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Marilyn Monroe nackt im Stadtmuseum: Eine Ausstellung im Stadtmuseum München zeigt Akt-Bilder der vergangenen 150 Jahre.

Bilder und Video: Marilyn Monroe nackt im Stadtmuseum

München - In diese Ausstellung gehen nicht nur Kunstliebhaber: Das Stadtmuseum München feiert 150 Jahre Akt-Fotografie und zeigt 190 Bilder nackter Körper. Darunter auch Marilyn Monroe und Uschi Obermaier.

Na ja, Nackerte halt. Große Novitäten kann da eine Ausstellung nicht bieten. Seit der Erschaffung von Adam und Eva ist im Prinzip alles gleich geblieben. Dennoch ist das Faszinosum „nackter menschlicher Leib“ stark wie eh und je. Vor Zehntausenden von Jahren haben ihn die ersten Künstler stilisiert-abstrahiert geformt, Ägypter oder Griechen zeigten ihn stilisiert-idealisiert, und ab den Römern wurde so nach und nach das Interesse an der Realität der Gliedmaßen und Gesichtszüge stärker. Klar, dass im 19. Jahrhundert auch das neue Medium, die Lichtbildnerei, ihre Objektive auf die Blöße des Menschen richtete.

Die Schau „Nude Visions – 150 Jahre Körperbilder in der Fotografie“ will im Münchner Stadtmuseum in sieben Kapiteln von „Akademien“ bis „Glamour“ diesen besonderen Abschnitt aus der Geschichte unserer Selbstwahrnehmung ausleuchten. Rund 250 Aufnahmen und Bücher von 100 Fotografen – alle aus dem Besitz der Sammlung Fotografie des Museums – erzählen die Geschichte eines Problems: Die Kamera bildet extrem naturgetreu die Wirklichkeit ab – so glauben wir jedenfalls. Richtet sie sich auf das Tabu „nackter Körper“, setzt sie sich dem Vorwurf des Voyeurismus aus und hat nicht von vornherein die „Entschuldigung“: Das ist doch Kunst. Und das sieht man den Aufnahmen an. Fast alle wirken ein wenig angestrengt. Sie suchen mit aller Kraft eine künstlerische Überhöhung. Meist sind es nur die journalistischen Fotos, die unprätentiös Nackte zeigen. Etwa Heinz Gebhardt, der 1973 einen Herrenausstatter in der Schleißheimer Straße besuchte. Zur Eröffnung hatte der allen unbekleidet erscheinenden Herren eine Krawatte versprochen. Die folgende Nuditäten-Gaudi wurde dokumentiert.

Ähnlich arbeitspraktisch sind die frühesten ausgestellten Fotografien, und zwar Stereo-Daguerreotypien von 1855. Diese 3D-Bilder präsentierten die fülligen weiblichen Rundungen so perfekt, dass sie Maler wie Gustav Courbet gern nutzten. Als immer greifbare Ergänzung zum echten Aktmodell. Auch die „Akademien“ waren als Hilfsmittel für bildende Künstler gedacht. Mit diesen Fotos kann man alle möglichen Haltungen und Bewegungen studieren; sogar Motive beziehungsweise Figurengruppen wie Pietà oder Kreuzabnahme werden bereitgestellt. Geschickt vollzieht die Präsentation nach, wie die Fotografie sich von diesem Ausgangspunkt aus langsam verselbstständigt. Dabei wird der bloße Leib stets in eine Inszenierung gehüllt. Mag das die Exotik einer Person, mag das die schein-antike Natur, mag es der Trick sein, einfach so zu tun, als sei man gar kein Foto. Die Beispiele der Piktorialisten (sie verwendeten eine malerische Oberflächenbearbeitung) sind im Grunde symbolistische Grafiken. Sehr aufschlussreich dabei der Vergleich einer unbearbeiteten Aufnahme mit ihrer „künstlerischen“ Version.

Die klassische Moderne räumte damit auf, orientierte sich zugleich auf ihre Weise an der bildenden Kunst (Expressionismus, Kubismus, Surrealismus), an Ausdruckstanz und den Reformideen, die den Körper befreien wollten. Was die Nazis in ihre Ideologie einbauten. Die Befreiung wird da schnell zum Gesundheits- und Rassenterror. Wie überhaupt kranke oder alte Körper die Fotografen fast gar nicht zu interessieren scheinen. Ihre Realität ist eben nicht die Wirklichkeit. Nur eine Frau, Herlinde Koelbl, wagte sich an einen runzeligen Leib – und wahrte dessen Würde. Einige Fotokünstler machten dafür den Sprung in die Selbstironie. Sie wussten, dass man’s mit den Nackten schwer hat, und spotteten deswegen über Pin-up-Posen, verlogenen Schönheitskult, Pornografie und hochtrabenden Kunst-Gestus: indem sie ihren eigenen unzulänglichen Körper vor die Linse hielten.

Thomas Ruff schließlich versuchte, sich mit der Pornografisierung des Internets auseinanderzusetzen – nicht recht überzeugend, aber immerhin. Nur die Beschäftigung mit der Verfälschung/ Pseudo-Verschönerung von Körperbildern durch digitale Manipulation steht noch aus.

Bis 13. September, Tel. 089/23 32 23 70, Eintritt 4 Euro, Katalog, Kehrer Verlag: 19,95 Euro.

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