Die Magie der Objekte - Große Magritte-Retrospektive in Paris

- Paris - In der fantastischen Welt des belgischen Malers René Magritte (1898-1967) schweben die Menschen in der Luft und verstecken ihr Gesicht hinter Äpfeln. Die Faszination für alles Wunderbare und Rätselhafte teilte der Künstler mit Alice und ihrem geistigen Vater Lewis Carroll. "Alice im Wunderland" nannte Magritte, der zu den bedeutendsten Surrealisten gehört, gleich mehrere seiner Werke. Das Pariser Jeu de Paume zeigt jetzt 150 fantastische Gemälde des Belgiers, der sich in seinen Werken vor allem mit dem Verhältnis zwischen dem Objekt und seinem Abbild befasst.

 Die Retrospektive, die am Montagabend eröffnet wurde, ist eine der letzten Ausstellungen im Jeu de Paume, denn aus der Staatsgalerie für zeitgenössische Kunst soll von 2004 an ein Zentrum für Videos, Fotos und neue Bildtechnologien werden.<P>Die Magritte-Schau, die sich über zwei Stockwerke erstreckt, ist chronologisch aufgebaut. Eines der ersten Werke heißt "La Sortie de l'école" (Schulschluss) und stammt aus dem Jahr 1927. Auf dem Bild ist eine Art dunkle Wolke abgebildet, die sich von dem hellblauen Hintergrund absetzt und über einen Parkettboden schwebt. Die Titel von Magrittes Bildern verrätseln das Dargestellte und verstärken so den Verfremdungseffekt, den der Maler dadurch erzeugt, dass er Gegenstände auf ungewohnte Weise miteinander kombiniert. "Ich male sichtbare Bilder, die etwas Unverständliches hervorrufen", sagte er einmal über seine Kunst.</P><P>"Mit dieser Ausstellung will ich zeigen, wie sehr Magritte die zeitgenössische Kunst von den 60er Jahren an beeinflusst hat", sagte der Direktor des Jeu de Paume, Daniel Abadie, "er ist ein Pionier der Modernen, der Pop Art und der Konzeptkunst. Viele Popkünstler wie Jasper Johns und Bob Rauschenberg haben in ihren Sammlungen einen Magritte." </P><P>Aus diesem Grund beginnt die Retrospektive auch erst mit dem Jahr 1925, denn die ersten Werke des Künstlers standen zu stark unter fauvistischem und kubistischem Einfluss. Danach spielte Magritte bewusst mit Seh- und Denkgewohnheiten wie zum Beispiel bei dem Gemälde "Panorma populaire" von 1926: Auf drei Ebenen sind Meer, Wald und Häuser dargestellt, jede Ansicht für sich wirkt realistisch, durch die Zusammenstellung aber unwirklich.</P><P>Als der Maler, der bereits mit 12 Jahren Zeichenunterricht bekam und später an der Brüsseler Kunstakademie studierte, 1927 nach Paris zog, schloss er sich den Surrealisten an. Dort experimentierte er mit der Kombination von Wörtern und Bildern. Das Bild "La pipe" (Die Pfeife) aus dem Jahr 1928, ein Hauptwerk der Ausstellung, zeigt eine Pfeife, die auf dem Bild zusätzlich mit der Bezeichnung des Objekts beschriftet ist. Bis zu seinem Tod im Jahr 1967 hielt Magritte seinen unverkennbaren Stil bei. Er stellte seine Gegenstände sachlich dar, ohne ablenkende Details, und erzielte durch die unerwartete und paradoxe Konfrontation vertrauter Alltagsobjekte fast magische Wirkungen.</P><P>Sein Bild "Empire des lumières" (Reich der Lichter) von 1949, das gleichzeitig Tag und Nacht, blauen Himmel und eine dunkle Häuserfassade zeigt, malte Magritte in 16 Variationen, von denen eine in der bis zum 9. Juni dauernden Pariser Retrospektive zu sehen ist. Auch das Motiv mysteriöser Männer mit steifer Melone wandelte der Maler immer wieder ab, zeigt sie auf manchen Werken nur schemenhaft oder versteckt ihre Gesichter hinter einem Apfel oder einer Pfeife.</P><P>www.jeudepaume.org</P>

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