Mafia-Kenner Saviano stellt sein Buch "Gomorrha" vor

Berlin - Der italienische Bestsellerautor und Mafia-Kenner Roberto Saviano hat den deutschen Behörden vorgeworfen, die Aktivitäten der Mafia in Deutschland zu unterschätzen. "Gegen den islamistischen Terror werden alle Anstrengungen unternommen, gegen die hier bereits fest im Sattel sitzende Mafia dagegen wenig", beklagte Saviano am Mittwoch in Berlin.

Der neapolitanische Schriftsteller trat unter Polizeischutz in einer überfüllten Pressekonferenz auf. Sein Buch "Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra" hat sich in Italien bereits rund 750 000 mal verkauft. Es ist die erste detaillierte Insider-Beschreibung des inzwischen weltweit operierenden Netzwerks der Camorra, wie die neapolitanische Variante der Mafia genannt wird. Seit der Veröffentlichung erhält der 28-jährige Autor Morddrohungen.

Unter Hinweis auf die überraschten Reaktionen in Deutschland auf den sechsfachen mutmaßlichen Mafia-Mord von Duisburg sagte Saviano, schon oft seien Camorra-Bosse in den vergangenen Jahren in Deutschland verhaftet worden. Man habe diese Vorfälle dann aber als "gewöhnliche Kriminalität" unterschätzt.

Für die Camorra sei Deutschland dagegen das "gelobte Land", weil der Verfolgungsdruck nicht so groß sei. "Stuttgart ist unser", sei im Sprachgebrauch der Clans eine gängige Formulierung, sagte Saviano. Bei Treffen in Prag und Leipzig hätten Camorra-Bosse ihre Einflusszonen auch in Deutschland aufgeteilt.

Mainz, Chemnitz und Frankfurt nannte Saviano als Operationsgebiete der organisierten Kriminalität, die im Bauwesen, im Lebensmittel- und Textilhandel neben dem Drogengeschäft illegale Geschäfte mache. Rotterdam und Rostock zählten inzwischen zu den wichtigsten Häfen für den Drogentransport nach Italien.

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