Riesen-S-Bahn-Störung auf der Stammstrecke - Fast alle Linien betroffen

Riesen-S-Bahn-Störung auf der Stammstrecke - Fast alle Linien betroffen
+
Eines der bedeutendsten Barocktheater schuf Giuseppe Galli Bibiena für die Residenzstadt Bayreuth.

Wiedereröffnung nach sechs Jahren Sanierung:

Das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth: Es werde Licht

  • schließen

Markgräfin Wilhelmine wäre entzückt gewesen: Rund 30 Millionen Euro haben die sechsjährigen Sanierungsarbeiten gekostet - alles zum Wohle eines der weltweit schönsten Barocktheater. Am 12. April wird das Bayreuther Opernhaus wiedereröffnet.

Berlin, ein Nachmittag im Jahre 1731. Wieder diese üble Laune des Preußenmonarchen. Ob seine Tochter ihm gehorche, so die zornige Frage. Die wirft sich Friedrich Wilhelm I. wortlos zu Füßen – worauf sich die Laune des „Soldatenkönigs“ schlagartig ändert. Dann sei es beschlossen: Wilhelmine werde baldmöglichst mit dem Prinzen von Bayreuth verlobt. Kurz danach das erste Zusammentreffen zwischen der Großstädterin und dem Blaublut aus der Provinz. „Dieser Fürst ist groß und von schönem Wuchs“, notiert sie für ihre Memoiren. „Seine Züge sind weder regelmäßig noch schön, jedoch seine einnehmende und sympathische Physiognomie entschädigt ihn für mangelnde Schönheit.“

Vor allem aber garantierte der Erbprinz von Bayreuth der preußischen Königstochter das Wichtigste: endlich weg aus Berlin und Potsdam. Weg von einem brutalen, nicht nur die Familie misshandelnden Vater, der mit den kunstsinnigen Kindern Wilhelmine und Friedrich (dem späteren „Großen“) nichts anfangen konnte. Am 20. November wurde Wilhelmine mit dem späteren Markgrafen Friedrich verheiratet. Und als sie nach Franken übersiedelt war, bescherte sie der Stadt am Roten Main eine vorher nicht gekannte Blüte. Wilhelmine durfte ausleben, was man ihr ein paar hundert Kilometer weiter nördlich nie gestattet hätte. Eines ihrer größten Projekte, für das sie Europas führenden Theateringenieur Giuseppe Galli Bibiena engagierte, brachte der kleinen Residenzstadt internationalen Ruhm: Nach vierjähriger Bauzeit wurde 1748 das Markgräfliche Opernhaus erstmals bespielt. Dies mit „Artaserse“ von Johann Adolph Hasse, mit jener Oper also, die auch am kommenden Mittwoch zur Wiedereröffnung des Barockjuwels gespielt wird.

Einbau einer modernen Bühnentechnik

Damit schließt sich am 12. April ein Kreis. Seit 2012 wurde an der Opernstraße 14 gewerkelt, ausgebessert, aufgefrischt, gemalert – rund 30 Millionen Euro hat die umfassende Sanierung eines Gebäudes gekostet, das 2012 zum Unesco-Weltkulturerbe geadelt wurde. Ganz geschlossen wurde das Haus dabei nicht. Immer wieder konnten Besucher ins Foyer, wo sie über die Bauarbeiten und die Geschichte des Hauses informiert wurden. Oder man durfte sogar einen Blick in den Innenraum werfen, der mit Gerüsten vollgestellt war, um einen Eindruck zu bekommen von all den allegorischen Figuren, Stukkaturen und der Schnörkelpracht, mit der Decke und Ränge verziert sind.

Düster war es mit der Zeit geworden in diesem prachtvollen hölzernen Innenraum. Wer vor der Renovierung zur Besichtigung kam oder zu einer Aufführung, der fand sich wieder in einem grüngoldenen Interieur, das ziemlich Patina angesetzt hatte. Bis zu 30 Restauratoren waren in den vergangenen sechs Jahren im Einsatz. Auch um die Oberflächen zu reinigen: Ölige Insektenschutzmittel und andere Substanzen waren fürs starke Nachdunkeln verantwortlich. Wenn also am Mittwoch die Besucher des Staatsakts den Innenraum betreten, werden sie feststellen: Alles ist lichter und freundlicher, fast wieder wie 1748, als das Haus anlässlich der Heirat von Wilhelmines Tochter eröffnet worden war.

Kooperation mit den Festspielen

Doch die Oberflächen- und Ausbesserungsarbeiten sind das Eine. Zugleich wurde auch eine moderne Bühnentechnik eingebaut. Das Markgräfliche Opernhaus soll nicht nur als Theatermuseum dienen, sondern tatsächlich als funktionierende Spielstätte. Ein eigenes Ensemble gibt es in Bayreuth schon lange nicht mehr. Aber für Gastspiele ist man nun jederzeit offen – ob für die Theaterakademie August Everding mit ihrem „Artaserse“ oder für andere Veranstalter. Die Berliner Philharmoniker und Dirigent Paavo Järvi reisen am 1. Mai zu ihrem traditionellen Europakonzert an. Countertenor-Star Max Emanuel Cencic zeigt am 18. Mai seine halbszenische Produktion von Hasses „Siroe“. Das Theater Pilsen kommt im Juni mit Monteverdis „L’Orfeo“. Und zwei Tage vor der Eröffnung der Wagner-Festspiele spielt am 23. Juli Klavier-Virtuose Daniil Trifonov.

Das Markgräfliche Opernhaus also als Konkurrenz zur Weihestätte auf dem Grünen Hügel? Eher ist an eine friedliche Koexistenz gedacht, an ein symbiotisches Zusammenwirken. Schon früher gab es während des sommerlichen Festivals immer wieder Konzerte im Barocktheater. Und künftig, so ist zu hören, können sich die Festspiele auch größere, ergänzende Produktionen dort vorstellen.

Ohnehin ist das Markgräfliche Opernhaus dafür verantwortlich, dass heute regelmäßig die Werke Richard Wagners in Franken gepflegt werden. Ursprünglich wollte der Meister seine Musikdramen im Stadtzentrum aufführen lassen. Doch die Diagnose nach der Besichtigung: zu klein. Also wurde nur ein paar hundert Meter weiter „Ersatz“ geschaffen. Wie eben das Schicksal so spielt – auch für Wilhelmine hatte der barbarische Vater zunächst andere Pläne. Eigentlich sollte sie mit dem Prinzen von Wales verheiratet werden. Gut möglich also, dass eines der weltweit bedeutendsten Barocktheater dann nicht in Bayreuth errichtet worden wäre, sondern in London.

Informationen
zur Wiedereröffnung unter www.sanierung-opernhaus-bayreuth.de; Übertragung des Festakts im Internet am 12. April, 18.30 Uhr, unter www.br.de/franken.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kerstin Ott und Ehefrau: Familienzuwachs! Sängerin verkündet wundervolle News
Kerstin Ott wird gerade auf Instagram von Glückwünschen überhäuft: Die Schlagersängerin und ihre Frau haben Familienzuwachs bekommen!
Kerstin Ott und Ehefrau: Familienzuwachs! Sängerin verkündet wundervolle News
Gute Bücher zu Weihnachten verschenken: Sieben Empfehlungen unserer Redaktion
Manche behaupten, ein Buch sei ein einfallsloses Weihnachtsgeschenk. Stimmt nicht. Unsere Redakteure haben bezaubernde, starke, mutige Bücher gelesen, die auf eine …
Gute Bücher zu Weihnachten verschenken: Sieben Empfehlungen unserer Redaktion
Tiroler Festspiele in Erl: Vorletzte Runde der alten Zeitrechnung
Gustav Kuhn ist weg, dafür gibt‘s Promi-Ersatz: Die Tiroler Festspiele stehen vor dem Winter-Durchgang und vor einem Neubeginn.
Tiroler Festspiele in Erl: Vorletzte Runde der alten Zeitrechnung

Kommentare