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Ein Magier der Regie

- "Darstellen heißt weglassen . . . alles sagen ist ein Mangel an Haltung." Der Mann, der das Wesen großer Schauspielkunst in so geschliffen knapper Form fassen konnte, gehört zu den ganz Großen im deutschen Theater: "Otto Falckenberg - Regiepoet der Münchner Kammerspiele". Unter diesem Titel widmet ihm das Deutsche Theatermuseum eine höchst eindrucksvolle, durch Originalmaterialien der Tochter Bettina Titt-Falckenberg wesentlich abgerundete Ausstellung.

Diese Hommage war in München längst fällig, denn als Regisseur ab 1914 und ab 1917 auch als künstlerischer Leiter machte Falckenberg die Kammerspiele zum führenden Avantgardetheater Deutschlands. Szenen-Fotos von Therese Giese, Käthe Gold, Marianne Hoppe, Maria Nicklisch, Friedrich Domin, Heinz Rühmann, Hans Schweikart, und, und - eine ganze Ära lebt wieder auf mit dem von Birgit Pargner leidenschaftlich-akribisch kuratierten Bild-, Text- und Tonmaterial. Es sind große Menschendarsteller, die unter Falckenberg gespielt haben. Oder anders herum, wie man die heute 94-jährige Gusti Wolf an einer der Hörstationen vernimmt: "Wer bei Falckenberg war, ist was geworden." Speziell solche auf Videos und Tonträgern zusammengestellte Aussagen von Schauspielerinnen wie Inge Birkmann, Gundel Thormann, Erna Sellmer und Bettina Titt-Falckenberg, seine Tochter aus dritter Ehe, vermitteln einem unmittelbar Falckenberg, den außergewöhnlichen Lehrer, der dem Schauspieler Freiraum ließ, vor allem dessen eigene schöpferische Kräfte zu wecken wusste, und Falckenberg, den "Prospero" der Regie, den Magier, der sein Theater aus der menschlichen Seele hervorzauberte. Unabhängig von bühnentechnischen Finessen, immer ausschließlich dem Wort, immer Klang und Melodie des Textes verpflichtet. Wer sich Zeit nimmt, kann anhand der Fülle von Fotos, Manuskripten, Tage- und Regiebüchern und Kritiken seine Inszenierungen nachverfolgen: seine Strindbergs, die Uraufführungen von Georg Kaiser und Bertolt Brecht, für die deutsche Bühne wiederentdeckte Shakespeares-Stücke und im Hitler-Deutschland der notgedrungene Rückzug auf die Klassiker. Die kolorierten Entwürfe und Figurinen seiner wichtigsten Bühnenbildner Leo Pasetti, Otto Reigbert und Eduard Sturm illustrieren in gewisser Weise auch Falckenbergs Entwicklung von einem zu Beginn visionär-ekstatischen zu einem musikalisch-architektonischen Stil, dem die geweiteten und klar gegliederten Bühnenräume Sturms entgegenkamen. Das Theater war sein Leben, Leben und Werk eins. Und so ist folgerichtig hier auch der Mensch Falckenberg kennenzulernen, vom ersten Ruhm als Schriftsteller über die drei Ehen bis zum zermürbenden Ende als "Fall für die Entnazifizierung". Obwohl durch Urteil der Spruchkammer als unbelastet freigesprochen, verweigert ihm das US-"Civil Government" im Mai 1947 die Weiterführung der Kammerspiele. Ein tiefe Kränkung für Falckenberg, der dieses Haus mit viel Diplomatie durch die schwierige NS-Zeit der Theatersäuberungen, Reichsdramaturgen-Überwachung und Spielplanvorschriften gelenkt hatte und schon neue Pläne für moderne Stücke machte. Sechs Monate später stirbt Falckenberg, 74-jährig. Im Winter 1945/ 46 hat er noch in Gesprächen dem engen Freund Paul Gebhart seine Erkenntnisse über die Schauspielkunst mitgeteilt, die Gebhart 1948 im Münchner Kurt Desch Verlag veröffentlichte. Ein wertvolles Vermächtnis, ebenso seine Idee einer Fächer-umarmenden Theaterakademie, wie sie erst August Everding verwirklicht hat. Sehr empfehlenswert Birgit Pargners hervorragend recherchiertes, reich bebildertes Begleitbuch (Henschel-Verlag, 26,90 Euro), das Biografie, Theater- und Zeitgeschichte einholt. Ab morgen bis 8. Januar, Galeriestr. 4a, Tel. 089/ 210 69 10.

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