Marie Marcks am Tegernsee

- Auf dem Berg der Verjährung, zwischen Gräbern und Kreuzen, treffen sich 1969 die schneidigen alten Kameraden in ungeminderter Munterkeit. Bei einer Waldbegehung von 1981 heißt es: "Schließlich können wir unsere Wälder nicht pflanzen, damit Dichter darin ihre Lieder singen können!"

<P>Die jetzt 82-jährige Marie Marcks zeichnet politische Karikaturen seit 1963. Im Tegernseer Gulbransson-Museum ist jetzt eine Ausstellung zu sehen, darunter einige ihrer seit 1974 veröffentlichten Bücher zum Thema Familienleben. Als Mutter von fünf Kindern aus zwei Ehen, zeitweise allein erziehend, verfügt sie über genügend Erfahrung. Derzeit arbeitet sie an einem Buch über das Altwerden. Ihre Beiträge zum Rollenspiel der Geschlechter machte sie zum Vorbild für Frauenrechtlerinnen, ohne dass sie selber als Feministin galt. Eine ganze Wand in der Tegernseer Schau handelt von "Mutterfreud bis Mutterleid". Denn eines Tages verlassen die emanzipierten Sprösslinge ganz und gar ihre Herkunft. So gelang Marie Marcks auch bestens die Thematik der zu propperem Wohlstand gediehenen Alt-Linken: "Prost, alter Genosse! Haben wir nicht damals zum Marsch durch die Institutionen geblasen? Tja, das war ein langer Marsch. Aber er hat sich ausgezahlt." Auf dem Tisch reihen sich die Häppchen-Schüsseln und die teuren Getränke.<BR><BR>Der erzählerische, oft kolorierte Strich der Ironie erhielt bei Marie Marcks nur selten die Schärfe der harten Kontur: 1965 beim Gegenüber von Willy Brandt und Günter Grass, 1966 bei De Gaulle, Lyndon B. Johnson und Ludwig Erhard. Schon 1982 erkannte sie: Hoch zu Ross sitzt ein Gebieter, dem zwei Türken die Trittleiter für den Aufstieg in seinen Sessel hielten, und propagiert: "Ausländer raus, dann brauchen wir kein Beschäftigungsprogramm."<BR><BR>Bis 17. Juli, Tel. 08022/ 33 38.<BR></P>

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