News-Ticker: Polizei soll Attentäter von Barcelona verhaftet haben

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Material einfach, Wirkung erstaunlich

- Die Geschichte des englischen Künstlers John Stezaker beginnt mit dem Diaprojektor seiner Eltern - und dem mitgelieferten Probe-Dia, der wohl bekanntesten Londoner Postkartenansicht mit den Houses of Parliament und Big Ben. Immer wieder malt der junge Stezaker sie ab, jedoch: Er verzichtet dabei auf das eigentliche Zentrum des Bildes. In seinen lang gestreckten Panorama-Versionen sieht das irritierte Auge neben ein paar Turmspitzen hauptsächlich Himmel. "The End" heißt ein ebensolches Panoramabild; mit ihm verlässt Stezaker 1975 die Malerei und wendet sich der Collage zu - das eigenwillige Prinzip der Ausschnitthaftigkeit bleibt.

Eine Herausforderung an die aufmerksame Geduld

In der Ausstellung "Archiv & Erzählung" im Kunstverein München bedeutet "The End" einen Einstieg in ein Vexierspiel der besonderen Art: Stezakers Kunst aus neu montierten Fundstücken, zweidimensionale Bildkonglomerate, die unverhoffte Räume öffnen. Auf die Fotos von amerikanischen Filmszenen der 50er-Jahre setzt der Londoner Kunstdozent englische Landschaftspostkarten. Surreal fusionieren diese beiden Ebenen, verlieren ihre Identitäten und bilden eine neue, fantastische Welt.

Beim Spiel mit alten Starporträts wird der Mensch demaskiert, entpersonalisiert, architektonisch zerlegt und schließlich wieder mit der Natur konfrontiert - wenn Stezaker dessen Silhouette mit Pflanzen füllt. Das Material ist einfach, die Wirkung erstaunlich.

So wie bei T.J. Wilcox, dem zweiten Künstler der Schau im Kunstverein. Wilcox' Erzählungen finden in Kurzfilmen von sechs bis zehn Minuten statt. Auch sie vereinen fremdes Material, "found-footage", mit Eigenschöpfungen und lassen so neue, starke, (halb)authentische Episoden mit dokumentarischem Charakter entstehen. "Garlands", Girlanden, so der Titel seiner 16mm-Filme, die Wilcox in einer Reihung von sechs ratternden Projektoren präsentiert. Der Rest ist visuell: Untertitel begleiten die Filmbilder in ihren vielfältigen intimen Erzählungen von taubstummen Malern oder dem russischen Zarenhund, von Kokeshi-Püppchen oder der Pariser Place Vendô^me.

Stezaker (geboren 1949) und Wilcox ( geboren 1965) sind zwei Künstler, die in ihren Materialcollagen mit der Gewohnheit des Betrachters spielen: Wo das Auge bei Stezaker zur Vollständigkeit drängt, sind Wilcox' Filme eine Herausforderung an die aufmerksame Geduld.

In beiden Fällen jedoch wird der Betrachter durch die kuriose Einfachheit einer Erzählwelt der Neuordnung entschädigt.

Bis 2. Oktober, Galeriestraße 4/ Arkaden am Hofgarten; Telefon: 089/ 22 11 52.

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