Video-Assistent: Mega-Panne beim Bundesliga-Auftakt

Video-Assistent: Mega-Panne beim Bundesliga-Auftakt

Marcel Marceau - der Meister des Stillen Theaters ist tot

Paris - Jeder verstand seine Geschichten, denn seine Sprache war universell. Sie bestand nicht aus Worten und Schriftzeichen, sondern aus Bewegungen und Gesten.

Marcel Marceau, der in seinem quer gestreiften Trikot, seiner weißen Hose und roten Blume am zerknautschen Hut als bleicher Clown Bip Geschichten aus dem Alltag erzählte, hat mit seiner wortlosen Kunst ein Weltpublikum erobert. Der französische Pantomime-Künstler hatte sich seit Anbeginn seiner Karriere dem Theater der Stille verschrieben. Mit 84 Jahren ist Marceau am Samstag gestorben.

Auch nach seinem 80. Geburtstag hatte Marceau auf der Bühne immer noch alterslos gewirkt - vor allem in seiner weißen Maske des tragikomischen Clowns Bip. "Die Kunst der Pantomime verleiht ewige Jugend", hatte einer seiner Lehrer, Etienne Decroux, dem Künstler 1944 vorausgesagt. Rund 100 Mal im Jahr stand Marceau noch jenseits der 80 auf den Brettern, die die Welt bedeuten, und zeigte ein Programm, das sein Publikum, von wenigen Ausnahmen abgesehen, seit Jahren kannte - und doch immer wieder zu sehen verlangte.

Mimodramen nannte Marceau seine poetischen Erfolgsnummern, bei denen Bip als David auftrat und sich in Goliath verwandelte oder in Don Juan, und die von Liebe und Glück, Fröhlichkeit und Trauer, Alter und Tod erzählten. Die lyrische Körpersprache, mit der er "Gefühle durch charakteristische Haltungen" ausdrückte, war nie aggressiv oder verletzend. "Ich war nie ein Extremist", sagte der Sohn eines in Auschwitz ermordeten jüdischen Metzgers einmal und fügte hinzu: "Ich habe nie begriffen, wie Christen Antisemiten sein konnten."

Der in Straßburg geborene Marceau mit dem bürgerlichen Namen Mangel floh mit seinem Bruder und seiner Mutter 1940 in die nordfranzösische Stadt Lille. In der französischen Widerstandsbewegung nahm er den Namen Marceau - nach einem General der Revolutionskriege - an und diente nach dem Einmarsch der Alliierten in Paris der 1. Befreiungsarmee. Bei seinem späteren Militärdienst in Deutschland trat er vor Kameraden erstmals als Pantomime auf.

Schon 1947 kreierte Marceau die Kunstfigur "Monsieur Bip", den traurigen und ironischen Clown, den er nach einer Figur von Charles Dickens schuf und immer wieder neu in Szene setzte.

Mit dem tragikomischen Bip ist Marceau zum bedeutendsten Pantomimen des vergangenen Jahrhunderts geworden. 1993 wurde er von der berühmten Pariser Académie des Beaux-Arts zum "unsterblichen" Mitglied gekrönt. Japan ernannte ihn sogar zum "lebenden nationalen Schatz". "Er ist von Geistern, die man sieht, umgeben", sagten dort die Zuschauer. Im Jahr 2001 wurde er schließlich von den Vereinten Nationen in New York zum "Botschafter für ältere Menschen" auserkoren.

Marceaus Kunst aus Gesten und Bewegungen lebte von der Identifikation und ist nicht mehr von seinem Namen zu trennen. Seinen Erfolg erklärte er selber einst so: "Das Theater ist überall in der Welt zu weit vom Physischen abgekommen. Sie geben Worte statt Körper. Ich erzähle von den allereinfachsten Dingen. Ich gebe den Leuten im Theater wieder einen Helden - Bip -, in den jeder einzelne sich selbst hineinzudenken vermag. C'est tout! (Das ist alles!)."

Kondolenzbuch, prominente Trauerfälle und Traueranzeigen aus der Region auf www.trauer.de

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Albträume im La-Le-Lulu-Land
Die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari hat zum ersten Mal am Theater gearbeitet und für die Salzburger Festspiele in Hallein Frank Wedekinds „Lulu“ …
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Er ist Kapitän der Rockband Eisbrecher, deren neues Album „Sturmfahrt“ jetzt erscheint. Wir sprachen mit Alexander Wesselsky über die neue Platte, billiges Fleisch und …
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Kas mit Karoline
Das New Yorker Regieduo 600 Highwaymen versuchte sich im Auftrag der Salzburger Festspiele an Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“. Lesen Sie hier unsere …
Kas mit Karoline

Kommentare