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Betrachtungen über den Münchner Alltagswahnsinn stellte Matthias Kiefersauer bei seiner Lesung im Schwabinger Kleinkunstlokal „Vereinsheim“ an. Das Publikum war ganz Ohr.

Matthias Kiefersauer: Das erstaunliche München

München - Merkur-Kolumnist und Regisseur Matthias Kiefersauer stellte sein neues Buch vor. Wir waren dabei:

Normalerweise liest Matthias Kiefersauer nur, damit die Leute besser einschlafen. Um genau zu sein: Xaver und Anton, seine Söhne. Der 38-Jährige schreibt zwar die schönsten Kolumnen für unsere Zeitung und hat sie jetzt sogar als Buch herausgegeben. Aber eine Lesung, noch dazu in der gerammelt vollen Schwabinger Kleinkunstkneipe „Vereinsheim“, das ist doch eine ganz andere Sache.

Dass die Stimmung bei der Präsentation des Buchs „Weltstadt mit Föhn“ dennoch prächtig war, lag daran, dass der Drehbuchautor und Regisseur eben auch ein toller Erzähler ist. Mit ruhiger Stimme und Schalk in den Augen trug er seine Betrachtungen über den Alltagswahnsinn an der Isar vor: „Meine persönliche Immobilienkrise sieht so aus: Ich lese den Immobilienteil der Zeitung und krieg die Krise.“ Ein Schmunzeln konnte er sich selbst selten verkneifen.

Mit anderen Worten: Kiefersauer ist authentisch. Seine in der Rubrik „Münchner Freiheit“ erscheinenden Samstags-Kolumnen besitzen genau denselben ruhigen Ton und hinterkünftigen Witz. Egal, ob der Autor über Italiener beim Kocherlball schreibt, über peinliche Theaterbesuche oder über die „immergleichen Blondinen“ im Biergarten: „Manche dieser Frauen haben die Neigung, etwas zu laut zu reden. ,Mein Dad ist der beste Koch ever‘, hagelte es neulich von hinten in meinen Obazdn. Und wenn ich mich recht erinnerte, flockte der schlagartig aus.“

München erstaunt ihn wohl immer noch. Das mag daran liegen, dass der aus dem Isarwinkel stammende Autor im Gegensatz zu vielen Bewohnern der Stadt echter Bayer ist. Als „schrägen Heimatabend“ hatte er denn auch die Lesung konzipiert: An die Wand warf man Bilder des Fotografen Volker Derlath, die sich auch im Buch finden: Grantelnde Senioren vor Graffiti oder angeschlagene Wiesngäste gaben einen würdigen Rahmen ab für die Texte – genauso wie das Duo Tobias Hofmann und Thomas Unger: Bekleidet mit Filzpantoffeln, Fahrradhelm und Lederhose bliesen sie in Flaschen, spielten Mini-Trompete und rangen der Volksmusik mit gekonnt geblödelten Gstanzln komische Seiten ab.

Am Ende resümierte der Kolumnist: „München nervt.“ Aber: „Ich glaube, hier gehöre ich hin.“ Der Meinung war auch das lachend applaudierende Publikum. Nicht wenige dürften insgeheim neidisch sein auf Xaver und Anton – die können sich von Matthias Kiefersauer jeden Abend vorlesen lassen.

Johannes Löhr

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