Von der Straße geholt - bei „Magic City“ stellen Streetartkünstler ihre Werke aus
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Ausstellung in der kleinen Olympiahalle

„Magic City“: Streetart aus 21 Nationen

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Die Schau „Magic City“ zeigt in der kleinen Olympiahalle viele Facetten der Streetart, deren deutsche Wiege München ist. Eine spannende Reise durch die Straßenkunst von 21 Nationen.

München - Rechts oben, knapp unter der Hallendecke, sitzt das Küken auf dem Bildrand und erzählt seine eigene Geschichte. Das flauschige Federvieh steht zwar außerhalb der großformatigen Arbeit von Won ABC – und gehört doch unbedingt dazu: Gekleidet in eine Polizei-Uniform, hat das Tierchen Handschellen und Schlagstock dabei und berichtet somit davon, woher die Kunst kommt, die hier in der Kleinen Olympiahalle gefeiert wird: aus der Illegalität.

Won ABC ist eine Größe der Streetart-Szene – nicht nur in seiner Heimat München – und wurde gerade mit einer Schau im Bernrieder Buchheim Museum gewürdigt. Legendär ist sein Ruf spätestens, seit er 1992 eine leicht bekleidete Frau in sexy Pose auf eine S-Bahn sprühte, die jedem Anrufer heißen Telefonsex versprach. Die Rufnummer, die Won ABC neben sein Bild schrieb, war jene der „Soko Graffiti“ bei der Polizei. Nachdem der Zug vier Tage in München unterwegs war, besorgten sich die Beamten eine neue Durchwahl, genervt von den vielen Stöhn-Anrufern.

Streetart begann in den 60er Jahren

Ja, es ist ein weiter Weg, den die Streetart zurückgelegt hat, seit Ende der Sechziger-/ Anfang der Siebzigerjahre in den USA erste Schriftzüge in und auf U-Bahnen geschrieben wurden. Die Kunst von der Straße ist längst anerkannt, hat sich in zahlreiche Stile ausdifferenziert, wird gekauft, gesammelt – und ist museumsreif. In Münchens Kleiner Olympiahalle gastiert jetzt die Wanderausstellung „Magic City“. Kuratiert von Carlo McCormick und Ethel Seno bietet die Schau, zu der ein umfangreiches Begleitprogramm angeboten wird, einen guten Einblick in die vielen Formen der Streetart.

Es ist eine wenig ergiebige Debatte, darüber zu streiten, ob es überhaupt sinnvoll ist, Straßenkünstler von der Straße und in einen Ausstellungsraum zu holen. Freilich atmet „Magic City“ weder den Dampf der Städte, noch sind die Arbeiten dem Druck der Vergänglichkeit ausgesetzt. Puristen wird beides fehlen. Dafür zeigt die Schau exemplarisch die wichtigsten Spielarten der Streetart und versammelt wichtige Vertreter unter einem Dach. Statt durch Straßen irren zu müssen, um bestimmte Bilder zu sehen, wurden 66 Streetartisten aus 21 Nationen eingeladen, „Magic City“ zu gestalten.

Viele Namen - unterschiedliche Stilformen

Von den ganz großen Namen, die längst hochpreisig auf dem Kunstmarkt gehandelt werden, wie Banksy oder Shepard Fairey (dessen „Hope“-Poster 2008 zur Ikone des Obama-Wahlkampfs wurde), gibt es zwar nur (Sieb-)Drucke zu sehen. Aber das macht nichts. Denn zum einen hat Fairey in München an der Landshuter Allee 54 eine ganze Hauswand gestaltet (auf der er den Einfluss der Ölkonzerne auf die Politik kritisiert), zum anderen bietet die Ausstellung auch jenseits der Superstars wichtige Namen – und viele Stilformen.

Die polnische Künstlerin Olek etwa kommentiert die gesellschaftlichen Zustände mit buntem Garn – für „Magic City“ hat sie ein Karussell behäkelt. „Urban Knitting“ lautet der Fachausdruck für diese Form der Straßenkunst. Die farbenfrohe Lieblichkeit der Arbeit sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Olek hier um Ernstes geht: Das Karussell erzählt von Flüchtlingskindern und ihrer Hoffnung auf eine unbeschwerte Zukunft. Gerade wer mit Stilen und Themen der Streetart (noch) nicht vertraut ist, sollte „Magic City“ unbedingt mit dem Multimediaführer erkunden, da die Schau zwar viel zeigt, aber wenig direkt erklärt.

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Polizei-Küken, Ratten und Nager - alles ist Kunst

Während zu Beginn des Rundgangs das Polizei-Küken von Won ABC auf die Besucher blickt, grüßen am Ende Ratten und andere Nager. Nicht nur Banksy hat sie zu Kunst gemacht. Von Bordalo II wird die eindrucksvolle Skulptur eines Rüsselhündchens gezeigt, das der Portugiese aus dem Wohlstandsmüll Lissabons zusammengebaut hat. Eine Arbeit wider die Konsumgier. Die Ratten waren übrigens in den Siebziger- und Achtzigerjahren auch deshalb ein beliebtes Motiv bei den Straßenkünstlern, weil diese sich damit radikal von der etablierten Kultur abgrenzen konnten. Heute sind auch sie im Museum angekommen. Es wurde Zeit.

Die Ausstellung Magic City sehen Sie bis 3. September:  Di.-Fr./ So. 10-18 Uhr, Sa. 10-22 Uhr; Spiridon-Louis-Ring 21; www.magiccity.de.

Bilder: München, die Streetart-Galerie

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