Mann mit Visionen

- Es muss ja einen Grund haben, warum der Festspielchef von Gut Immling, Ludwig Baumann (54), alle Jahre wieder mit einer seiner Kinderopern-Produktionen einen Abstecher nach München wagt. Im vergangenen Jahr brachte er seine "Zauberflöte für Kinder" in den Carl-Orff-Saal. Heuer kommt er mit Rossinis "Aschenputtel" in den Gasteig: am Samstag, 22. Januar, um 14 und um 17 Uhr, Carl-Orff-Saal. Und im April zeigt Baumann noch einmal Mozarts Kinder-"Zauberflöte", dann aber im Circus Krone.

<P>Ihre "Kinderopern" laufen in Rosenheim - im Zelt, in der Stadthalle oder im Sommer auf Gut Immling - wahnsinnig erfolgreich. Jetzt gastieren Sie damit in München. Warum?<BR><BR>Baumann: Weil ich denke, dass in München auf diesem Gebiet zu wenig getan wird. Unsere Aufführungen sind wirklich kindgerecht gemacht. Ich habe früher als Papageno selbst mindestens hundertmal die Zauberflöte für Kinder gespielt. Ich weiß, an welchen Stellen sie anfangen, sich zu langweilen und unruhig zu werden. Oder nehmen wir Humperdincks "Hänsel und Gretel": für Kinder eine Qual. Das ist eine Oper für Erwachsene. Ich habe sie bearbeitet, wir haben sie im Dezember in Rosenheim vor insgesamt 7000 Zuschauern gespielt, und im Dezember 2005 werden wir auch damit nach München kommen.<BR><BR>Welche Kinder sprechen Sie mit den Aufführungen an?<BR><BR>Baumann: Ab dem Alter von vier bis fünf Jahren. Für diese Kinder ist eine normale Oper viel zu lang. Wir gehen auf ihre Bedürfnisse ein, geben ihnen Gelegenheit, mitzudenken und selbst aktiv zu werden. Beim "Aschenputtel" können sie auf die Bühne kommen, beim Umbau helfen und Kostüme aussuchen.<BR><BR>Schätzen Sie den Bedarf an Kinderopern so groß ein, dass es sich für ein Opernhaus lohnte, sie ins Repertoire zu nehmen?<BR><BR>Baumann: Ich bin überzeugt davon. Und auch davon, dass sich in dieser Hinsicht an den subventionierten Opernhäusern etwas ändern muss. Ein Problem, das bei uns jetzt hinzu kommt: Uns gehen die Stücke aus.<BR><BR>Was ist da zu tun?<BR><BR>Baumann: Wir werden selbst Märchen bearbeiten, Libretti verfassen. Im Moment reden wir über "Die Bremer Stadtmusikanten", im nächsten Winter machen wir "Schneewittchen" und wählen dazu vorhandene Musik von Bach bis Brubeck aus. Es gibt auch die Idee zu einem "Freischütz" für Kinder, und im Gespräch ist eine kindgemäße Fassung von Wagners "Ring des Nibelungen".<BR><BR>Die Kinderopern sind das momentan Aktuelle. Am 1. Mai aber beginnen auf Gut Immling die Proben für den Festspielmonat Juli. Was steht auf dem Programm?<BR><BR>Baumann: Puccinis "Tosca" ab 1. Juli sowie Leoncavallos "Bajazzo" und "Cavalleria" von Mascagni ab 15. Juli. Für 2006 plane ich - mir quasi als Geschenk zum zehnjährigen Immling-Jubiläum - Verdis "Don Carlos". Das war meine erste Oper. Ich war 16, als ich sie im Nationaltheater in München gesehen habe, von ganz oben, vom Stehplatz aus - mit Mirella Freni und Hans Hotter. Und ich wusste: Da unten will ich auch eines Tages stehen. Und als ich 20 war, stand ich auf dieser Bühne in eben dieser Inszenierung.<BR><BR>Sie machen sich's nicht gerade leicht . . .<BR><BR>Baumann: Unser Problem heute ist es, dass es von Jahr zu Jahr schwieriger wird, das Publikum zu gewinnen. Wenn wir auch mit einer Auslastung von mehr als 90 Prozent eigentlich nicht klagen dürfen. Aber rund um den Chiemsee werden immer mehr jede Menge Opern-Events angeboten, von "Aida" bis "Carmen", alles reine Tourneeproduktionen. Da müssen wir unsere eigene Handschrift haben und energisch dagegensetzen. Wir machen Theater, die anderen Kommerz.<BR><BR>Ihr Rezept für den Erfolg?<BR><BR>Baumann: Man muss einfach Visionen haben und seinen Weg gehen. Und es muss Spaß machen. Ich kann eigentlich sagen, dass ich mein ganzes Leben nicht gearbeitet habe, weil ich Dinge tue, die ich nie als Arbeit empfinde - ob als Sänger auf der Bühne, als Festspielleiter oder als Landwirt, der ich ja auch bin. Ich habe nie das Bedürfnis nach einem freien Tag oder nach Urlaub. Das ist Leidenschaft.<BR><BR>Wenn Ihnen heute die Leitung eines Opernhauses angetragen würde, würden Sie, da Sie Immling so ausfüllt, dennoch überlegen?<BR><BR>Baumann: Ich glaube schon. Ich denke, nach zehn Jahren Festival auf Gut Immling könnte ich ein Haus führen und leiten. Und ich bin sicher, ich würde es auch finanziell einigermaßen hinkriegen; denn ich glaube, dass in den Theatern viel zu viel Geld ausgegeben wird. Andererseits: Beim Festival bin ich mein eigener Herr.<BR><BR>Das müssten Sie ja, würden Sie Intendant eines großen Hauses, vielleicht aufgeben.<BR><BR>Baumann: Wieso? Ich könnte doch Immling weiter machen. Herr Schultz vom Gärtnerplatztheater ist doch auch im Sommer in Bayreuth.</P><P>Das Gespräch führte Sabine Dultz</P><P>Infos unter: Tel. 08055/ 90 34-0.<BR></P><P><BR> </P>

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