Magische Stimme und eiserne Disziplin

- Als einen "Fixstern" im "wunderbaren Salzburger Mozart-Ensemble der Nachkriegsjahre" hat Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele, Elisabeth Schwarzkopf gewürdigt. "Eine durch und durch ernsthafte Künstlerin, eine fabelhafte Bühnendarstellerin, eine kluge Interpretin." Elisabeth Schwarzkopf ist, wie am Freitag berichtet, im Alter von 90 Jahren im österreichischen Schruns gestorben.

Nach Angaben ihres Anwalts und Testamentsvollstreckers Guntram Lins hat die Schwarzkopf praktisch bis zum letzten Tag ihres Lebens gearbeitet. "Sie war geistig völlig frisch und ist ganz friedlich eingeschlafen." Die Sängerin habe noch vor wenigen Wochen an einem Seminar teilgenommen. Laut Lins ist die Beerdigung möglicherweise Ende nächster Woche. Schwarzkopf habe nur noch entfernte Verwandte. Voraussichtlich wird sie im Familiengrab in Zumikon bei Zürich beigesetzt.

Christian Gerhaher, derzeit der Papageno bei den Salzburger Festspielen und ehemaliger Meisterklassen-Schüler von Elisabeth Schwarzkopf, sagte, sie habe "unübertreffbare Maßstäbe und Zeichen" gesetzt. "Die Textaussprache war für sie die Grundvoraussetzung. Ohne das war richtiges Singen nicht möglich; erst kam der Text, dann dachte sie an Klangentfaltung im Sinne einer musikalischen Aussagekraft." Vor allem diese "Klarheit der Aussprache" habe er sich zu Herzen genommen. Als Lehrerin habe sie sich durch "große Strenge" ausgezeichnet. "Trotzdem war sie fantastisch, weil sie nie Verfechterin einer Selbstzweck-Technik war, sondern Technik immer aus klanglichen Gründen entwickelt hat."

Der Direktor der Wiener Staatsoper, Ioan Holender, bezeichnete die Sopranistin als "die wohl letzte und gleichzeitig größte der großen Strauss- und Mozart-Interpretinnen des vergangenen Jahrhunderts. Sie war eine wichtige und erstklassige Sängerin." Der französische Kulturminister Renaud Donnedieu des Vabres meinte, mit Elisabeth Schwarzkopf habe die Welt eine "ungeheure Künstlerin, eine Interpretin mit eiserner Disziplin und magischem Timbre verloren".

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Tannhäuser“ in München: Zeit der Künstlichkeit
Eine bessere Sängerbesetzung für diesen neuen „Tannhäuser“ an der Bayerischen Staatsoper lässt sich nicht finden - wohl aber ein besserer Regisseur. Die rituellen Bilder …
„Tannhäuser“ in München: Zeit der Künstlichkeit
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
Franz Ferdinand, Feist und Judith Holofernes sind nur drei Acts, die beim diesjährigen „Summer‘s Tale“ auftreten. Unter Musik-Kennern längst bekannt, ist das Festival …
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie
Das BR-Symphonieorchester unter Mariss Jansons reiste von München nach Hamburg und gab sein Debüt in der Elbphilharmonie. Wir haben dieses besondere Gastspiel begleitet. 
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie
Elvis bebt - und Priscilla ist der PR-Gag: Konzertkritik zu „The Wonder of You“
Der König ist tot, es lebe der König! Was Elvis Presley zu Lebzeiten nie schaffte, nämlich ein Konzert in München zu geben, das holte er jetzt nach: die Konzertkritik …
Elvis bebt - und Priscilla ist der PR-Gag: Konzertkritik zu „The Wonder of You“

Kommentare