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Matthias Lilienthal soll die städtische Bühne von der Spielzeit 2015/16 an leiten soll.

Neuer Kammerspiel-Intendant

Matthias Lilienthal will in München landen

München - Der neue Intendant der Münchner Kammerspiele steht fest: Ab 2015 wird der Berliner Matthias Lilienthal die Geschicke des Hauses lenken.

Der Neue mag keine roten Ampeln. Er gehe grundsätzlich bei Rot über die Straße, sagte Matthias Lilienthal gestern im Werkraum der Kammerspiele. Die Münchner Autofahrer würden ihm dann böse Blicke zuwerfen. An ein solch korrektes Umfeld wird sich der Berliner gewöhnen müssen. Der 53-Jährige soll von der Spielzeit 2015/16 an neuer Intendant der Münchner Kammerspiele werden und damit Nachfolger von Johan Simons, der das Haus verlässt, um die Ruhrtriennale zu leiten. Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers wird Lilienthal im Stadtrat als einzigen Kandidaten für den Chefposten der städtischen Bühne vorschlagen, am 26. September soll der Kulturausschuss abstimmen. „Matthias Lilienthal gehört zu den prägendsten, einflussreichsten und international versiertesten Persönlichkeiten im deutschsprachigen Theater“, lobte Küppers. „Er hat jedes Haus und jedes Format, dem er vorstand, immer wieder erfunden, ohne darüber die Traditionslinien zu vergessen.“

Der designierte Theaterleiter versprach, in München „sehr lokal und sehr international zugleich“ arbeiten zu wollen: „Ästhetisch möchte ich an die erfolgreiche Arbeit von Frank Baumbauer und Johan Simons anknüpfen. Von Baumbauer habe ich die Liebe zu Schauspielern gelernt. Und mit Simons verbindet mich die Internationalität der Arbeit. Belgien und die Niederlande möchte ich zum Beispiel durch Paris und Tokio ergänzen“, sagte Lilienthal, der sich gestern dem Ensemble des Theaters vorstellte, bevor er vor die Presse trat. Aktuell ist er damit beschäftigt, das Programm des Festivals „Theater der Welt“ zu kuratieren, das im kommenden Jahr in Mannheim stattfinden wird.

Nach dem Studium der Theaterwissenschaft, Geschichte und Germanistik war Lilienthal von 1988 bis 1991 als Dramaturg am Theater Basel, bevor er als stellvertretender Intendant und Chefdramaturg an die Berliner Volksbühne unter Frank Castorf wechselte. Hier arbeitete Lilienthal bis zum Jahr 2000. Manchem Kenner der Theaterszene gilt er als „Hirn“ des Erfolgs der Volksbühne in jener Dekade, in der er unter anderem auch Christoph Schlingensief (1960-2010) zu dessen erster Regiearbeit am Theater brachte. Mit Schlingensief konzipierte Lilienthal zudem das Projekt „Bitte liebt Österreich“ für die Wiener Festwochen (2000).

Zwischen 2003 und 2012 war er künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des Hebbel am Ufer in Berlin. Hier hat er etwa das Thema „Migration“ in den Spielplan integriert – ein Schwerpunkt, der wohl auch in seiner Kammerspiele-Intendanz wichtig werden dürfte. Außerdem wolle er das Publikum des Hauses an der Maximilianstraße weiter verjüngen, kündigte Lilienthal an. Aussagen zum Spielplan machte er – natürlich – keine, überlegte nur, ob der Roman „Mittelreich“ von Josef Bierbichler eine Geschichte sein könnte, die ihn interessiert.

is zu Lilienthals Start versprach Johan Simons, „die Maschine noch mal richtig anzutreiben, damit er in ein Haus kommt, das richtig lebt“. Die Kammerspiele starten am 26. September in die neue Spielzeit: Dann feiert Büchners „Dantons Tod“ Premiere, der 2015 scheidende Hausherr inszeniert.

Michael Schleicher

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