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„Sitze ich am Klavier, verschwindet alles andere, der Lärm um mich herum wird leiser“, sagt Malakoff Kowalski.

So klingt das neue Album „Onomatopoetika“ von Malakoff Kowalski

Malakoff Kowalskis feine Pianopoesie

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Malakoff Kowalski hat gerade sein neues Album „Onomatopoetika“ veröffentlicht.  Eine „postromantische Klaviersuite“ nennt der Pianist und Komponist die Platte. Unsere Kritik:

Ob Malakoff Kowalski ein besonders mutiger Mann ist? Wissen wir nicht. Was wir allerdings wissen, weil wir es hören können, ist, dass er unbeirrbar und kompromisslos ist, wenn es um seine Musik geht. Heute erscheint das neue Album des Pianisten und Komponisten, der 1979 in den USA geboren wurde und inzwischen seit vielen Jahren in Berlin lebt. Im Eröffnungsstück „Ono“ hat Kowalski auf seinem Bechstein-Flügel gerade die ersten beiden Töne angeschlagen, als er etwas mehr als fünf Sekunden verstreichen lässt, bevor er den dritten spielt. Dasist mutig. Denn fünf Sekunden Stille muss man aushalten können – als Künstler und als Zuhörer.

Zehn aufregend schöne Klavierstücke sind auf „Onomatopoetika“ versammelt. Für den Titel des Albums stand der Fachausdruck für Laut- oder Tonmalerei Pate – und das trifft es recht gut. Kowalski hat hier Klanglandschaften geschaffen, berührend, berauschend, federleicht und zugleich erdenschwer. Seine Tonfolgen nehmen immer wieder traumwandlerisch Anlauf, als würden sie die Melodie suchen, tastend an Tasten. Die Läufe wiederholen, spiegeln und ergänzen sich; die einzelnen Töne perlen und funkeln wie kleine, bunte Steine.

Kowalskis Musik wirft sich und uns aufs Wesentliche zurück, auf den Dialog von Stille und Klang. Feinste, pure Pianopoesie pulsiert auf dieser Platte. Oder: „Die schönste Liebeserklärung an Erik Satie, die ich jemals gehört habe“, wie Pianistenkollege Igor Levit jubelt.

Ihn interessiere es sehr, „mit nur wenigen Tönen sehr viel zu erzählen“, erklärte Kowalski einst im Gespräch mit unserer Zeitung. Diesen Ansatz verfolgt er mit seiner „postromantischen Klaviersuite“ stringent weiter. Der 40-Jährige seziert gewissermaßen die Musik – ohne dass es je schmerzt. Und mit jedem Schnitt legt er die Schönheit des Klanges frei. Das mag lieblich-verzückt klingen wie im Titel „Opoé“ oder spannungsgeladen wie in „Poé“, einer Komposition, die den auflösenden, befreienden Schlussakkord einfach verweigert.

Wer das Kino liebt, kennt auch die andere Seite von Kowalski. Seit vielen Jahren schreibt er Filmmusik für die Münchner Regielegende Klaus Lemke. Gerade arbeitet er am Soundtrack für die neue „Stasikomödie“ von Leander Haußmann. Seine Klavierkompositionen schlagen ganz andere Saiten an. Hier hören wir einem Musiker beim Nachdenken über die Stille zu. Denn das „Nichts ist nicht nichts“, weiß Malakoff Kowalski. Und diese Feststellung ist beruhigend schön.

Malakoff Kowalski:

„Onomatopoetika“ (MPS).

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