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James Loeb.

Mäzen und Menschenfreund: James Loeb

München - Skulpturen und Schmuck: Die Münchner Antikensammlungen ehren den Stifter James Loeb mit einer Ausstellung.

„Das war einer, der zwischen den Welten stand“, charakterisiert Raimund Wünsche einen der bedeutendsten Wohltäter Oberbayerns. Der Chef der Glyptothek und Antikensammlungen spricht nicht nur als Nutznießer mit Begeisterung über James Loeb: Jener US-Amerikaner deutsch-jüdischer Abstammung war nach Ludwig I. der größte Stifter der Antikensammlungen. Hinreißend schöne Terrakotten, imposante etruskische Dreifüße und fabelhafter Goldschmuck gingen neben vielem anderen nach seinem Tod laut Testament ans Museum. Und zwar – bis auf das antike Glas – zur Gänze.

Da Archäologen ja stets in langen Zeitbögen denken, haben sie ihren Mäzen natürlich nicht vergessen. So gab es im südlichen „Tempel“ am Königsplatz schon längst den „Poseidon Loeb“ zu entdecken, und Kenner wussten, dass es sich bei der „Loeb Gruppe“ um eine Reihe von witzigen Schauspieler-Figürchen handelt. Damit aber auch jedermann James Loeb (1867 bis 1933) kennenlernen kann, widmet ihm nun Wünsche die Ausstellung „Sammlung James Loeb – Antikensammler, Mäzen und Philanthrop“. Man wolle mit ihm „eine Reihe mit allen großen Spendern“ starten. Im Obergeschoss und im Keller wird nicht bloß per Vitrinen-Aufschrift an Loeb erinnert, sondern man hat sich intensiv mit seinem Leben und seiner Wesensart beschäftigt. In dem Buch „Sammlung James Loeb“, Band 1 der Serie „Forschungen der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek“, wird ein Mensch lebendig, den man nur bewundern kann.

Der kunstsinnige und sozial sensible James hatte sich in New York zunächst den Wünschen seines Papas unterworfen und war nach seinem Harvard-Studium Bankier geworden bei Kuhn Loeb und Co. – heute als Lehman Brothers berüchtigt. Zwei Liebesgeschichten scheiterten, weil sich die Familie sperrte. Bei James bildete sich eine Depression aus. An seinem Freund Aby Warburg hatte James Loeb freilich gesehen, dass man aus dem Geschäft aussteigen und seinen intellektuellen und künstlerischen Neigungen leben kann – und den Neigungen zu Marie Antonie Hambuechen, spätere Loeb.

Da James gewohnt war, bei den Besten zu lernen, ging er als begeisterter Archäologie-Amateur nach München. Dort wollte er Adolf Furtwängler (1843 bis 1907), Vater von Dirigent Wilhelm, treffen. Loeb kam 1906, Furtwängler starb 1907 auf Ägina. Der Amerikaner konnte von Bayern nicht lassen, selbst im Ersten Weltkrieg nicht. In München und Hochried bei Murnau fühlte er sich daheim. In den schlechten Zeiten besorgte er Lebensmittel für Arme. Murnau schenkte er ein komplettes 60-Betten-Krankenhaus; in München legte er 1917 1,7 Millionen Reichsmark für die Gründung der Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie hin, heute das Max-Planck-Institut in Schwabing. Dazu kam 1932 ein Studentinnenwohnheim an der Kaulbachstraße, auf das seine Frau „Toni“ drängte.

Ein anderes „Kind“ von Loeb ist die „Loeb Classical Library“, die die antiken Texte den Lesern auf Altgriechisch und Englisch zugänglich macht. Loebs finanzielle Ausstattung war so großzügig, dass die „Library“ immer noch aktiv ist. Bei all dem versuchte der Mäzen, so weit wie möglich unbekannt oder im Hintergrund zu bleiben. „Am liebsten war er unsichtbar“, merkt Wünsche an.

Sichtbar ist James Loeb hingegen in seiner Sammlung. Er suchte nicht das Fanal, die gewaltige Großplastik, er mochte vielmehr die Alltagsgestalten. Da kamen ihm die Terrakotta-Kunst und die Klein-Bronzen mit ihrer Feinzeichnung, ihrem Humor und ihrer Neugier entgegen. So gibt es neben einem hochpsychologischen Männerporträt auch den gwamperten Komödianten in der Rolle des Vielfraßes. Man bewundert elegante Damen im Faltenumhang und freut sich über die säugende Hündin oder einen winzigen Panther. Für die Schau jetzt konnten die Antikensammlungen sogar einige Original-Vitrinen aus Loebs Haus auftreiben. Der zauberhafte, atemberaubend fein gearbeitete Schmuck im Untergeschoss ist allerdings wesentlich massiver verwahrt. Gerade mit diesen Schätzen an „Kleinigkeiten“ hat sich James Loeb die Herzen der Museumsbesucher erobert.

Infos: Eintritt: 3,50 Euro, Tel. 089/59 98 88 30, Katalog: 14 Euro.

Simone Dattenberger

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