Die Malweiber - Dachaus Gemäldegalerie stellt Künstlerinnen aus, die um 1900 am Ort aktiv waren

Dachau - Die Legende von den Dachauer "Malweibern" als den dilettierenden Emanzen der Zeit um 1900 wird widerlegt durch die 19 Biografien zur jetzigen Ausstellung in der Dachauer Gemäldegalerie: "Anna Klein und andere Künstlerinnen in Dachau um 1900".

In München studierten sie an der Damenakademie des Künstlerinnenvereins und an der Kunstgewerbeschule bei guten Lehrern, jeweils unter der Schirmherrschaft des Hauses Wittelsbach, sowie an der Debschitz-Schule. Sie nahmen privaten Unterricht bei namhaften Malern in München wie in Dachau. Johanna Malburg - seit 1909 die Ehefrau Ludwig Dills - gelangte sogar mit einem Stipendium Kaiser Franz Josephs zur Malerei. Einige kamen bereits aus Künstlerfamilien.

Den Anlass für diese Aufarbeitung bot 2007 die familiäre Schenkung des Nachlasses der Malerin und Zeichnerin Anna Klein (1883-1941) an die Dachauer Gemäldegalerie. Vieles blieb gleichwohl verschollen. Die aus einer seit dem 17. Jahrhundert in Bayern lebenden, vom jüdischen zum evangelischen Glauben konvertierten Nürnberger Familie stammende Künstlerin war Katholikin geworden, wurde von den NS-Behörden jedoch als Jüdin behandelt. Ihre eigene Malschule wurde 1933 geschlossen, sie selber zur Arbeit in einer Matratzenfabrik gezwungen, im November 1941 abtransportiert und in Litauen erschossen.

Tief drang Anna Klein in das Verständnis der umgebenden Landschaft und des bäuerlichen Lebens samt Brauchtum ein. Über ihre Tierdarstellungen bestand Verbindung zu Franz Marc. 1910 schenkte er ihr sein Farblitho "Zwei Pferde" mit Ostergrüßen. Ihre eminente illustrative Begabung äußerte sich in einer Vielzahl grafischer Blätter - bis hin zur Karikatur.

Die Wirkung Gustave Courbets machte sich bei Johanna Dill-Malburg in Bildern wie "Moorgraben" und "Birken im Herbst" bemerkbar. Die nach einem Hörsturz vollends zur Malerin gewordene ehemalige Koloratursopranistin Elsa Plach bekam durch Adolf Hölzel offenbar die flächenhafte Manier Cézannes vermittelt. Sie zog 1914 nach Ebersberg, wo ihr Nachlass unlängst wiederentdeckt wurde.

Es war die Zeit des Wechsels von der üblichen Ton-in-Ton-Malerei zum Eigenwert der Farbe. Der Lenbach-Nichte Emmy Buchka gelang das 1910 mit den Lichtwerten eines "Bauernhauses am Wasser". Alte Bäume, niedere Gehöfte: Nicht nur das einstige Etzenhausen erscheint hier im Originalzustand.

Am weitesten über das Übliche erhoben sich Paula Wimmer, die bereits 1915 nach Dachau zog, hier jetzt jedoch nur mit einem 1901 in München-Solln entstandenen Selbstbildnis und mit ihrem expressiven Realismus von 1925 bis 30 vertreten ist, und die ganz exzellente Emmi Walther. Ihr aus Privatbesitz entliehenes "Mädchen am Wasser" (1910) ist in der Klarheit der Farbe und ihrer rätselhaften Thematik weder auf ihre Freunde Emil Nolde und das Ehepaar Modersohn-Becker oder auf ihren Lehrer Hölzel zu beziehen. Walther gehörte 1919 zu den Gründungsmitgliedern der "Künstlergruppe Dachau", aus der 1927 die heutige Künstlervereinigung hervorging. Auch von Maria Langer-Schöller, deren Hochformat "Mutter mit Kind" (um 1910) ein Stock tiefer in der Dauerausstellung hängt, sollte in der Schau etwas mehr gezeigt werden.

Bis 28. September,

Di.-Fr. 11-17 Uhr, Sa./So. 13-17 Uhr. Telefon: 08131/56 75 16, Katalog: 13 Euro. 

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