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Mit Kawumm und Eleganz: Bei „Magic! Zauber der Illusion“ im Münchner Prinzregententheater stimmt die Mischung.

„Magic!“ versammelt Illusionskünstler

München - Es ist dann doch ziemlich einfach, Menschen glücklich zu machen. In der Show „Magic! Zauber der Illusion“ sind es etwa Blondinen in schwebenden Geschenkkartons, Herren in weißen Anzügen, die verschwinden und aus dem Nichts auftauchen, oder auch eine rothaarige Russin, die ihre Kleider schneller wechselt, als man blinzeln kann.

(An dieser Stelle übrigens konnte man auch ohne übersinnliche Begabung die Gedanken der Männer lesen: „Weshalb dauert das bei meiner Frau immer so lange?“)

Einlagen wie diese genügen also, um den Zuschauern im nicht ganz ausverkauften Münchner Prinzregententheater die (vor-)weihnachtliche Anspannung zu nehmen. Man spürt regelrecht, wie das Publikum sich von den Illusionisten auf der Bühne verführen und betören lässt.

Es wirkt also ganz einfach, ist aber eben nicht leicht. Denn das, was die Damen und Herren auf der Bühne zeigen, hat Klasse. Und selbst wenn man als Skeptiker mit dem Hang zur Besserwisserei bei vielen Tricks weiß, wie sie wohl funktionieren, bleibt man doch mit offenem Mund staunend zurück: Denn die Theorie ist die eine Sache – die Ausführung eine ganz andere.

Gerade bei den bekannten Nummern, die jeder schon gesehen hat, ertappt man die Künstler selbst bei ganz genauem Hinsehen nicht bei ihrer wunderbaren Hochstapelei. Zumal manche von ihnen ein Tempo vorlegen, das einem schier den Atem raubt. „Magic Unlimited“ etwa sind so schnell, dass man an allen seinen Sinnen zweifelt. Auf diese Weise bekommen selbst Nummern, die man von Kindergeburtstagen kennt, eine spektakuläre Note. „Les Chapeaux Blancs“ hingegen, die bereits erwähnten Herren in leuchtend weißen Anzügen, bestechen bei ihrer Schwarzlicht-Show eher mit Eleganz. Ihr Auftritt wirkt beinahe wie surreales Tanztheater mit magischen Einlagen.

Es ist die raffinierte und ausgewogene Mischung unterschiedlichster Spielarten der Illusionskunst, die den Reiz dieses Abends ausmacht. Da zeigt ein überraschend abgebrühter Jüngling Kartentricks, während Gastgeber Ed Alonzo gekonnt Klamauk mit klassischen Tricks verbindet, oder Dani Lary eine großartige Mischung aus ironischem Schmierentheater und phänomenalen Tricks hinlegt: Gekleidet wie Graf Zahl aus der „Sesamstraße“ schwebt er erst mit seinem Klavier – um dann Salti zu schlagen. Allein schon dieser Auftritt lohnt einen Besuch.

Fazit: Man will doch gar nicht wissen, wie das alles funktioniert. Denn ist es nicht viel schöner, ahnungslos zu staunen? Wann kann man das schon noch in aller Unschuld?

Zoran Gojic

Weitere Vorstellungen bis 28. Dezember;

Telefon 089/ 93 60 93.

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