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Margit Bönisch, die Prinzipalin der Komödie im Bayerischen Hof.

Margit Bönisch: Mutter einer Großfamilie

München - Margit Bönisch feiert die 20. Spielzeit in „ihrer“ Komödie im Bayerischen Hof und erinnert dabei auch an deren 50-jähriges Bestehen. Ein Gespräch zum Jubiläum.

„So ein Theater möcht’ ich auch mal haben“, sagt voll Bewunderung für das gülden-rote Interieur ein junges Mädchen zu seinem Onkel, der es in die Münchner Komödie im Bayerischen Hof mitgenommen hatte. 1992 wird Margit Bönisch tatsächlich Prinzipalin der Komödie. Das traditionsreiche Haus am Promenadeplatz feiert heuer sein 50. Jubiläum. Und gleichzeitig startet die Hausherrin mit dem Musical „Sehnsucht nach dem Happy End“ (am 7. 9.) in ihre 20. Spielzeit. Mit 35 Songs von Peter Kraus ist dieses Musical eine Hommage an den ewig jungen Rock-’n’-Roll-Star Kraus. Den Titel darf man auch als programmatisch für Bönischs Laufbahn deuten.

Der theaterbegeisterte Onkel, Bruder von Margit Bönischs früh verstorbenem Vater, ist Lehrer in Oberhaching – und sähe Nichte und Neffen gerne in dieser Laufbahn. Der ältere Bruder wird wirklich Lehrer. Die junge Margit jedoch, infiziert von regelmäßigen Opern- und Theater-Besuchen, bricht das Studium ab und weiß nach Lehrzeit bei der Züricher „Bühne 64“ und Co-Leitung eines Berliner Tourneetheaters: „Das kann ich auch allein.“ Und gründet 1974 die „Münchner Tournee“. Mit ihrem Wirtschaftsabitur im Rücken – „Bei den Bilanzen musste es ja auf den Pfennig stimmen!“ – geht sie Disposition und Kalkulation freudig gespannt an: „Stücke und Schauspieler aussuchen, gemeinsam mit ihnen einen Regisseur finden und wie man eine Produktion finanziell hinkriegt, das macht mir ja bis heute den größten Spaß!“, was die kleinen Schalkblitze in ihren Augen noch mal bestätigen. Humor, Unternehmungsgeist und sympathische Lebenslust ist Margit Bönischs glückliche charakterliche Konstitution, mit der sie Dinge in Angriff nimmt – und auch durchsetzt.

Auftakt ihrer „Münchner Tournee“ ist Molières „Menschenfeind“ in der Inszenierung von Hans Schweikart. In Folge spielt bei ihr die Crème de la Crème: Paula Wessely, Christiane Hörbiger, Elisabeth Flickenschildt, Marianne Hoppe, Maria Wimmer – und vornehmlich in großen ernsten Stücken: „Mit Ingmar Bergman haben wir seine ,Szenen einer Ehe‘ gemacht. Mit Strindbergs ,Totentanz‘ waren wir sogar in Israel. Wir hatten Co-Produktionen mit den Münchner Kammerspielen, dem Bayerischen Staatsschauspiel und dem Berliner Renaissance-Theater, zum Beispiel Goethes ,Tasso‘. Ich komme ja eigentlich aus der Klassiker-Ecke.“

Mit der Übernahme der Komödie 1992 muss sie umdenken, sich auf Boulevard verlegen. Vorgewarnt war sie durch ihre Vorgängerin Isebil Sturm, der sie einmal ein Stück angeboten hatte: „Kindchen, in meinem Theater stirbt niemand auf der Bühne“, hatte Sturm ihr abgesagt. Übersetzt: Das Publikum der Komödie möchte sich – und das ja durchaus legitim – mit guter, aber letztlich harmonisch leichter Unterhaltung vom Alltag erholen. Dennoch hat Bönisch damals eine leise Hoffnung, wagt zur Eröffnung ihrer ersten Saison 1992/93 an der Komödie Goldonis „Diener zweier Herren“ mit Nikolaus Paryla in der Hauptrolle: „ Ich wollte hier ein Theater schaffen, das künstlerisch zwischen Kammerspiele und Staatsschauspiel/ Residenztheater liegt, so ähnlich wie das Renaissancetheater in Berlin. Aber die kriegen natürlich Subventionen, können es sich leisten, auch mal ein Stück zu spielen, das nicht so gut läuft.“ Angefragt hat sie bei der Stadt, mit der Antwort, dass sie – wie übrigens die kleinen freien Theatergruppen – für jeweils eine Produktion einen Projektantrag stellen müsse. Was jedoch bei der Struktur der Komödie als Abonnement-Theater mit einem vorab festgelegten Jahresspielplan kaum praktikabel ist. „Ich habe es schriftlich von der Stadt, dass ,diese Art von Theater‘ sich selbst erhalten müsse und nicht subventionswürdig sei“, fügt Margit Bönisch noch an.

Ohne Subventionen ist Bönischs Komödie wie auch ihre Tourneen unbedingt auf gute Auslastung angewiesen. Nicht immer klappt es damit, manchmal aus haarsträubenden Gründen. Bönisch erinnert sich: „In den 90er-Jahren habe ich mal hintereinander Stücke gebracht, die entweder von einem jüdischen Autor waren oder von einer jüdischen Familie handelten. Da haben Leute an der Kasse gefragt, ob das Theater jetzt unter jüdischer Leitung stünde. Das hat mich sehr traurig gemacht. Als wir ,Marlene‘ spielten, eigentlich erfolgreich, haben die Kassendamen auch Bemerkungen gehört wie: ,Da kaufen wir keine Karten, die Dietrich hat sich schlecht benommen.‘ Und das Schauerstück ,Misery‘ (von William Goldman nach einem Roman von Stephen King, Anm. der Red.) wollten die Leute auch nicht sehen.“

Die meisten ihrer Produktionen jedoch sind Renner. Sonst hätte sie sicher nicht Schauspiel- und TV-Prominenz wie Gerd Anthoff, Jochen Busse, Joachim Fuchsberger, Michaela May, Uwe Ochsenknecht, Susanne Uhlen und und und für ihre Komödie gewinnen können. Und mit knappen Budgets, unvorhergesehenen Ausgaben wird die Chefin immer leben. Bönisch: „Gerade will die Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, Anm. der Red.) einen neuen pauschalen Tarif von 15 Prozent einführen. Bisher war es üblich, den musikalischen Teil im Verhältnis zum gesprochenen Wort zu berechnen. Nach der neuen Regelung müsste ich jetzt für das Peter-Kraus-Musical, zusammen mit den zehn Prozent für die Aufführungsrechte des Verlags, insgesamt 25 Prozent abführen. Das wäre schon ein Viertel der gesamten Einnahmen, von denen ich ja die Miete, das Büro und die Gagen der Schauspieler zahlen muss.“

Sorgen beiseite – jetzt wird erst einmal richtig gefeiert: „Ich bin dabei, für unsere Gala am 31. Oktober die Einladungen rauszuschicken an alle Schauspieler und Regisseure, die unter meiner Intendanz, aber auch alle, die seit Gründung der Komödie 1961 hier gespielt und inszeniert haben – und noch leben... Johannes Heesters, na klar, wird ein Lied singen. Ich werde noch einige andere fragen, ob sie etwas zum Programm beitragen können. Es wird ein Mega-Event. Nicht mal auf dem Filmball gibt es so viele Leute wie bei unserer Jubiläums-Gala.“ Werden da die 570 Plätze der Komödie im Bayerischen Hof reichen? Wenn nicht – Margit Bönisch findet schon eine Lösung für ihre „Großfamilie“.

Malve Gradinger

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