Walter Sittler überreicht den Preis an Maren Kroymann
+
Er lag ihr zu Füßen: Walter Sittler überreicht den Ehrenpreis an Maren Kroymann.

Kabarett: Verleihung des diesjährigen Bayerischen Kabarettpreises in München-Unterföhring

Maren Kroymann sorgte für einen Hauch Ekstase

  • Rudolf Ogiermann
    vonRudolf Ogiermann
    schließen

Unter besonderen Umständen fand heuer die Verleihung des Bayerischen Kabarettpreises statt. Wegen Corona wurde die Veranstaltung nicht wie sonst im Münchner Lustspielhaus, sondern in den Fernsehstudios des BR in Unterföhring aufgezeichnet. Im Saal nur die Preisträger, die Laudatoren und enge Angehörige.

  • Nur 25 Personen nahmen an der Preisverleihung teil
  • Die Veranstaltung kam lange nicht auf Temperatur
  • Maren Kroymann lässt ihre Karriere Revue passieren

Der Landesvater kann sich freuen – nicht einmal die Hälfte der erlaubten 50 Personen bevölkerte am Montagabend das BR-Fernsehstudio 4 in Unterföhring (Landkreis München) zur Verleihung des diesjährigen Bayerischen Kabarettpreises. Was sonst das Lustspielhaus füllt, fand hier sozusagen im engsten Familienkreis statt – „fast schon ein Verstoß gegen das Inzestverbot“, wie der diesjährige Hauptpreisträger Max Uthoff süffisant anmerkte.

Corona bestimmte unübersehbar das Rahmenprogramm der Aufzeichnung, Moderator Django Asül, der – eine Art Running Gag – selbst den Getränkewagen durchs Studio schob, beklagte in seinen Intermezzi den zum Dauerzustand gewordenen Ausnahmezustand. Sinnierte erstaunlich unwitzig über Markus Söder und die Spitzenposition Bayerns auch bei den Inzidenzwerten, den FCB und die Sperrstunde, die doch, solle sie sinnvoll sein, vor allem in den privaten Haushalten eingeführt werden müsse.

Django Asül führte durch den Abend.

Und als ob sich die besondere Situation auch auf die Verleihung selbst ausgewirkt hätte, kam die Veranstaltung lange nicht auf Temperatur, gelang es der zur Senkrechtstarterin gekürten Tahnee (28) nicht, die ihr von der Jury bescheinigten „Rampensau“-Qualitäten auf die (Miniatur-)Bühne zu bringen. Zuvor war Laudator Sebastian Pufpaff über konventionelle „Mit-Herz-und-Hirn“-Komplimente nicht hinausgekommen.

Lisa Politts passgenaue Laudatio auf Max Uthoff

Ganz anders Piet Klocke, der Einstein der Ellipsen, dessen Sätze zu Ehren von Musikpreisträger Sebastian Krämer (44) das Eis brachen. Er sei „seit gefühlt zwei Jahrhunderten Fan“, stammelte Klocke, die Auszeichnung für Krämer begrüße er „mit hellster Freude und energischem Einverständnis“. Der so Gerühmte („Ich bin Chansonnier, obwohl ich kein Französisch kann“) dankte mit einem schrägen Song („Ich hab’ kein Liebeslied für dich“), der exemplarisch für seinen verwinkelten Witz steht.

Alles nur gespielt: Laudatorin Lisa Politt übergab den Hauptpreis gerne an Max Uthoff.

Wie passgenau auf den Preisträger zugeschnitten eine Laudatio sein kann, bewies Lisa Politts Rede auf Hauptpreisträger Uthoff. Der Münchner habe nicht Jurist bleiben können, „denn er ist der Gerechtigkeit verpflichtet“, so Politt. Andernfalls wäre er wohl „im Knast oder in der Klapse gelandet und nicht in der ,Anstalt‘“, wo er zusammen mit Claus von Wagner beweise, dass sich radikale Satire und Solidarität mit bestimmten Gruppen nicht ausschlössen.

Mit feinem Grinsen stieg Uthoff, Sohn der Rationaltheaterlegende Reiner Uthoff, vom Podest, um mit wenigen Worten die eigene Zunft hochzunehmen und sie an der Länge ihrer Laudationes bei zurückliegenden Preisverleihungen zu messen. Und überhaupt: „Kabarett, richtig gemacht, ist wirkungslos.“

Maren Kroymann setzt sich für junge Kolleginnen ein

Viel Wärme und ehrliche Bewunderung schließlich in den Worten von Schauspieler Walter Sittler an die Ehrenpreisträgerin Maren Kroymann. Die 71-Jährige habe „eine unfassbare Lust am Spiel“, enttäusche Erwartungen und sprenge Konventionen, lobte Sittler: „Die scheißt sich nix!“ Mehr als ein Wort des Dankes, eher eine Kurzautobiografie, war Kroymanns Antwort darauf. Sie habe, spät genug, einen Beruf ergriffen, den es gar nicht gab, denn bis dahin hätten die Männer auf der Kabarettbühne Frauen gesucht, die sie ergänzten und nicht solche, die sie ersetzten. Sie freue sich über den weiblichen Nachwuchs, er solle sich zeigen und – sich gut und gesund ernähren, „damit ihr noch nicht tot seid, bevor euch eine späte Ehrung erreicht“.

Gut, dass es Kroymann gab an diesem Abend, brachte sie mit zwei wunderbaren Songs – wie zuvor augenzwinkernd angekündigt – doch „noch einen Hauch Ekstase“ in diese denkwürdige Show.

Von Rudolf Ogiermann

Auch interessant

Kommentare