Räumung am Hauptbahnhof - das war der Grund

Räumung am Hauptbahnhof - das war der Grund
Regisseur und Hauptdarsteller in Personalunion: Matthias Schweighöfer schaut sich am Set seines neuen Films „Schlussmacher“ eine Szene an, die er zuvor selbst gespielt hat. Der Film kommt am Donnerstag ins Kino.

„Stimmt, der hat Bumms“

Matthias Schweighöfer im Porträt

Promi-Partys kann er nicht leiden, Pausen gönnt er sich kaum, und Priorität hat immer seine Tochter: Mit 31 Jahren ist Matthias Schweighöfer einer der erfolgreichsten deutschen Schauspieler. Diese Woche kommt sein zweites Regie-Werk ins Kino. Ein Blick auf eine ungewöhnliche Karriere.

Müde sieht er aus. In rotem Pullover und Jeans sitzt Matthias Schweighöfer (31) im Sessel einer Suite des Berliner „Hotel de Rome“. Ja, ihm fehle Schlaf, viel Arbeit, sagt er. Und grinst. „Aber ist doch schön: Man trifft sich in teuren Hotelzimmern und redet über den Film, den man gemacht hat. Warum dann scheiße drauf sein.“ Zack, alles klar. Der Wahl-Berliner redet nie lang drum herum. Wenn Kritiker loben, sein Film sei temporeich, sagt er: „Stimmt, der hat Bumms.“ Wenn in der Zeitung steht, sein Schaffen sei belanglos, sagt er: „Es ist mir wirklich egal, was die Feuilletonisten schreiben.“ Und wenn sein bester Freund anruft, dann sagt er: „Ey Alter, was geht?“

Ist das...? Ja, ist er. Für „What a Man“ schlüpfte Schweighöfer in Frauenkleider.

Diese Art kann man locker oder pseudo-cool, lustig oder lästig finden – doch unstrittig ist, dass Matthias Schweighöfer es ganz nach oben geschafft hat. Mit 31 Jahren gehört er zu den bekanntesten Schauspielern des Landes. 2011 lieferte er nach mehr als zehn Jahren im Filmgeschäft sein Regiedebüt („What a Man“) ab – und wurde von der „New York Times“ mit Woody Allen verglichen. Als den Film in Deutschland 400 000 Zuschauer gesehen hatten, rannte Schweighöfer in Unterwäsche durchs Brandenburger Tor. Eine Wette. Am Ende waren es 2,8 Millionen Kinobesucher.

Diese Woche kommt die zweite Regiearbeit des 31-Jährigen auf die Leinwand: „Schlussmacher“, eine Liebeskomödie über einen professionellen Trennungsagenten, der die Beziehungen anderer Leute beendet. Die Geschichte ist ein Plädoyer für den Kampf um die Liebe. „Dieser Kampf lohnt sich immer“, sagt Schweighöfer – aber ob er selbst ihn gewinnen wird, weiß er nicht. Im April 2012 trennte er sich nach acht Jahren von der Regieassistentin Ani Schromm. Die gemeinsame Tochter Greta ist drei Jahre alt. „Ani und ich kämpfen immer noch“, sagt Schweighöfer. „Vielleicht auch schon an verlorenen Fronten.“ Pause. „Ich weiß es nicht.“ Filme seien immer nur ein Glückszustand. „Das wahre Leben ist woanders.“

Meilenstein der Karriere: „Friendship“ (2010) machte Schweighöfer endgültig bekannt. Mit Friedrich Mücke (re.) spielt er einen DDR-Bürger, der nach der Wende Amerika bereist.

Um beide Teile zu verbinden, holt er als Regisseur Menschen aus seinem privaten Umfeld ans Set und vor die Kamera. „Man verbringt dann die viele Zeit, die man weg ist, auch mit den Leuten, die man gern sehen möchte.“ Milan Peschel, der in „Schlussmacher“ die zweite Hauptrolle spielt, ist Gretas Patenonkel. Schweighöfers Eltern spielen mit, sogar sein Physiotherapeut. Sein Name ist Billy.

Erfolgsdruck, so behauptet Schweighöfer, spürt er nicht. „Für mich war erst mal wichtig, einen zweiten Film zu machen. Das war der nächste Schritt.“

All seine Schritte begannen in Anklam in Mecklenburg-Vorpommern. Am 11. März 1981 wurde Matthias Schweighöfer dort geboren, seine Eltern sind ebenfalls Schauspieler. Sie trennten sich, als Matthias drei Jahre alt war. Mit seiner Mutter zog er nach Frankfurt an der Oder, dann nach Chemnitz. Dort wuchs er auf, machte Abitur. Er begann eine Ausbildung an der Ernst-Busch-Schauspielschule in Berlin, brach nach einem Jahr ab. Nicht sein Ding. Bis heute lebt Schweighöfer in Berlin, am Prenzlauer Berg. Zum ersten Mal vor der Kamera stand er als 16-Jähriger. 1997 dann sein Spielfilmdebüt, drei Jahre später die große Leinwand: „Mein Freund, seine Mutter und die Elbe“, ein Kurzfilm. Als 19-Jähriger gewann er den Adolf-Grimme-Preis („Freunde der Freunde“). Jetzt galt er als Nachwuchstalent.

Gewonnen: Im Jahr 2010 bekam Matthias Schweighöfer die Goldene Kamera.

Das sollte eine ganze Weile so bleiben: In „Soloalbum“ (2003) spielte er die Hauptrolle an der Seite von Nora Tschirner, ein Jahr später gewann er den Bayerischen Filmpreis („Kammerflimmern“). Er verkörperte Friedrich Schiller, spielte in Til Schweigers „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“, bekam die Hauptrolle in „Der rote Baron“, er drehte und drehte – und blieb doch: Nachwuchs. „Es wurden schon Wetten abgeschlossen“, erzählt er. „Wann kommt der nächste Satz mit Nachwuchsschauspieler?“ Er habe das „irgendwie niedlich“ gefunden, „dadurch blieb man noch so jung“. Tangiert habe es ihn nicht, sagt er – aber das kann er ja auch leicht sagen, denn er schaffte es raus aus der Schublade, die für andere Geburtsstätte und Karrieregrab zugleich blieb. Entscheidend war der Film „Friendship“ (2010). „Danach ging das los, dass man selber richtig Filme angeführt hat.“ Den Unterschied merkt er, wenn er heute einen Raum voller Menschen betritt. „Ich betrete den Raum noch genauso wie früher“, sagt er, „aber die Leute nehmen mich anders wahr. Früher war es eher so ein: Aha, wer ist das denn? Heute ist es: Ah, da iss er.“ Dem Nachwuchs entwachsen, droht nun die Kumpeltyp-Schublade. Dass er auch ernste Rollen spielen kann, ist Matthias Schweighöfer wichtig. Doch mit seiner Filmfirma „Pantaleon“ bringt er nun schon die zweite Liebeskomödie auf den Markt – eine sichere Sache, finanziell gesehen. „So eine Firma muss erst mal eine Basis kriegen, damit man dann auch Filme, die vielleicht nicht so erfolgreich sind, abfangen kann“, erklärt er. In naher Zukunft will er auch ernstere Stoffe verfilmen. Der nächste Schritt.

Kann auch ernst: 2009 spielte Schweighöfer Marcel Reich-Ranicki.

Und dann? „Ich würde gerne das größte Filmstudio Europas gründen in den nächsten zehn, zwölf Jahren“, sagt Schweighöfer. Und meint es ernst. Manchmal, gibt er zu, komme die Angst, dass der Erfolg plötzlich ausbleibt. „Aber es wird einfach nie vorbei sein, weil wir ehrliche Jungs sind und uns immer wieder neu erfinden.“ Wie lange das noch funktioniert? „Bis wir alle sterben.“ Zack, alles klar.

Ann-Kathrin Gerke

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