Matsch mit Soße

München - Während die Theater in München noch den Schlaf der Gerechten schlafen, hat in Berlin soeben die Saison begonnen. Den Auftakt macht das Deutsche Theater mit einer Neuinszenierung von William Shakespeares "Was Ihr wollt".

Das hat was Programmatisches; denn Interimsintendant Oliver Reese plant für diese Spielzeit 23 Premieren. Titelvielfalt, für jeden etwas. Was er als der frühere Chefdramaturg des Hauses noch in der Schublade hatte, aus der sich nun in den kommenden Monaten 21 Regisseure bedienen wollen - gerade wie es ihnen gefällt.

Und da das Deutsche Theater wegen Renovierung noch bis Anfang Dezember geschlossen bleibt, setzte man ein schönes Spielzelt auf den Vorplatz. Die Berliner scheinen vorab schon mal begeistert. So groß jedenfalls ist der Run auf die Karten. Man stelle sich auch vor: Die Schauspieler, artistengleich in der Manege - das muss ja von besonderem Reiz sein. Müsste. Könnte. Sollte. Ist es aber nicht. Wenn Shakespeare seine schiffbrüchigen Zwillinge Viola (Stefan Konarske) und Sebastian (Mirco Kreibich) aus den Wellen des Meeres rettet, um sie an Land in den Fluten ihrer verwirrten Gefühle ertrinken zu lassen, sorgt Regisseur Michael Thalheimer dafür, dass sie von Anfang an im Schlamm stecken bleiben.

Denn Schauplatz Illyrien (Bühne: Olaf Altmann) ist hier ein einziger Morast. Und weil der Narr (Michael Schweighöfer) davon spricht, dass es jeden Tag regne, ergießt sich die Sprinkleranlage ausgiebig auf den Matsch. Sich in diesen Dreck reinzuschmeißen, reinzuwühlen, reinzugraben, bleibt die artistische Hauptleistung des Abends. Bei den einen soll's komisch sein, wenn etwa Saufkerl Sir Toby (Bernd Stempel) und Ritter Bleichenwang (Niklas Kohrt) à la Harald Schmidt und Oliver Pocher durch die braune Soße rutschen; bei den anderen tragisch, wenn zum Beispiel die als Mann verkleidete Viola immer mehr zu einem zitternden Etwas mutiert.

Es gab zwei Gründe, die auf diese Produktion neugierig machten. Erstens das Zirkuszelt, das Thalheimer aber nicht als Arena nutzt. Und zweitens die Tatsache, dass wie zu Shakespeares Zeiten die Frauenrollen von Männern gespielt werden. Das hätte vielleicht dem schillernden Hin und Her zwischen den Geschlechtern einen zusätzlichen Kick verleihen können. Wenn sich also Orsino (Alexander Khuon) in den Knaben Cesario verliebt, der in Wirklichkeit das Mädchen Viola ist, die von einem Mann gespielt wird. Oder Olivia (Ingo Hülsmann), die ebenfalls für diesen femininen Jüngling entflammt ist, der doch aber das von einem jungen Mann dargestellte Mädchen Viola ist.

Doch Thalheimer enttäuscht die hochgesteckten Erwartungen. Alles ohne Charme, ohne Erotik. Die Aufführung wird in endlos scheinenden zwei Stunden immer matschiger, platter und mündet in schlechte Travestie. Schiffbruch also nicht nur bei Shakespeare. Schiffbruch erleidet das Deutsche Theater mit dieser Auftaktinszenierung. Und mit seinen für dieses Hauptstadthaus durchweg zu schlechten Schauspielern. Ein Schlammassel.

Weitere Vorstellungen:

30. und 31.8., 1., 5., 6., 7.9. Telefon 030/ 28 44 12 25.

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