Bundesregierung verbietet Auftritt von Erdogan in Deutschland

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Jubel im ausverkauften Herkulessaal: Mariss Jansons mit seinem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. foto: BR/ Astrid Ackermann

Mariss Jansons dirigiert Mahler und Schostakowitsch

München - Auftakt zum Merkur-Abo: Mariss Jansons dirigierte Mahler und Schostakowitsch im Herkulessaal. Die Konzertkritik.

Geht es noch authentischer? Noch lückenloser in der Aufführungstradition? Durch keinen anderen Pult-Dominator wurde Mariss Jansons zu Beginn der Karriere so geprägt wie durch Jewgenij Mrawinskij – dem Uraufführungsdirigenten der zehnten Symphonie von Schostakowitsch. Und alles, was Jansons damals eingeatmet, aufgenommen und verinnerlicht hat, all das schien diese herausragende Wiedergabe mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zu bestimmen. Zum Beispiel dass Schostakowitschs doppel- bis dreifachbödiges Stalin-Porträt keine Überdosis Theatralik verträgt. Dass also dort, wo so viel Außermusikalisches mitschwingt, sich der Interpret gerade nicht zum tönenden Geschichtsbuch verleiten lassen darf.

Eine Muster-Deutung also. Energiegeladen, von enormer Geschlossenheit vor allem im Streicherapparat, atmosphärisch dicht, mit klug rationierter Dramatik vor allem in den Steigerungswellen der beiden Ecksätze – und dabei immer die gute klangliche Erziehung wahrend. Jansons, der temperamentvolle Ästhet, ist ja keiner, der es in solch expressiven Partituren „schmutzen“ lässt. Der sich quasi interpretierend das Hemd aufreißt – was ihm und seinem Ensemble in Bestform gerade bei Schostakowitsch größere Wirkung und Wahrhaftigkeit sichert. Das umjubelte Konzert mit Schostakowitschs Zehnter wird dank eines DVD-Mitschnitts der Nachwelt erhalten – und war zugleich der Auftakt zum ersten Merkur-Abo, einer längerfristigen Zusammenarbeit zwischen unserer Zeitung und dem BR-Symphonieorchester. Gewiss mag es für solche Anlässe lichtere, freudentrunkenere Programme geben. Doch mögliche Vorbehalte erübrigen sich angesichts solcher Interpretationen – und vor allem dann, wenn Sänger wie Bo Skovhus auf der Bühne stehen. Für die Extremlagen von Mahlers „Liedern eines fahrenden Gesellen“ hatte er trickreiche vokale Lösungen parat. Und zu Jansons’ dichter, sensibel verinnerlichter Deutung passte die dezente, manchmal nervös-zurückhaltende Art von Skovhus gut. Dass ihm für Mahlers Vielschichtigkeit wenige Klangschattierungen zur Verfügung stehen, dass viele Vokale und tiefe Lagen im technischen Bemühen verfärbt wurden, war ein Manko. Und sollte in der nächsten Saison nicht mehr so stark ins Gewicht fallen, wenn Skovhus mit (s)einer Paradepartie zum BR und zu Jansons zurückkehrt: als Titelheld in der konzertanten Aufführung von Tschaikowskys „Eugen Onegin“.

Markus Thiel

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