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Marius Müller-Westernhagens neues Album „Das eine Leben“: 1 Euro ins Phrasenschwein!

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Von: Katja Kraft

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Sänger und Songwriter Marius Müller-Westernhagen
Sänger und Songwriter Marius Müller-Westernhagen. © Sony Music

Marius Müller-Westernhagens neues Album „Das eine Leben“ trieft nur so vor selbstverliebter Bedeutungsschwere. Unsere CD-Kritik.

Es gab diesen Auftritt von Herbert Grönemeyer, 2015, live in Bochum. Ziemlich genau in der Hälfte von „Wunderbare Leere“ machte er da, was er gerne macht: sich über sich und seine Lieder lustig. „Und jetzt kommen meine größten Texte aller Zeiten!“, rief er mit Schelmengrinsen. Und schmetterte dann „Und vieles kann – und vieles muss.“ Zwischenruf: „Und jetzt wird’s noch besser!“ Nämlich: „Die Brücke ist breiter als der Fluss.“ Was Grönemeyer von Marius Müller-Westernhagen unterscheidet? Es ist die kokette Kunst, über sich selbst lachen zu können. Am 20. Mai 2022 erscheint Müller-Westernhagens 23. Studioalbum – und das trieft nur so vor selbstverliebter Bedeutungsschwere und Eitelkeit.

Marius Müller-Westernhagen reiht alte Phrasen aneinander

Man hätte es ahnen können, als man den Pressetext von Sony Music zu der Platte las. Die sei „das musikalische Psychogramm eines Ausnahmekünstlers, dessen Einzigartigkeit für sich steht und dessen Werk mit seinem Anspruch auf Relevanz über jeden Zweifel erhaben ist.“ Das Selbstverständnis, über jeden Zweifel erhaben zu sein – kein guter Ausgangspunkt für einen kreativen Prozess.

Diese Selbstgefälligkeit schwingt ständig mit. Wo gesellschaftskritische Substanz behauptet wird, reiht der 73-Jährige in Wahrheit alte Phrasen aneinander. „Es geht immer nur so weit wie es geht“ (Ach?), „Und das Leben ist das Leben, es ist nicht das Paradies.“ (Nein!) Dabei wird die Banalität gerade durch Müller-Westernhagens pathetischen Gesang noch verstärkt. Theatralisch beschwört er: „Die Wahrheit! Die Hoffnung!“ Und bei jedem weiteren Jauchzer („Vertrauen!“, „Enttäuschung!“) glaubt man, dass gleich Hape Kerkeling im Studio aufkreuzt – Hurz! Das ist eine Mischung aus Peter Maffay und Schlagerparade, vermengt mit harmlosem Rock’n’Roll. Ansonsten: viel alter Mann, der seiner Jugend nachtrauert und mit dem Zeitgeist hadert. Im gleichnamigen Song heißt es: „Und jeder hofft auf eine Wende/ ein gutes Ende, ein gutes Ende.“ Tut man beim Hören auch – kommt nur leider nicht.

Marius Müller-Westernhagen: „Das eine Leben“ (Sony).

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