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Marit Larsen wurde in Deutschland 2009 mit ihrem Hit „If A Song Could Get Me You“ über Nacht bekannt. Jetzt stellt sie ihre neue CD „Spark“ vor.

Marit Larsen: „Das macht einen demütig“

München - Marit Larsen (28) ist 2009 mit ihrem Hit „If A Song Could Get Me You“ über Nacht berühmt geworden. Jetzt kommt ihr neues Album auf den Markt. Im Interview spricht die norwegische Songschreiberin über englische Texte, klassische Musik und Erfolg.

Marit Larsen (28) kennt in Norwegen buchstäblich jeder. Sie war dort schon als Teenager erfolgreich. In Deutschland wurde sie 2009 mit ihrem Hit „If A Song Could Get Me You“ über Nacht bekannt. Derzeit bewirbt sie ihr neues Album „Spark“, das jetzt erschienen ist. Larsen präsentiert sich im Interview völlig allürenfrei. Die anfängliche Schüchternheit weicht aber bald einem leisen Sarkasmus, der nicht so recht zu den unschuldigen Gesichtszügen und der hellen Stimme passen mag.

Wenn man Ihren Namen recherchiert, stößt man sehr oft auf Begriffe wie „niedlich“ oder „süß“. Stört Sie das?

Es ist nicht eben das, wonach ich strebe. Mein Leben dreht sich um die Musik, und ich versuche, möglichst gute Lieder zu schreiben. Aber ich weiß natürlich, dass manche meiner Lieder diese Assoziationen wecken können, und das ist auch in Ordnung. Aber darauf festgelegt werden möchte ich nicht.

Sie hatten mit Ihrem Solo-Debüt immensen Erfolg. Hat Sie das beim Schreiben neuer Lieder beflügelt oder eher gehemmt?

Ein Lied zu schreiben ist immer eine Herausforderung. Man entwickelt sich und macht neue Erfahrungen. Zum Beispiel habe ich vor meinem ersten Album im Grunde nie live gespielt, und jetzt habe ich 100 Konzerte auf dem Buckel. Das beeinflusst einen sehr. Ich beginne gerade, mich mit meiner Rolle als Songschreiberin und Vortragskünstlerin anzufreunden. Ich bin ruhiger geworden. Bei meinem ersten Album habe ich gewissermaßen um mein Leben gesungen, weil ich ständig dachte: Das ist vielleicht das einzige Mal, dass du eine Platte aufnehmen darfst, also mach es richtig.

Sie sind Norwegerin, schreiben aber englische Texte. Ist es schwierig, seine Gefühle in einer Sprache auszudrücken, die nicht die Muttersprache ist?

Ich bin mit englischsprachiger Popmusik groß geworden, deswegen habe ich instinktiv englisch getextet. Meinen allerersten Song habe ich als 13-Jährige auf Englisch verfasst – schlechtem Englisch. Mittlerweile spreche ich im Alltag ausschließlich Englisch, und so funktioniert es ganz gut. Ich kontrolliere immer noch, ob die Grammatik richtig ist; und wenn ich bei bestimmten Ausdrücken unsicher bin, frage ich bei Freunden nach. Aber ansonsten fühlt es sich heute sehr natürlich an. Ich habe ab und an auch versucht, auf Norwegisch zu schreiben, und eines Tages werde ich diese Lieder vielleicht auch aufnehmen.

Ihre Vorbilder sind Joni Mitchell und Paul McCartney – die bringt man nicht zwangsläufig zusammen…

Sie schreiben großartige Songs, und das möchte ich auch. Ein Lied kann dein Leben verändern oder wenigstens deine Stimmung in dem Moment. Als ich mit 16 zum ersten Mal Mitchells Album „Blue“ gehört habe, hat das buchstäblich mein Leben verändert. Nichts war danach so wie zuvor. Und hören Sie mal die Lieder von McCartney an, das ist perfekte Popmusik. Außerdem macht er noch Alben, die als Ganzes funktionieren, was mir sehr gefällt.

Sie kommen aus einem Elternhaus, in dem klassische Musik gespielt wurde. Hat Sie das beeinflusst?

Stimmt. Mein Vater ist Cellist bei den Philharmonikern in Oslo, und meine Mutter ist Pianistin und Leiterin einer Musikschule. Ich hatte allerdings keine klassische Ausbildung. Aber es war immer klassische Musik um mich herum, das hat sicher Spuren hinterlassen. Vermutlich habe ich deswegen eine Schwäche für orchestrale Arrangements. Man muss das sehr behutsam machen und der Musik Luft lassen, um zu atmen – das lernt man von klassischer Musik.

Wie viel Kontrolle haben Sie über die Produktion?

Ich bin dafür verantwortlich. Ich habe früh begriffen, dass die Menschen einen in Haftung nehmen für die Musik, die unter deinem Namen erscheint. Also ist es besser, man kümmert sich wirklich selber darum. Mein Gott, das klingt nach einem gewaltigen Ego-Trip!

Sie haben sehr jung angefangen und hatten in Ihrer Heimat schon als Teenager Erfolg. Wie bleibt man da mental gesund?

Ich bin von guten Menschen umgeben und das schon seit Ur-Zeiten. Das hilft. Vor allem, wenn man viel unterwegs ist, ist es gut, wenn man seine Bandmitglieder mag. Und ich schreibe Lieder, was mir ständig meine eigenen Grenzen aufzeigt. Das macht einen demütig. Es gibt immer wieder Lieder, bei denen ich aufgebe und sie nicht beende. Ansonsten genieße ich die Zeit, weil ich weiß, dass dieser Erfolg höchstwahrscheinlich irgendwann enden wird.

Sie werden also nicht versuchen, wie Madonna um jeden Preis hip zu bleiben?

Ich bin ja nicht mal jetzt hip.

Das Gespräch führte Zoran Gojic.

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