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Mando-Diao-Musiker im Interview

München - Sie baten zum Tanz – und alle wollten mittanzen. Mit dem Megahit „Dance With Somebody“ feierte die schwedische Rockband Mando Diao 2009 den ganz großen Durchbruch.

Was für eine begnadete Band, irgendwo zwischen Stones, Beatles und Oasis, die Jungs aus Borlänge sind, wussten die eingefleischten Mando-Fans schon nach den ersten vier fantastischen Alben. An Selbstbewusstsein fehlte es den Schweden auch nie: „Es ist sogar eine rundere Sache als viele Alben der Beatles und Stones“, ließen sie 2006 rotzfrech über „Ode To Ochrasy“ wissen. Doch der ganz große Erfolg kam erst mit dem Nummer-1-Album „Give Me Fire“. Dass die einstigen Indierock-Lieblinge danach plötzlich durch „Wetten, dass...?“ und Klitschko-Boxübertragungen tanzten, schmeckte allerdings nicht jedem alten Fan. Jetzt sind Mando Diao zurück, gastieren auf ihrer Akustik-Tour am 4. Oktober im Zenith. Im Interview sprechen Sänger Björn Dixgård und Bassist Carl-Johan „CJ“ Fogelklou über ihre Entwicklung.

Als Sie „Dance With Somebody“ aufgenommen haben – haben Sie da geahnt, dass das der Song sein könnte, der alles verändert?

Dixgård: Überhaupt nicht. Wir hatten nicht das Gefühl, dass das Ding etwas Besonderes war. Ich habe „Dance With Somebody“ in meinem Wohnzimmer geschrieben, in einer Viertelstunde, eher zufällig. Und mit diesem Disco-Vibe haben wir auch nicht nach einem Monsterhit geschielt. Wir haben einen Haufen Arrangements ausprobiert, aber dieser etwas cleanere Sound hat einfach am besten gepasst.

Danach sind Sie in der Olympiahalle aufgetreten, und viele neue Fans kannten die alten Kracher wie „Sheepdog“ oder „Cut The Rope“ nicht. Die wollten „Dance With Somebody“ und „Gloria“ hören...

Fogelklou: Das ist perfekt! Das ist das Beste, was dir als Band passieren kann, wenn ein Haufen Leute da sind, denen du zum ersten Mal deine Musik vorspielen kannst und die sagen: „Wow – die anderen Sachen sind ja mindestens genauso gut wie ,Dance With Somebody‘.“ Und die dann hoffentlich auch die alten Alben entdecken.

Was sagen Sie Fans, die über Auftritte bei RTL und „Wetten, dass...?“ klagen?

Dixgård: Für manche Leute ist diese angebliche Glaubwürdigkeit ein Riesenthema, nach dem Motto: Nur wenn du mehr oder weniger erfolglos bist, bleibst du glaubwürdig. Und Erfolg ist grundsätzlich verdächtig. Darüber denken wir nicht nach. Wenn wir in eine Fernsehshow eingeladen werden, überlegen wir nicht, ob es unserer Glaubwürdigkeit schaden könnte. Wenn wir Lust darauf haben, gehen wir hin. Und wenn wir keine Lust haben, bleiben wir zuhause. So einfach ist das. Und abgesehen davon: Wenn es wirklich eine Scheißsendung ist, wird sie wenigstens ein bisschen besser, wenn wir dort auftreten.

Fogelklou: Wenn wir angefangen hätten, Mist-Musik zu machen, nur um in die Charts zu kommen, wäre das ein Problem für uns. Haben wir aber nicht. Wir haben nach wie vor keinen Produzenten, der uns sagt, was wir tun sollen, keine Leute, die uns sagen, was wir anziehen sollen. Wir nehmen immer noch in unserem alten Studio in Schweden auf, mit null Glamour – auch wenn wir uns mittlerweile Abbey Road leisten könnten. Wenn mich Fans auf dieses Thema ansprechen, sage ich ihnen immer: Hey, seid doch stolz darauf, dass ihr die ersten wart, die Mando Diao verstanden haben. Ihr seid ein so wichtiger Teil unseres Erfolgs.

Die Trennung von Schlagzeuger Samuel Giers hat dieses Jahr viele aufgeschreckt.

Dixgård: Das war natürlich keine schöne Geschichte, wenn man sich nach so langer Zeit trennt. Das ist immer der letzte Ausweg. Aber wir hatten das Gefühl, dass sich bei uns an den Drums etwas weiterentwickeln muss, und ich denke, am Ende des Tages werden wir davon profitieren.

Was gefällt Ihnen an der Akustik-Tour?

Fogelklou: Wir haben gezeigt, dass man Unplugged-Shows auf die Beine stellen kann, bei denen es abgeht, mit jeder Menge Rock’n’Roll, weit weg von Lagerfeuer-Sound. Es ist akustisch, es ist anders – aber es ist immer noch Mando Diao, voller Energie. Das ist das Wichtigste.

Dixgård: Ich fand’s cool, mit all diesen Gästen zu arbeiten, mit Juliette Lewis, mit Ray Davis, mit Klaus Voormann. Es war eine Riesenehre, ihn dabeizuhaben, quasi den fünften Beatle, fast schon ein Ritterschlag. Manche Leute kriegen ja Angst, wenn sie hören, du machst jetzt eine Akustikshow. Aber die Power von Mando Diao ist immer noch da. Die alten Songs hören sich durch diese Arrangements wieder wie neu an, das ist unheimlich spannend. Das sind keine „Sounds Of Silence“, egal, ob die Gitarre eingesteckt ist oder nicht.

Welche Songs machen Ihnen in dieser Form am meisten Spaß?

Fogelklou: „Dance With Somebody“. Es wird mir einfach nicht langweilig, den Song zu spielen. Er hat diesen unglaublichen Groove, die Leute rasten aus. Wenn 20 000 Fans da sind, und jeder tanzt, ist das eine riesige Rave-Party, da staunst du nur.

Dixgård: „High Heels“ mit Juliette Lewis zu singen war fantastisch. Ein ganz großer Moment.

Wann kommt ein neues Album?

Dixgård: Wir haben gerade zehn neue Songs aufgenommen, zum ersten Mal auf Schwedisch. Das sind Texte des schwedischen Dichters Gustaf Fröding, der 1911 gestorben ist und den wir sehr mögen. Wir haben unsere Lieblingsgedichte von ihm vertont. Ich denke, dass erst mal diese Platte rauskommt und danach so schnell wie möglich das echte neue Album. Gustaf und ich schreiben seit „Give Me Fire“ die ganze Zeit, da schwirren ständig neue Songs durch die Gegend. Es bleibt spannend bei Mando Diao.

Das Gespräch führte Jörg Heinrich.

Konzert

im Münchner Zenith

am 4. Oktober. Karten unter

Telefon 0180/ 54 81 81 81.

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