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Mit Puppen spielen Mathilde Bundschuh und ihre Kollegen in der Inszenierung von „Der Streit“ im Cuvilliéstheater. Eine ganz neue Herausforderung für die 23-Jährige, die seit einem Jahr Ensemblemitglied am Residenztheater ist.

Vor der Residenztheater-Premiere:

Vom Film auf die Bühne

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Mathilde Bundschuh wählte einen ungewohnten Weg – ab diesem Samstag ist sie im Cuvilliéstheater in „Der Streit“ zu sehen.

Natürlich hätte sie einfach weitermachen können wie bisher. Filme drehen, Preise einheimsen, begeisterte TV- und Kino-Kritiken lesen. Doch Mathilde Bundschuh ist keine, die gern im Status quo verharrt. Auch keine, die das Schauspielen des Ruhms wegen gewählt hat. Die heute 23-Jährige, die bereits als Kind vor der Kamera stand, wollte mehr – und entschied sich für ein Schauspiel-Studium. Das hat sich ausgezahlt, seit der Spielzeit 2016/17 ist sie Ensemblemitglied am Münchner Residenztheater. Meistens verläuft der Weg andersherum: erst Theater, dann der Ruf zum Film. Nicht bei der jungen Frau mit den großen Augen im zarten Puppengesicht – sie wechselte von der glitzernden Filmwelt auf die Bühne. Für sie eine Entscheidung, die ihr Leben verändert hat. „Hier gibt’s Stoffe – Antikes, Shakespeare, Schiller –, die hast du im Film nicht. Da muss man viel weiter über den eigenen Tellerrand hinausgucken, muss seinen Blickpunkt ändern. Das schätze ich extrem.“

Wenn sie davon erzählt, wird klar: Bundschuh ist auch keine, die immer den einfachen Weg wählt. „Ich hatte Angst, dass ich im Film an einen Punkt komme, an dem ich mich nicht mehr weiterentwickle, an dem ich anfange, mich um mich selber zu drehen und nur noch das spiele, was ich vielleicht schon kann und gemacht habe“, erzählt sie. Sie strebte nach neuen Herausforderungen – die im Theater in jedem Stück auf sie warten. „Das sind einfach Texte, da knie ich nieder und denke: Vielen Dank, dass wir noch die Möglichkeit haben, das vor uns zu haben. Das ist viele, viele, viele Jahre alt, und es lebt immer noch weiter“, schwärmt sie. Aus der anfangs zurückhaltend wirkenden Schauspielerin beginnt die Begeisterung förmlich herauszusprudeln. „Ich bin ein ganz großer Fan von alten Texten. Weil ich mich daran abarbeiten möchte und muss, um sie zu verstehen und auch für die Zuschauer lebendig zu machen.“

Die Nussknackerin

Jetzt habe ich es verstanden! Die Nuss ist geknackt! Diese Momente liebt sie. Woher das kommt? Vielleicht von ihrem Opa, der war Pathologe und Professor an der Berliner Charité. „In meiner Familie tragen wir diesen Forscherdrang, glaube ich, alle in uns“, erzählt sie, schaut nachdenklich auf das Wasserglas, das vor ihr steht und philosophiert dann: „Wie ist zum Beispiel dieses Glas entstanden? Warum heißt es Glas und nicht Löffel? Überhaupt: Wo kommen all diese Wörter her? Da gehen so viele Türen auf – durch eine Frage!“ Freudiges, elektrisierendes Lachen.

Diese Neugierde steckt an. Denn warum ist Bundschuh eine, die das Theater mag? Weil sie auch eine ist, die Menschen mag. Der Vorsatz der gebürtigen Sächsin für 2018, die schon nach einem Jahr in München angekommen zu sein scheint: die anderen Kollegen aus der Stadt kennenzulernen. „Es gibt hier so viele großartige Schauspieler an den verschiedenen Häusern, die ich auf der Bühne sehen will, mit denen ich mich austauschen will“, sagt sie – und wenn sie dann die „spürbare Energie“ erwähnt, die sie alle verbinde, wird sie auch für den Unbeteiligten greifbar. Neulich haben sie erstmals eine Party mit den Ensembles der Stadt im Marstallcafé veranstaltet. Durchaus ausbaufähig für gemeinsame Projekte, oder? „Sagen wir so: Wenn’s mit dem Feiern anfängt, da kann’s ja noch weitergehen.“ Ein Lächeln.

Natürlich wird Bundschuh Film und Fernsehen nicht ad acta legen. Gerade kann man sie in Italien im ersten 3D-Film des Landes sehen. Ein kunterbuntes Werk über die Kraft der Fantasie. Für sie eine der wichtigsten Mächte überhaupt – „ohne Fantasie geht weder spielen noch gucken. Beides halte ich übrigens für eine hohe Kunst.“ Ab diesen Samstag können sich die Zuschauer im Cuvilliéstheater wieder in der einen der beiden Künste üben, dann ist Bundschuh in Pierre Carlet de Marivaux’ „Der Streit“ zu sehen.

Eine der vielen Premieren, die noch bis zum Intendantenwechsel vor ihr und den Kollegen liegen. Nervös wegen der Veränderungen in zwei Jahren am Resi, wenn Martin Kušej von Andreas Beck abgelöst wird? Nein, sie nimmt’s, na klar, als willkommene Herausforderung. „Wir wissen noch nicht, was in zwei Jahren ist – aber wir haben die Zeit bis dahin, also lasst uns die so toll wie möglich nutzen!“, spornt sie an. „Wir haben großartige Mittel in der Hand. Wir haben Leute, die richtig Bock haben zu arbeiten, durch die Bank weg. Das finde ich hier sehr, sehr spürbar. In allen Abteilungen hast du das Gefühl: Jeder hat Lust zu arbeiten. Das jetzt nicht zu nutzen, wäre bescheuert. Es ist eher so rum: jetzt oder nie!“

Premiere

von „Der Streit“ ist an
diesem Samstag, 19.30 Uhr, im Cuvilliéstheater. Karten unter Tel. 089/ 2185-1940.

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