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Eine Parade-Vorstellung: David Kross als Bert Trautmann. 

„Trautmann“ startet am 14. März in den Kinos

Marcus H. Rosenmüller setzt Torwart ein Kino-Denkmal

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Bert Trautmann war Kriegsgefangener in Großbritannien und wurde als Torwart von Manchester City zum Fußballhelden der Briten. Marcus H. Rosenmüller hat seine Geschichte verfilmt.

Es geht um Fußball, dennoch brauchte es für diesen Film die Ausdauer eines Marathonläufers. Vor zehn Jahren nahm sich der bayerische Regisseur Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt ist länger tot“) vor, die Geschichte des legendären Torhüters Bert Trautmann (1923–2013) zu verfilmen. Der Deutsche war Kriegsgefangener in Großbritannien und wurde zwischen den Pfosten von Manchester City zum Helden – auch, weil er im Pokalfinale 1956 mit Genickbruch spielte. Wir sprachen mit Rosenmüller (45) über seinen Film „Trautmann“, der am 14. März im Kino startet.

Wie sehr muss man den Fußball lieben, um „Trautmann“ drehen zu können?

Marcus H. Rosenmüller: Man muss Fußballfan sein – sonst hätte ich keine spitzen Ohren bekommen, als ich den Namen zum ersten Mal hörte. Ausschlaggebend dafür, dass ich einen Film drehen wollte, waren aber auch die Ereignisse um Trautmanns Karriere: Über den Fußball konnte ich eine ganz andere Geschichte erzählen. Der Nicht-Fußballfan in mir sagte: Der Film muss mehr sein als Fußball.

Sie haben Kreisliga bei Ihrem Heimatverein SG Hausham 01 gespielt. Was fasziniert Sie am Fußball?

Marcus H. Rosenmüller

Rosenmüller: Zur Vorbereitung der Dreharbeiten von „Sommer in Orange“ im Jahr 2010 habe ich eine „dynamische Meditation“ der Sannyasins mitgemacht. Da tanzt du, schreist du, ruhst du. Ich habe gedacht: Das ist wie früher nach dem Fußball – du entlädst alle möglichen Kräfte. Du klarst durch Sport auf. Bei mir war das der Fußball, weil er einfach zu spielen ist. Du brauchst nur eine Kugel und zwei Tore. Die haben wir wie die Kinder im Film aus irgendwas gemacht. Ich denke oft an diese Zeit zurück, sie hat mir viel gegeben.

Auch für die Regie-Arbeit?

Rosenmüller: Ja. Zum Beispiel das Wissen, dass ein Film nicht durch eine Einzelleistung zu etwas Besonderem wird. Wenn wir früher in der zweiten Mannschaft mal einen Besseren aus der ersten Mannschaft dabeihatten, haben wir nicht automatisch gewonnen. So ist das beim Film auch – das ist Teamleistung. Außerdem sollte man nie den Gegner unterschätzen.

Was meinen Sie damit?

Rosenmüller: Man sollte keine Szene unterschätzen – auch wenn man sie so ähnlich schon oft gedreht hat. Eine andere Parallele: Du musst immer bis zum Abpfiff kämpfen. Wenn wir verloren haben und ich hatte 20 Minuten vor Abpfiff aufgegeben, habe ich mich schlecht gefühlt. Wenn du bis zur 90. alles gegeben und dennoch verloren hast – das hat gepasst. So ist das beim Film: Du hast jeden Drehtag die Chance, den Film zu verbessern.

Worum mussten Sie bei „Trautmann“ kämpfen?

Rosenmüller: Die Finanzierung. Das Budget war höher als bei meinen bisherigen Filmen. Dadurch, dass ich außerhalb Bayerns keinen Namen habe, war es für unseren Produzenten und die Produktionsfirma eine große Aufgabe, das Geld zusammenzubringen. Die Dreharbeiten selbst waren trotz Herausforderungen für mich als Regisseur gut organisiert. Für den Regieassistenten, die Produktionsleitung und die Szenenbildner, die in Bayern England nachbauen mussten, war es enorm anstrengend.

Haben Sie ein Beispiel?

Rosenmüller: Im Film gibt es eine Szene mit Schafen, die aus einem Hof abhauen. Das haben wir in einem Hinterhof im Glockenbachviertel gedreht. Im Film sieht man, wie die Tiere auf eine Straße rauslaufen – die Szene ist in Belfast entstanden mit irischen Tieren. Klingt nach einer Kleinigkeit, aber find’ erst mal Schafe, die gleich ausschauen. (Lacht.) Die Fünfzigerjahre in Bayern und in Belfast herzustellen, war schon eine Mammutaufgabe.

Ihr Produzent Robert Marciniak hat Ihnen 2009 zum ersten Mal von Bert Trautmann erzählt ...

Rosenmüller: ... und wir haben sofort gesagt: „Daraus müssen wir einen Film machen.“ Das haben wir uns damals in die Hand versprochen.

Davor kannten Sie Trautmann nicht?

Rosenmüller: Nein. Robert kam darauf, weil Petr Cech (ehemals tschechischer Nationaltorwart; aktuell FC Arsenal) mit Kopfverletzung spielt. Sein Vater hatte ihm erzählt, dass es einen deutschen Torwart in England gab, der mit gebrochenem Genick spielte. Ich habe dann recherchiert. Für mich war überraschend, welch große Nummer Trautmann in Manchester heute noch ist. Ein ManCity-Fan hat mir ein Gedicht gegeben, das er als Bub auf Trautmann geschrieben hat. Unglaublich!

Lesen Sie dazu auch: Bert Trautmann – der Feind, der zum Helden wurde  

Wann haben Sie Trautmann kennengelernt?

Rosenmüller: Robert und ich haben ihn in Nürnberg getroffen. Dann sind wir für eine Woche zu ihm nach Valencia und haben ihn interviewt. Diese Gespräche waren Basis des Drehbuchs.

Wie haben Sie ihn erlebt?

Rosenmüller: Als interessante Mischung aus Gentleman und Fußballer. Damit meine ich… Ich weiß nicht, ob Sie auch früher auch gespielt haben?

Nicht so gut, dass es für die Kreisliga gereicht hätte.

Rosenmüller: Wegen mir waren wir dort auch nicht. (Lacht.) Aber dann wissen Sie, was ich meine: Als Fußballer ging er auf die Menschen zu. Zu uns meinte er: „Ich muss euch Paella machen!“ Die war großartig. Dann kamen seine Nachbarn und es gab ein Fest.

Was lag ihm in Bezug auf den Film am Herzen?

Rosenmüller: Ein Beispiel dafür zu sein, dass man anderswo eine Heimat finden kann. Trautmann war ursprünglich der Feind der Briten und wurde ihr Freund, weil er als Einzelner überzeugt hat. Ihm wurde verziehen und er hat sich für die Freundschaft der Länder eingesetzt.

Wie sehr stützen sich die Fußballszenen im Film auf historische Aufnahmen?

Rosenmüller: Die drei Wembley-Tore von 1956 aus dem Finale Manchester gegen Birmingham sind genau so passiert. Mein ehemaliger Kreisliga-Trainer Peter Wagner hat das mit den Spielern trainiert. Er wusste, welcher Ball mit dem Außenrist gespielt wurde. Auch die Flanke, die zum Genickbruch führte, war exakt wie 1956.

Wann war klar, dass David Kross die Titelrolle spielt?

Rosenmüller: Bei einer Veranstaltung 2011 in München saß David zufällig an meinem Tisch. Er war so höflich, ein Gentleman – genau das, was ich bei Trautmann erlebt habe: das Zuvorkommende, Nicht-Aufgesetzte. Da dachte ich mir: So muss der „Kraut“ sein, der nach dem Krieg in deine Mannschaft kommt – du erwartest ein Monster, und da kommt so ein feiner Kerl, der ein Monster gewesen ist, weil er Mitläufer war. Ich habe David das Skript geschickt – er hat sofort zugesagt. Wir mussten immer wieder den Dreh verschieben, weil wir das Geld nicht zusammenbekamen. David ist über die Jahre mitgegangen. Dafür können wir uns gar nicht groß genug bedanken.

Konnte er kicken?

Rosenmüller: Ja, aber er war nie Torwart.

Wie viel Freiheit hat man als Regisseur, wenn man eine Biografie verfilmt?

Rosenmüller: Ich kann im Film – bis auf eine Ausnahme – bei jeder Szene sagen, welches Interviewstück mit Trautmann die Quelle ist. Dennoch zeigt jeder Film, übrigens auch ein Dokumentarfilm, die Haltung des Regisseurs. Wenn ich einen Menschen einen Tag mit der Kamera begleite und das Material auf 90 Minuten kürze, kann ich meine Meinung reinschneiden.

Verraten Sie die Ausnahme?

Rosenmüller: Die Rückblenden in die Kindheit haben viel mit meiner Haltung zu tun. Ich mag nicht alles erklären, weil es ein bisschen Bauchgefühl ist: das Miteinander-Kicken im Hinterhof – uns war egal, wer mitspielt, ausgeschlossen wurde keiner. Doch wenn Kinder dann dem Falschen nachrennen, können sie im Krieg landen. Deshalb stelle ich zu Beginn des Films diese beiden Szenen nebeneinander: Tanzen im Lokal – so können wir unser Leben verbringen. Oder wir können es mit der Waffe im Krieg verbringen.

Als Jack Friar Trautmann aus dem Gefangenenlager holt, um seinen Verein St. Helens vor dem Abstieg zu retten, sagt seine Tochter: „Hier geht es nicht nur um Fußball, Dad. Und das weißt du.“ Ihr Film erzählt auch von mehr ...

Rosenmüller: Mir ging es vor allem um die Versöhnungsgeschichte. Ich glaube, Begegnungen mit anderen Menschen sind das Wichtigste im Leben. Denn Begegnungen sind der Feind der Vorurteile.

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