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Ob ihn am 11. Mai ein Anruf aus der Hauptstadt erreicht? Mariss Jansons ist einer der heißesten Kandidaten für die Nachfolge von Simon Rattle als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker.

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Mariss Jansons: "Die Politik hat einen Fehler gemacht"

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München - Mariss Jansons präsentiert die nächste Saison beim BR-Symphonieorchester – und kämpft weiter für einen neuen Konzert-Saal.

„Die üblichen Verdächtigen“ nennt sie Nikolaus Pont, der Orchestermanager. Als da wären zum Beispiel Herbert Blomstedt, John-Eliot Gardiner, Bernard Haitink oder Simon Rattle – wie man eben eine Superstar-Riege so bezeichnet, wenn man sie jede Spielzeit zu Gast hat. Man nährt sich am künstlerischen Überfluss beim BR-Symphonieorchester, auch in der kommenden Saison. Das Zentralgestirn bleibt Chefdirigent Mariss Jansons, auch wenn keiner weiß, ob bei ihm am 11. Mai nicht doch das Handy klingelt. Am anderen Ende der Leitung möglicherweise ein Vertreter der Berliner Philharmoniker, die gerade ihren neuen Chef gewählt haben. Naturgemäß wollte Jansons solches nicht kommentieren. „Wir müssen warten, was am 11. Mai passiert.“

Zunächst einmal dreht sich aber alles um sein Münchner Orchester. Für fast jedes seiner neun Konzertprogramme hält Jansons in der Saison 2015/ 16 eine Überraschung bereit, und das ist wörtlich zu nehmen: Gespielt wird nämlich jeweils ein kürzeres Werk, über das bis zum letzten verklungenen Ton nichts verraten wird. „ÜBERRASCHUNGSSTÜCK“ heißt es dazu lapidar in der Spielzeitbroschüre.

Neben einem Abend mit den schönsten Rhapsodien, Schostakowitschs siebter Symphonie in einem weiteren Konzert oder Mahlers fünfter befasst sich Jansons unter anderem mit Rachmaninows gewaltigem Opus „Die Glocken“. Kollege Rattle kümmert sich um Haydns Oratorium „Die Jahreszeiten“, Esa-Pekka Salonen bietet eine konzertante Aufführung der Ravel-Oper „L’enfant et les sortilèges“, Riccardo Muti eine Cherubini-Messe, und Kent Nagano startet einen auf mehrere Spielzeiten angelegten Messiaen-Zyklus. Unter den Solisten finden sich Promis wie Christian Gerhaher, Anne-Sophie Mutter, Yo-Yo Ma oder Bryn Terfel, Letzterer mit einem Wagner-Programm.

An sich wären zum Thema neuer Konzertsaal alle Argumente ausgetauscht. Pessimistisch wirkt Mariss Jansons zurzeit nicht, im Gegenteil: Seine ganze Kraft könne er nun, nach dem Abschied vom Concertgebouw Orchestra Amsterdam, für die Münchner Herzenssache aufbieten. Und: „Ich hoffe, dass die Intrige aus dem Kunstministerium vorbei ist, sie hat zehn Jahre gedauert.“ Wen oder was Jansons damit meinte, wollte er nicht näher erläutern. Dass es allerdings im Ministerium einflussreiche Personen gibt, die einen neuen Saal für überflüssig halten, gilt als offenes Geheimnis. Über den großen Widerstand gegen die mögliche „Zwillingslösung“ aus Gasteig und Herkulessaal sei er „sehr froh“ gewesen, sagte Jansons. „Die Politiker haben hoffentlich verstanden, dass sie einen Fehler gemacht haben.“

Wie gute Säle klingen, davon kann sich das Orchester in der kommenden Saison wieder überzeugen. Neben den Standardzielen Wien und Luzern ist eine Nordamerika-Tournee geplant, die ihr Finale in der New Yorker Carnegie Hall finden wird. Aber nicht nur international ist man aktiv, auch im Freistaat, wie Manager Nikolaus Pont anmerkte – dies sicher auch in Richtung derjenigen, die einwerfen, dem BR-Symphonieorchester gehe es nur ums weltweite Renommee. Es gibt also Konzerte in Bad Kissingen, Würzburg – und, eine Besonderheit, in Weiden. Dorthin wird man immerhin mit Franz Welser-Möst reisen, aufgeführt wird unter anderem Max Regers Requiem. Der Komponist verbrachte in der Oberpfalz seine Kindheit, überdies wird 2016 sein 100. Todestag gewürdigt.

Die neuen Medien werden beim BR-Ensemble künftig wohl eine noch größere Rolle spielen. Bislang verzeichnet man rund 47 000 Facebook-Freunde, was auch einen internationalen Werbe-Effekt hat. Darüber hinaus ist seit Freitag endlich das fertig, an dessen Realisierung sich schon mancher Orchester-Grande fast die Zähne ausgebissen hat: eine eigene Homepage. Ging das Symphonieorchester bislang im Wust der gewöhnungsbedürftigen BR-Webseite unter, so ist es nun endlich auffindbar.

Dass Mariss Jansons nach seinem Amsterdamer Abschied und angesichts weißer Flecken im Terminkalender bald bei einer Reihe von Orchestern als neuer Gast auftritt, schloss er aus. Er habe ja, so versicherte der Star, das Concertgebouw gerade deshalb abgegeben, um mehr Zeit und Muße zu haben. Und dann wurde dieses Pressegespräch sehr emotional, als die Stimme des Chefs immer leiser wurde und er nach Worten suchen musste: „Ich habe doch das Glück, mit dem Symphonieorchester und dem Chor zwei unglaubliche Ensembles dirigieren zu dürfen. Ich bin immer so erfüllt nach den Konzerten. Es ist eine Gnade Gottes.“

von Markus Thiel

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