Mahler für alle

- "Oper für alle" - da hatte Petrus denn doch ein Einsehen und schloss pünktlich zur Eröffnung des endlich neu gestalteten Marstallplatzes seine Himmelsschleusen. Vereinzelt dünn gewandet, barfüßig in Stilettos bis herbstlich-winterwetterfest in der Mehrheit, strömten Münchens Musikenthusiasten am Samstag kurz vor 21 Uhr herbei. Auf dem Programm dieses Festspiel-Konzerts: Gustav Mahlers dritte Symphonie in d-moll, ausgerichtet von Zubin Mehta gemeinsam mit seinem Bayerischen Staatsorchester, Mezzosopranistin Marjana Lipovsek, sowie dem Damen- und Kinderchor der Bayerischen Staatsoper.

<P>Die Musiker wären im Ernstfall vor dem Regen geschützt gewesen. Sie saßen auf einer Bühne, die von einer transparenten Plastikkonstruktion umschlossenen wurde, und waren somit direkt vor der dunkelrot erleuchteten Glasfront des neuen Opernprobengebäudes platziert. Allerdings: Den offiziellen Reden von Staatsopernintendant Sir Peter Jonas, Münchens Stadtbaurätin Christiane Thalgott und Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser schenkte eine Stunde vor Konzertbeginn nur eine erstaunlich kleine Schar langsam eintröpfelnder Interessenten Aufmerksamkeit.<BR><BR>Für Faltlhauser "ein Tag der Freude für alle, die in München leben und die Musik lieben". Er glaube fest daran, dass sich der Platz, der früher "als eine Art Müllhalde und als Abstellplatz für Blech diente", nun als neuer "kultureller Innenraum" zum beliebtesten Open-Air-Platz Münchens entwickeln wird. Lustvoll auch sein Bekenntnis zum "Oper für alle"-Shirt unterm anthrazitfarbenen Jackett: Er habe keine Hemmungen bei der Zusammenarbeit mit Sponsoren und Investoren, ohne deren Unterstützung weder das neue Probengebäude noch dieser Event zustande gekommen wären. Und Peter Jonas wies darauf hin, dass Zubin Mehta "mit dem Konzert ein bisschen von dem zurückgeben will, was wir das Jahr über von Ihnen empfangen".<BR><BR>Eine Veranstaltung, die übrigens mal ganz ohne aufwändige Lightshow auskam. Verlassen hat man sich einzig auf Mahler. Immerhin tragen seine Klänge auf dem Platz, der angeblich 7000 Menschen fasst - keine harte, sondern eine angenehme, für Werke dieser Dimension ideale Akustik.<BR><BR>Das Areal war bei seiner Premiere nicht überfüllt, aber immerhin lauschte ein größerer innerer Zuhörer-Kern andächtig der Musik, ohne sich durch das ständige Kommen und Gehen stören zu lassen. Außerdem: Wo wird Mahler denn schon nach dem ersten Satz Beifall gezollt? Doch zuweilen unterlag er der Publikumsfluktuation und dem Geplauder. Mahler für alle? Die Frage bleibt offen - doch der Applaus war frenetisch.</P>

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