Magische Kraftorte

München - Sagenhafte Berggestalten haben derzeit im Alpinen Museum in München das Regiment übernommen: "ungeheuer - zauberhaft"erzählt von Zwergen, Mythen und Märchen.

Wer in den Bergen Albträume bekommt, hat garantiert eine Trud auf der Brust sitzen. Wem im Berchtesgadener Land Unheil widerfährt, ist im Bann von König Watzmann: Zu Stein erstarrt übt der böse Herrscher immer noch Macht aus. Und wer im Südtiroler Rosengarten-Fels das Abendrot bewundert, der soll sich beim Zwergenkönig Laurin dafür bedanken, der sein Reich glühend gegen die Germanen verteidigte. Selbst diejenigen, die den Sommer in München verbringen, sind vor den sagenhaften Berggestalten nicht geschützt. Ein Waller droht in den Tiefen des Walchensees mit folgenschweren Schwanzausschlägen, wird er nicht mit goldenen Opfern und Prozessionen besänftigt.

Weil Heil und Unheil in München quasi direkt vor der Haustür liegen, hat sich jetzt das Alpine Museum der Märchen und Sagen angenommen unter dem Titel "ungeheuer - zauberhaft". Da geht es um freundliche Fräulein und tolle Kobolde, um Gold schürfende Venedigermännchen und tanzende Kaasmandl im Vollmondlicht. Dass derlei Geschichten bis heute Erklärungen für Unbegreifliches liefern, ist die zentrale Botschaft.

Was nach Kinderwelt klingt, war und ist auch für Erwachsene spannend: Die Romantik forschte nach der deutschen Identität und glaubte, die Wurzeln in Sagen gefunden zu haben. Die Gebrüder Grimm waren dann Anfang des 19. Jahrhunderts die wichtigsten Sammler und Verbreiter dieser Literatur. Sie sahen ihre Sammlung als "Erziehungsbuch" an, es war die Zeit der Pädagogik.

Man erkannte auch: Sagen sind nicht ein Stück Archaik, sondern ändern sich. So tobten einst am Untersberg über Salzburg Zwerge, Bergmännlein und die wilde Jagd. Seit dem 16. Jahrhundert aber wartet in einer Höhle auch "Kaiser Carl" auf sein heilsbringerisches Eingreifen in den Weltuntergang. Dieser Karl V. wurde im 19. Jahrhundert zu Karl dem Großen (747-814): Man wollte die deutsche Einheit betonen. Nicht umsonst wählte später Hitler genau gegenüber den Obersalzberg als sein Rückzugsort. Heute haben die "Alpenschamanen" den "magischen Kraftort" wiederentdeckt und deuten die Überlieferungen als keltische und germanische Mythen. Solche Ideen beleben in letzter Zeit auch den Tourismus und den Buchmarkt.

Bis 21. Februar 2009.

Infos: Telefon 089/ 211 22 40.

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