mit viel Vorschuss-Lorbeeren bedachte Nachfolge- Musical nach weniger als zwei Jahren Laufzeit vor dem Ende. Rund 100 Mitarbeiter wurden frei gestellt, für sie ist kein Lohn mehr da. Die Gesellschafter stehen vor einem Scherbenhaufen. Rund 20 Millionen Euro sollen sie in das Stück im "Festspielhaus Neuschwanstein" investiert haben, zuletzt noch einmal zwei Millionen - vergebens. Noch vor der Saison-Premiere am 30. März fiel der Vorhang und wird sich wohl nicht mehr heben.

Die Misere hatte sich schon längere Zeit angekündigt. Nach der glanzvollen "Ludwig²"-Premiere im März 2005 mit US-Schauspielerin Geraldine Chaplin erfüllten sich die hoch gesteckten Erwartungen nicht. Die Zuschauer blieben aus, die Auslastung des Theaters sank und sank. Parallel dazu tobte hinter den Kulissen die Schlacht der Geschäftsführer. Der erste räumte seinen Posten nach nur zehn Wochen Amtszeit. Schon er hatte von Insolvenz gesprochen. Sein Nachfolger hielt sich dann sechs Monate und warf den Job aus "gesundheitlichen Gründen" hin, wie es offiziell hieß. Dessen Nachfolger blieben bis zum Ende des Theaters gerade einmal zwei Wochen Amtszeit.

Stets ging es um Geld. Das Theater war zu einem Fass ohne Boden geworden, bis jetzt die Gesellschafter die Notbremse zogen. Sie setzten einen Rechtsanwalt zum neuen Geschäftsführer ein, der voraussichtlich das Theater abwickeln wird. Noch heißt es beschwichtigend, es werde nach einem "neuen Konzept" gesucht. Doch an einen weiteren Spielbetrieb glaubt niemand mehr. Die Betriebsgesellschaft soll aufgelöst und das Festspielhaus möglicher Weise verkauft werden.

Die Spekulationen schießen ins Kraut. Schon einmal war das Theatergebäude als Spielcasino ins Gespräch gebracht worden. Aber dazu fehlen dem Allgäu 200 000 Bewohner. Nach dem bayerischen Spielbankengesetz darf in jedem Regierungsbezirk nur ein Casino stehen. Schwaben hat seine Spielbank in Lindau. Ein zweites Casino wäre nur zulässig, wenn Schwaben mehr als zwei Millionen Einwohner hätte, es sind aber nur 1,8 Millionen - zu wenig für eine Spielbank am Forggensee. Andere wollen das Haus zu einem Kongresszentrum umgestalten, doch wer die dazu nötigen Kosten aufbringen soll, ist unklar. "In diesem Bereich gibt es bei uns eine Lücke", sagte Landrat Johann Fleschhut.

Für die Tourismus-Region Allgäu ist das erneute Scheitern im Festspielhaus ein schwerer Schlag. "Wir sind von den Ballungsräumen zu weit weg", bedauert der Tourismuschef Alfons Zeller die Entwicklung. "Wir hatten nach der ersten Pleite gehofft, dass sich ein Musical eher privatwirtschaftlich hält, jetzt können einem die Mitarbeiter nur Leid tun." Der häufige Wechsel der Geschäftsführer sei schon ein Zeichen für Probleme gewesen, doch alle hatten bis zum Schluss gehofft. Jetzt ist "Ludwig²" endgültig untergegangen, dieses Mal am malerisch gelegenen Forggensee.

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