Maharadscha der Tasten: Zum Tod des Jazz-Giganten Oscar Peterson

- Mehr Swing als Oscar Peterson konnte niemand einem Klavier entlocken. Generationen von Keyboardern haben seine Spielkunst zum Maßstab gemacht. Es gibt so gut wie keine Jazz-Auszeichnung, die er nicht bekam. In der Nacht zum Heiligabend ist der Mann, den Duke Ellington den "Maharadscha der Klaviertasten" nannte, im Alter von 82 Jahren gestorben. So wie er es sich gewünscht hatte - umgeben von Angehörigen und Freunden.

"Ich werde spielen, bis ich vom Schemel falle", versprach der Pianist 1993. Das war kurz nach einem Schlaganfall, der fast das Ende seiner Karriere bedeutet hätte. Doch mit der eisernen Willenskraft, die ihm dazu verholfen hatte, schon in jungen Jahren den Olymp der Jazz-Pianisten zu erobern, überwand er die Folgen der Krankheit und ging bald wieder auf die Bühne.

Und dies zur Freude seiner riesigen Fangemeinde, darunter zum Beispiel Bill Clinton, der sich rühmt, sämtliche der mehr als 200 Peterson-Alben zu besitzen.

Überschäumende Spielfreude wurde Peterson bescheinigt und ein enormes Talent zur Improvisation, dies verbunden mit technischer Perfektion. Als Jugendlicher übte Oscar Emmanuel Peterson, der in Montreal als eines von fünf Kindern eines aus der Karibik eingewanderten Gepäckträgers der Canadian Pacific Railways aufwuchs, acht Stunden am Tag. Er kenne nur einen Musiker, der ohne Proben auskomme, pflegte Peterson dem Nachwuchs mit auf den Weg zu geben. "Der heißt Gabriel und hat Flügel."

Als Kind wollte Oscar Trompeter werden wie sein großes Vorbild Louis Armstrong. Eine Lungen-Tuberkulose machte dem Traum des Siebenjährigen ein Ende. Doch im Rückblick erwies sich die Krankheit als Glücksfall, denn während der Behandlung entdeckte er seine Liebe zum Klavier.

Als Pianist ist Peterson später nicht nur mit Armstrong und Ellington aufgetreten. Auch Ella Fitzgerald, Dizzy Gillespie, Count Basie, Nat King Cole, Stan Getz, Charlie Parker und andere Jazz-Giganten wurden Partner und Freunde. Entdeckt wurde Petersons Begabung bei einem Talentwettbewerb des kanadischen Rundfunks. Sein musikalisch begabter Vater, der sich das Orgelspiel beigebracht hatte, sorgte dafür, dass der Junge das Konservatorium von Montreal besuchte und Privatunterricht bekam.

Seine Karriere als Berufsmusiker begann Peterson mit 17. Die erste Platte spielt er mit 19 ein. "I Got Rhythm" war noch stark vom Boogie-Woogie geprägt. Als einziger Schwarzer spielte Peterson mit dem Johnny Holmes Orchestra in Montreal und Umgebung zum Tanz auf - und musste rassistische Beleidigungen, selbst von Kollegen, hinnehmen. 1947 leitete er erstmals ein eigenes Trio. Der Durchbruch kam zwei Jahre später, als Norman Granz ihn für die Reihe "Jazz at the Philharmonic" in die Carnegie Hall nach New York einlud.

Zu seinen größeren Kompositionen gehören "The Canadian Suite", die "African Suite" und auch die "Royal Wedding Suite", die er zur Hochzeit von Prinz Charles und Lady Diana Spencer schrieb. Er selbst heiratete viermal. Mit seiner letzten Frau Celine hatte er eine Tochter. Aus der ersten und dritten Ehe hatte er sechs Kinder.

Petersons Konzertreisen führten ihn seit Anfang der 60er-Jahre auch immer wieder nach Deutschland. Mit zu den besten der Aufnahmen Petersons rechnen Kenner drei Live-Mitschnitte aus dieser Zeit. Sie entstanden in Villingen im Schwarzwald bei Kirschwasser, Wodka und Sekt in der Villa des Tongeräte-Herstellers Hans Georg Brunner-Schwer vor nicht mehr als 50 geladenen Gästen. Da ist Petersons tiefe Beziehung zu seinem Musikinstrument so richtig erlebbar. "Wenn ich am Piano sitze", sagte er einmal "dann ist das für mich keine Fingerübung, sondern eine Liebesaffäre."

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